Mensch und Realität
 
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1. Die Entstehung des Menschen




Schöpfung

(Montage H.G. Klug)

1.0 Vorbemerkung

Auch der Mensch ist in Abstammung und Entstehung den Milliarden Jahre alten Natur- Gesetzen  und Prinzipien des Lebens auf dem Planeten Erde unterworfen. Grundlage hierzu ist die Zelle als kleinstes Element einer selbständigen Lebensform (Einzeller, z.B. Bakterien). Hier laufen die grundlegenden  Lebensfunktionen eines jeden Organismus, also auch die des Menschen, ab. Der Mensch als höchste Entwicklungsform des Lebens auf Erden besteht aus einem Netzwerk von vielen Milliarden hochspezialisierter Zellen, die seinen Körper bilden, wobei sich jede Zelle an ihre Aufgabe als Organzelle (Hirn, Herz, Leber, Niere, Haut, Blut, Knochen etc.) angepasst hat. 

Die gesamte Zellfunktion eines einzelnen Menschen innerhalb seines körperlichen Netzwerkes im biochemischen und biophysikalischen Gesamtkomplex zu überblicken, ist bis heute, trotz immenser wissenschaftlicher Erkenntnis, nicht annähernd gelungen. Zudem ist dieses „Netzwerk Mensch“ gleichzeitig Sitz der geistig seelischen Persönlichkeit, die seine immaterielle Existenz sowie sein Erleben und Verhalten beschreibt. 

Im folgenden wird daher der Versuch unternommen, sich der Entstehung des heutigen Menschen von zwei Seiten zu nähern. Zum einen wird die Entstehung des Individuums anhand des Ablaufs von der Zeugung bis zur Geburt erläutert. Zum anderen wird dargestellt, inwieweit nach heutigem Wissensstand die Abstammung des Menschen erklärbar ist. Alternativ wird aus hypothetisch verfremdeter Sicht in der Erzählung „Vulkanasche“ eine völlig andere Perspektive menschlicher Abstammung dargestellt.

Die Beschreibung des menschlichen Wesens, seines Aufbaus und seiner Funktionen, erfolgt in drei Abschnitten:

1.1 Die menschliche Zelle als Lebensbaustein
1.2 Der Mensch als Netzwerkindividium
1.3 Der Stammbaum des Menschen



1.1 Die menschliche Zelle als Lebensbaustein


Beispiel einer Zelle

Die Zelle ist der Grundbaustein des pflanzlichen und tierischen, somit auch menschlichen Organismus. Sie steht mit Ihrer Umgebung in ständigem Stoffaustausch, dabei besitzt sie einen eigenständigen Stoffwechsel. Sie ist erregbar und kann sich mittels Teilung vermehren. Der Zellkörper (Zytosoma) ist umschlossen von einer Membrane oder Zellwand. Das Innere der Zelle setzt sich aus Zytoplasma und Organellen zusammen. Hier findet der Glucosestoffwechsel und die Fettsäuresynthese statt. Weitere wesentliche Bestandteile sind der Zellkern (Haupt-Sitz der Chromosomen / Gene), die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle), das endoplasmatische Retikulum (Fasernetz z.B. bei Muskelzellen), Vakuole (Speicherfunktion z.B. Fette, Eiweiß etc.) Golgi Apparat (Mitwirkung bei Sekret-Proteinen), Lysosomen (Intrazelluläre Verdauung von z.B. Kernsäuren, Glykogen, Lipiden, Proteinen etc.), Zentriolen (Zellorganell bestehend aus  Mikrobutuli, stabilisierende Proteinfilamente in Röhrenform) sowie weitere paraplasmische Einschlüsse. 

Bei hochspezialisierten Zellformen treten weitere wichtige Merkmale wie  Fortsätze (Axion und Dentrit, Fibrillen bestehend aus Neuro- und Myofribrillen) als Verbindungselemente auf. Die Zelle selbst ist somit äußerst wandlungsfähig und erscheint innerhalb des Organismus in unterschiedlichen Formen und Funktionen  z.B. als Blutzelle, Bindegewebszelle, Nervenzelle etc.. Die nachfolgende Abbildung zeigt in stark vereinfachter Form den Aufbau einer solchen Zelle.


Prinzip- Darstellung des Aufbaues einer Zelle

Träger der Baupläne einer Zelle sind in überwiegenden Maße die Chromosomen im Zellkern. Sie beinhalten alle wesentlichen Erbinformationen in Form von Genen die zusammen mit Proteinen  hintereinander im Chromosom aufgewickelt sind. Zusätzlich sind noch weitere Gene in den Mitochondrien der Zelle zu finden, im Gegensatz hierzu existieren die Mitochondriengene nicht als Chromosome, sondern sind ringförmig ausgebildet. Die Gene selbst sind in Form einer Doppelhelix der Desoxyribonucleinsäure, kurz DNS oder DNA genannt, abgespeichert. Der Mensch wiederum besitzt 46 Chromosomen, die seine Art bestimmen. Die nachfolgende Darstellung zeigt den Aufbau einer Doppelhelix der DNS und wie sie im Chromosom verpackt ist. Das Gen selber ist wiederum in Exonsequenzen (codierende Abschnitte) und Intronsequenzen (nicht codierende Abschnitte) unterteilt, wobei die Exons durch die Introns getrennt werden.

Prinzip-Bild eines aus einem Chromosom abgeleiteten Gens

Da es sich beim Menschen um getrennt geschlechtliche Organismen (männlich, weiblich) handelt, gibt es sowohl X- als auch Y- Chromosomen, die in XX- und in XY- Form vorliegen. Dabei besteht das X- Chromosom aus vollwertigen Kopplungsgruppen, die der weibliche Elternteil über die Eizelle in den Zellteilungsprozess einbringt. Der männliche Elternteil fügt über die Spermazellen sowohl X- als auch Y- Chromosomen in den Teilungsprozess ein. Somit entstehen anschließend durch Befruchtung der Eizellen durch ein X- übertragendes Spermium (XX) weibliche Nachkommen und durch Befruchtung mit einem Y– übertragenden Spermium (XY) die männlichen Nachkommen. In der nachfolgenden Darstellung ist der Augenblick der Zeugung dargestellt, wobei ein männliches Spermium in die Zellhülle des weiblichen Eis eindringt um den Befruchtungsvorgang auszulösen. Damit ist die Voraussetzung für die nachfolgende Zellteilung und Vermehrung geschaffen. Der in der Zelle enthaltene Bauplan wird kopiert und in neuen Tochterzellen verankert.

Der Augenblick der Zeugung

Die Gene als Bauplanträger enthalten alle wesentlichen Informationen, die von der Mutterzelle an die Tochterzelle weitergegeben werden, um der Tochter ein gleichartiges Leben wie das der Mutterzelle zu ermöglichen. Dennoch sind die Gene kein absolut für alle Zeit festgeschriebenes Erbe, das die Mutter auf die Tochter als Spiegelbild überträgt, sondern dieser Kopierprozess ist für externe (physikalische oder auch chemische) Einflüsse offen. So kann z.B. durch ionisierende Strahlung die Desoxyribonucleinsäure (also das Gen) Änderungen in Zahl, Inhalt und Reihenfolge erfahren, die als "Mutation" des ursprünglichen Gens an die Tochterzelle weitergegeben werden. Damit hat sich die Natur über den Faktor Zeit eine unglaubliche Vielzahl an Möglichkeiten geschaffen, ihre Individuen und Organismen weiter zu entwickeln, um so den Reichtum mit Organismen unterschiedlichster Art und Funktion auf dem Planeten Erde zu gestalten.  

In einem vom Naturforscher Charles R. Darwin  entdeckten Ausleseprozess des Lebens ist das Prinzip der Zuchtwahl, in der die Lebewesen  (Pflanze oder Tier, somit auch Mensch) versuchen auf dem Planeten Erde ihre jeweilige Existenznische zu finden, verankert. Überleben auf Dauer können nur erfolgreiche Individuen, die sich am besten an ihre Lebensbedingungen anpassen können. Sie geben ihre Eigenschaften an ihre Nachkommen weiter. Weniger erfolgreiche, somit schlecht oder gar nicht an ihre Umgebung angepasste Lebewesen unterliegen im Wettbewerb mit den Erfolgreichen und sterben dann aus. Manche der mutierten Gene sind jedoch für die erbende Tochterzelle keine Hilfe für ein erfolgreiches Weiterleben. Sie verursachen Krankheiten wie z.B. Krebs, die den frühen Tod der Zelle bedeuten können.


1.2 Der Mensch als Netzwerk- Individuum

Netzwerke zu bilden, ist eines der genialsten Lebensprinzipien der Natur und ist im gesamten Kosmos verankert. Ein Netzwerk besteht aus vielen selbständig existieren Individuen mit gleichen aber auch teilweise unterschiedlichen Eigenschaften. Sie stehen miteinander über chemischen Stoffwechsel, physikalische Bindungen und / oder informelle Kommunikation im Verbund, wobei die Eigenschaften der Individuen mit der Gesamtheit des Netzwerkes verstärkt zur Wirkung gebracht werden können. Oder es entstehen  durch Wechselwirkung gleicher und unterschiedlicher Funktionen ganz neue, beim einzelnen Individuum bisher nicht gekannte Funktionen und Eigenschaften des gesamten Netzwerkes. 

Durch die vielfache Redundanz der Individuen können Ausfälle einzelner Netzwerkbereiche kompensiert werden, oder auftretende Fehler beseitigt werden. Netzwerke sind gegenüber äußeren Einflüssen offen und können diese für ihre Individuen so verarbeiten, dass sie damit existenzielle Vorteile erreichen, die ihnen als Individuum alleine nicht zugänglich wären. 

Damit sind auch die Grundlagen für die Lernprozesse eines Netzwerkes gegeben, die auf der Basis gesammelter Erfahrung Wissen für die Verbesserung der Wirkungsweise und für die erfolgreiche Verlängerung seiner Existenz einsetzen. Berücksichtigt man diese vorgenannten Voraussetzungen, ergibt die Sicht auf den Menschen als wachsendes, ständig lernendes hochkomplexes Netzwerk neue Perspektiven beim Verständnis der menschlichen Existenz und ihrer Weiterentwicklung. Das menschliche Zellnetzwerk findet seinen Ursprung in der Fusion aus Eizelle und Spermium zu einer einzigen befruchten Zelle. 

Nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle in die Gebärmutter des weiblichen Organismus ein. Dort herrschen die für die erfolgreiche Entstehung eines Menschen nötigen Umgebungsbedingungen (Temperatur, Ernährung, Stoffwechsel, Schutz etc.) vor. Nunmehr setzt ein kontinuierlich fortlaufender Zellteilungs- und Vermehrungsprozess ein (am 2.Tag 4 Zellen, am 3. Tag 8 Zellen etc.). Es entsteht eine sogenannte Blastozyste in deren Inneren sich die den Embryo bildenden Zellen (Embryoblasten) von den Mutterkuchen bildenden Zellen (Trophoblasten) trennen. Wenn die Blastozyste in die Gebärmutter gelangt, besteht sie bereits aus einem kleinen Zellnetzwerk von ca. 70 bis 100 Zellen. 

In der 5. Woche etwa sieht der Zellhaufen aus, wie ein kleines wurmartiges Gebilde. Die Zellen des Embryos spezialisieren sich nunmehr in Form eines äußeren Keimblattes das zwei Längsfalten aufweist. Hier entsteht in Form eines Neuralrohres die spätere Ausbildung zum Gehirn, Rückenmark und Nervensystem. Aus dem inneren Keimblatt entwickeln sich nunmehr weitere Organe wie Dick- und Dünndarm, Schleimhäute etc.. Muskeln, Binde- und Stützgewebe werden aus dem mittleren Keimblatt heraus aufgebaut. So entsteht ein Wachstumsprozess, an dessen Ende der Mensch als Fötus bis an die Geburt geführt wird. Etwa am 22. Tag bilden sich erste zuckende Herzmuskelzellen. Sie stellen Sauerstoff und Nährstoffe bereit. In der folgenden Abbildung ist schematisch der Zellhaufen einer Blastozyste  dargestellt ein dichtgepacktes  Netzwerk der einzelnen Zellen.
 
 

Durch Teilung entstandener Zellhaufen
nach der Befruchtung (Blastozyste)

Botenstoffe und Hormone sind die Grundlage der intra- und extrazellulären Kommunikation. Sie werden meist in den endokrinen Drüsenzellen gebildet, die mit dem Blutzellen und Lymphgewebe in Verbindung stehen. In geringen Mengen erzeugt, steuern sie alle wesentlichen extra- und intrazellulären biochemischen Stoffwechselvorgänge, die physiologische Abläufe auslösen. Sie steuern somit die körperlichen Regelvorgänge und werden ihrerseits durch das hormonale Hypophysen-Zwischenhirnsystem (z.B. über die Hirnanhangdrüse) kontrolliert. So wirkt z. B. das als Zweitbote bezeichnete Hormon „Cyclo AMP“ auf die Zellprozesse ein, indem es den Transport durch die Zellmembran beeinflusst  und anschließend die Genaktivierung  steuert. 

Die Natur hat auf diesem Wege für das „Netzwerk- Individuum“ Mensch komplexe Regelkreise aufgebaut, um z.B. lebenswichtige Funktionen wie Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Zellteilung und Vermehrung etc. in optimaler Weise zu steuern. Mit der Bildung der Nervenzellen ist eigentlich die Grundlage für die Entstehung eines bewussten menschlichen Wesens gelegt. Es sieht jetzt etwa aus, wie die erste Stufe  des nachfolgenden Bilderablaufes der Entstehung eines Embryos.

Entwicklung eines Embryos zum geburtsreifen Fötus

Jetzt wird auch deutlich, dass der Mensch vom Aufbau her zu den Wirbeltieren gehört. Er durchläuft somit auch deren Vorstufen als genetisches Erbe des beginnenden Lebens. Nach der 9.Woche bilden sich erste Schädelknochen, die das Gehirn zunächst lose umfassen, um Platz für das Wachstum dieses alles steuernden Organs zu lassen. Das Gehirn bildet nunmehr alle wesentlichen Funktionsteile für die Lebensablaufsteuerung aus und nimmt über das ebenfalls sich ausbreitende Zentralnervensystem Kontakt zu allen peripheren Zellen (Sinneszellen, Muskelzellen etc.) auf. Es ermöglicht dem Fötus erste Sinneseindrücke im Mutterleib und die Steuerung von grundlegenden Bewegungsabläufen. Viele Organe wie z.B. die Nieren und der Magen funktionieren schon jetzt. Ein feingesponnenes Netzwerk von Nerven nimmt vom Gehirn aus erste Eindrücke wahr, wie Gefühle und etwaige Schmerzen.

Abbildung eines Fötus

Nach der 16. Woche sind die Grundlagen für fast alle Körperteile und Funktionen gelegt. Der Fötus gleicht nun immer mehr einem Baby. Bisher stand als Aufgabe die schnelle Ausbildung aller Organe im Vordergrund. Jetzt geht es darum, dass das Wachstum und die Gewichtszunahme für ein geburtsfähiges Baby erreicht wird. Der kleine Körper wird gestreckt und bereitet sich auf die Möglichkeit eines späteren aufrechten Ganges vor. Geräusche, Stimmen, Schwingungen und Stöße können wahrgenommen und grob analysiert werden. 

Nach 9 Monaten Schwangerschaft wird die Geburt des nunmehr fertigen Babys eingeleitet. Es ist jetzt bereit, in ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben auf dem Planeten Erde einzutreten, im Rahmen einer Familie aufzuwachsen und ein Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden.
Das Netzwerk „Individuum Mensch“ ist daher ähnlich einer einzelnen Zelle wiederum  eingebettet in die Gesamtheit der menschlichen Gesellschaft ohne deren soziale und kulturelle Bindung es auf Dauer kaum lebensfähig wäre.


1.3 Der Stammbaum des Menschen

Als biologische Art steht „HOMO SAPIENS“ allein auf diesem Planeten, genannt „ERDE“. Seine Vorläufer und Verwandten haben ihn alle nicht überlebt (Siehe auch „Geschichte des Neandertalers“) . Im Sinne der Natur ist er also eine äußerst erfolgreiche Art in der flexiblen Weiterentwicklung und im Überleben. Mehr als 6 Milliarden Individuen umfasst derzeit sein Bestand auf dem Planeten. Dennoch liegt sein wirklicher Ursprung trotz großer Durchbrüche in der archäologischen, anthropologischen sowie genetischen Forschung noch weitgehend im Dunkel der Geschichte unseres Planeten. 

Aus zeitlich weit auseinanderliegenden, dazu bruchstückhaften Skelettteilen eine durchgehende Geschichte der Evolution des Menschen zu schreiben, erweist sich immer wieder als problematisch und gibt Anlass zu vielen wissenschaftlichen Disputen. Schwierig ist schon die Frage: Was ist es, das einen Menschen ausmacht? Was unterscheidet ihn von seinen Vorläufern, der aufrechte Gang, der Gebrauch von Feuer, die Erfindung und Benutzung von Werkzeug, die Schaffung einer eigenen Sprache und Schrift ?  Alles dies ist, bis auf den Gebrauch von Feuer und Schrift, zumindest auch  in rudimentärer Form ansatzweise bei seinen Vorfahren zu erkennen, wie aber auch z.B. bei seinen nächsten Verwandten den Primaten, hier speziell den Schimpansen. 

Verhaltensforscher haben bei Schimpansen Fähigkeiten gefunden, die der Entwicklungsstufe eines dreijährigen Kindes entsprechen. Selbst Tiere wie Delfine und Affen können einfache Werkzeuge benutzen und mit einer unterschiedlichen Laut-, Grunz- oder Pfeifsprache ausdrucksstark kommunizieren.  Erst kürzlich wurde festgestellt, dass Buckelwale Hirnstrukturen besitzen, die in Teilen denen des menschlichen Gehirns gleichen. Sie verständigen sich über eine umfangreiche und komplexe Kommunikation, schließen sich zu sozialen Einheiten zusammen und besitzen eine Art einfache Kultur. 

Wir sehen also, dass es gar nicht so einfach ist, eine scharfe Grenze zwischen dem Tierreich und dem Menschen zu ziehen. Dennoch muss man eindeutig feststellen, dass die geistig kulturellen Fähigkeiten und Eigenschaften des heutigen Menschen von keiner anderen Spezies auf dem Planeten Erde erreicht werden. Bedenkt man die außerordentlichen kulturellen Leistungen und die Kenntnisse und Fähigkeiten auf Gebieten wie Naturwissenschaften, Mathematik, Technik, Musik, Sprache Schrift, Kunst etc., die der heutige Mensch als „HOMO SAPIENS“ erreicht hat, so kann man nicht umhin, ihn als die bisherige Spitze der Milliarden Jahre dauernden Entwicklung des Lebens an zusehen. Er ist die einzige Spezies, die die Dimensionen des Kosmos im kleinen, wie im Großen erforschen und begreifen kann, sich seiner selbst als Ich-Person bewusst ist, einen zum kontrollierten Handeln befähigenden Willen besitzt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeitlich zuordnet und die Erkenntnis seines Anfangs und Endes besitzt. 

Wie konnte eine einzige Spezies auf diesem Planeten eine solch überragende Stellung in der relativ kurzen Zeit von wenigen Millionen Jahren, wenn nicht in nur wenigen Hunderttausend Jahren Entwicklung erreichen? Wie konnte er den unglaublichen Schritt vom Jäger und Sammler zum heutigen Planeten- Umgestalter überhaupt bewältigen? Blicken wir auf die bisher bekannt gewordenen Ursprünge der menschlichen Entwicklung zurück. Die nachfolgende Grafik zeigt im zeitlichen Ablauf die Ursprünge des Menschen bis zum heutigen „HOMO SAPIENS“.

Die Entstehung des „HOMO SAPIENS“ aus seinen Vorläufern


Im Jahre 2000 fanden kenianische und französische Wissenschaftler am 25. Oktober in der Boringoregion in Kenia Skelett-Teile einer ca. 6 Millionen Jahre alten Vormenschenstufe, die sehr wahrscheinlich aufrecht gehen konnte. Er wurde Millenium Mensch genannt. Von da an brauchte es weitere 3 Millionen Jahre über mehrere Zwischenstufen hin, bis die mit der Ausgrabung des Australipithecus afarensis im Jahre 1974 als Teilskelett gefundene Vormenschenart entstanden war. Das Skelett erhielt den Namen "Lucy" und gilt bis heute als die älteste „Urmutter“, die mit zum heutigen „HOMO SAPIENS“ führte.

Im Vergleich zum heutigen Menschen, der einen Hirninhalt von 1400 ccm besitzt, war ihr Gehirn mit 400 ccm noch relativ klein. Ergänzend zu diesem Fund passt die fast vollständige, kürzlich stattgefundene Ausgrabung eines fossilen Kinderskelettes aus dieser Zeit vor 3 Millionen Jahren in Ostafrika. Die nachfolgende Zeichnung zeigt den rekonstruierten Schädel des Kindes. Man nennt es auch „Lucys Kind“. Es besitzt einen affenähnlichen oberen Rumpf und Gehwerkzeuge wie ein Mensch. Weitere Forschungen sollen aufzeigen, welche Stellung das Gehirn dieses Kindes in der Entwicklung der menschlichen Urahnen einnimmt.

Der rekonstruierte Schädel von „Lucys Kind“

Betrachten wir diese Vormenschenstufe als Ausgangspunkt für die Entwicklung bis zum heutigen „HOMO SAPIENS“ so zeigt sich folgender Werdegang zum modernen Menschen. Dem Australopithecus afarensis folgte der Typ Australopithecus africanus, dessen Oberschädel 1947 in Sterkfontein/ Südafrika gefunden wurde. Er stellt wahrscheinlich ein Bindeglied zum Homo rudolfensis dar, dessen Schädel 1972 in Koobi / Kenia gefunden wurde. Dieser besaß ein deutlich größeres Gehirn und der Gebrauch von primitiven Werkzeugen war ihm  bekannt. Als Nachfolger in der Ahnenreihe des modernen Menschen wird Homo habilis angesehen. Seine Skelett-Teile wurden in der Olduvai-Schlucht/ Tansania ausgegraben. 

Primitive Werkzeuge wurden ebenfalls von ihm benutzt. Da sich aber beide Arten im Auftreten zeitlich überschneiden, kommen beide als möglicher Ursprung für den Nachfolger Homo ergaster in Frage. Homo ergaster lebt in sozialen Gruppen und wird auch als der Handwerker bezeichnet. Er lebte bereits in Höhlen, wie der Fundort - die Höhle von Swartkranz - zeigt. Sein Skelett ist der Form des heutigen Menschen schon erheblich näher und er gilt als der Erfinder des Faustkeils und machte intelligenten Gebrauch von Feuer (z.B. zum Grillen von Fleisch). Zwei Homo erectus Funde einmal in Java 1891 (Java Mensch) und in China 1929 nahe bei Peking (Peking Mensch) werden zeitlich hinter Homo ergaster eingeordnet. Sie besaßen die Kenntnisse und Fähigkeiten des Homo ergaster, treten aber als eigenständige Art auf. 

Homo erectus gilt als der Erforscher Afrikas und Asiens. Der in Ost- und Südafrika sowie in Asien gefundene Homo antecessor kann als Vorläufer zum Homo Heidelbergensis angesehen werden.  Er hatte Europa als Jäger und Sammler für sich entdeckt. Er wird abgelöst von Homo heidelbergensis von dem 1907 im Dorf Mauer bei Heidelberg ein Unterkiefer entdeckt wurde. Weitere Funde wurden 1995 in Gran Dolina / Spanien gemacht: Skelettteile von 4 Menschen dieser Art. Sie stellen die Vorstufe zu den Linien des Homo neanderthalensis und des heutigen Homo sapiens dar. 

Der Neanderthaler galt als ausgezeichneter Jäger, lebte überwiegend von Fleisch, kannte Begräbnisrituale und hatte wahrscheinlich bereits eine komplexe Sprache. Allerdings: Homo neanderthalensis starb aus bisher unbekannten Gründen vor ca. 30 tausend Jahren aus, und Homo sapiens blieb als alleiniger Menschentyp übrig. 1969 wurde in der Qafzeh- Höhle/ Israel 21 Skelette einer Menschengruppe gefunden, die den bisher ältesten Fund des Homo sapiens darstellen. Man kann daraus schließen, dass der zeitliche Ursprung des heutigen Menschen vor etwa 100 tausend Jahren anzunehmen ist.