Mensch und Realität  

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5. Das Gehirn als Schöpfer menschlicher Kultur


" Anfänge "
(Montage H.G. Klug)

5.0 Einleitung

In den vorangegangenen Kapiteln haben wir zum einem das Prinzip des "Kreuzes der menschlichen Präsens" als Gesamtrahmen des Internet- Portals "Mensch und Realität" aber auch die Abstammung und Enstehung des Menschen kennengelernt. Weiterhin haben wir uns mit dem menschlichen Leben (als Lebenslauf von Geburt bis zum Tod) auseinandergesetzt. Wir haben anschließend eine Forschungsreise in unser Gehirn unternommen, um der prinzipiellen Funktionsweise sowie den materiellen Grundlagen unserer Persönlichkeit wie z.B. Bewußtsein, Gedächtnis, Gedanken und Geist etc. näher zu kommen. 

In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit der geistigen Welt des Menschen, seiner Psyche, seinen Gefühlen, seiner Schaffenskraft und Kreativität und widmen uns dabei der Frage, ob die materielle Struktur des Gehirns selber die treibende Kraft hinter allem Tun und Denken ist, oder ob der menschliche Geist über der Materie des Gehirn steht und sich ihrer bedient um in der Realität anzukommen. Wir beleuchten anhand von ausgewählten Beispielen die Ergebnisse menschlichen Könnens, um nach möglichen Antworten auf die Sinnfrage seiner Existenz zu forschen. Wir versuchen uns dabei dem Kern aller menschlichen Existenz zu nähern, wohlwissend, wie umstritten, komplex und gegensätzlich  verschiedene Ansichten, Erfahrungen und Hypothesen hierzu sind. Sie werden als Leser herausgefordert, sich mit vermeintlichen, aber auch alten und neuen Wahrheiten und  Realitäten auseinander zu setzen, um einen eigenen Standpunkt auf dem Wege zur Selbsterkenntnis zu gewinnen. Die nachfolgenden Kapitel dienen hierzu als Basis:

5.1 Bewußtsein und Unterbewußtsein als Grundlage menschlicher Aktivität
5.2 Gefühle als Antrieb  menschlicher Willenskraft
5.3 Kreativität als Triebfeder menschlicher Schaffenskraft
5.4 Erfindungs- und Forschungsgeist als Problemlöser.
5.5 Beispiele aus Kultur, Technik und Kunst.

5.1 Bewußtsein und Unterbewußtsein als Grundlage menschlicher Aktivität

Wenn wir über Bewußtsein als Grundlage aller menschlichen Erkenntnis und Aktivität diskutieren, kommen wir nicht umhin, uns mit der Ebene des Unterbewußtseins zu beschäftigen, da Bewußtsein und Unterbewußtseinn einerseits direkt, andererseits aber über die Aufmerksamkeits- und Wach- Ebene mit einander verknüpft sind. Einen gewichtigen Anteil seines Lebens verbringt der Mensch im Schlaf. Der Schlaf gilt dabei neben der Erholung für Körper und Gehirn unter anderem als Teil des Unterbewußtseins und soll aufgrund seiner Stellung als einer der Schwerpunkte des Menschenlebens vorab behandelt werden.

Das Gehirn
 
selber schläft während der menschliche Ruhe- und Schlafphase keinesfalls. Obwohl der Mensch tief zu schlafen scheint, zeigen sich bei Untersuchungen im Schlaflabor, dass Teile seines Hirns gleiche Signale wie im Wachzustand aussenden. Dies hängt direkt mit im Schlaf auftretenden Träumen zusammen, in denen die aktiven Hirnteile losgelöst von der Außenwelt und bewusstem Denken die geträumten Situationen nachvollziehen. Besonders in der sogenannten REM- Phase (aktive Traumphase) des Schlafes sind intensive Augenbewegungen unter den geschlossenen Augenlieder nachweisbar, die im Traum gezeigten Bildeindrücken zu folgen scheinen.

Obwohl eine grundlegende Schlaflähmung größere Bewegungen der Extremitäten- Muskulatur unterbindet, konnte nachgewiesen werden, daß die zugehörigen Nervenimpulse in minimaler  Form in der Muskulatur ankommen und dort aber nicht ausgeführt werden. Die scheinbar gelähmte Muskulatur koppelt sich manchmal umgekehrt als erlebte Lähmung im Traum wieder ein (z.B. kein Weglaufen in Gefahrensituationen möglich etc.). Bei Untersuchungen an hirnverletzten Menschen wurde festgestellt, dass die Auslösung des REM-Schlafes von der Pons (Brücke) des Kleinhirns ausgeht. Parallel zu den elektrischen Signalen der Hirnströme sind gleichzeitig die Neurotransmitter als Botenstoffe für Schlaf und Traum zuständig.

Eine besondere Rolle spielt dabei das in den Neuronen der sogenannten Raphe-Kerne des Hirnstammes zu findende Serotonin. Diese geben den Botenstoff offenbar dann an die Umgebung ab, wenn Schlaf und REM- Phase eintreten sollen. Soll jedoch vorallem die REM- Phase über längere Zeit andauern, bedarf es des Einsatzes eines zweiten Botenstoffes, des Acetylcholins. Dieser Botenstoff soll in der Pons des Hirnstammes den Start der REM- Phase bewirken bis benachbarte Zellen Serotonin und Noradrenalin ausstoßen und die REM- Phase in den traumlosen Schlaf übergeht. Dabei ist bei den Schlafforschern umstritten, was das Gehirn während der Traumphasen überhaupt bewirkt.

Untersuchungen zeigen, dass offensichtlich vom REM- Bereich im Hirnstamm starke Nervenimpulse ausgehen, die sich über die Großhirnrinde verteilen und dort ähnliche Effekte auslösen, wie äußere Sinnessignale im Wachzustand. Es enstehen fiktive Sinneseindrücke, die das Gehirn mehr oder weniger zu Traumsequenzen aneinander reiht und zum Teil auch abspeichert, wie reale Wacherlebnisse einschließlich der zugehörigen Gefühlsreaktionen. Daher können wir uns mehr oder weniger an unsere Träume erinnern. Viele Schlafforscher sind daher der Auffassung, daß Träume für den Menschen selbst kaum Bedeutung haben. Dem widersprechen Hirnforscher, die davon ausgehen, daß Träume sehr wohl in kontrollierter Form vom Vorderhirn gesteuert und beeinflußt werden. Daher gehen sie davon aus, daß Träumen eine Art Lösch- und Selbstreinigungsprozess des Gehirn bewirkt und somit Platz schaffen soll für die Speicherung neuer Erlebnisse.

Besonders Angst und Bedrohungsträume werden erzeugt, um traumatische Erlebnisse im Schlaf zu verarbeiten. Eine Reihe weitere hypothetischer Ansätze beschäftigt sich mit dem Rätsel der Träume, eine Lösung konnte jedoch bis heute nicht gefunden werden.

Ein bemerkenswerter Trend wurde jedoch ermittelt, der aufzeigt, dass verlängerte und intensivere REM- Phasen das Lernergebniss von am Tage  vor dem Schlaf aufgenommenen Lerninhalten verbessern kann.

Doch verlassen wir die Traumwelt und wenden uns dem eigentlichen Unterbewußtsein zu.  In der folgenden Abbildung ist das Modell der drei Bewusstseinsebenen (angelehnt an Siegmund Freud) dargestellt.


Die drei Ebenen des Bewußtseins


Eng verknüpft mit dem Langzeitgedächtnis und seinen Erinnerungen, gespeicherten Erlebnissen, bewegten Bildern, gespeicherten Gefühlen sowie Sinneseindrücken liegt das Unterbewusstsein wie eine teildurchlässige Decke darüber. Diese Durchlässigkeit ist jedoch mehr zufällig und für den normalen Menschen ist es kaum möglich auf das Unterbewußtsein und seine bereitstehenden Daten bewußt zu zu greifen.

Ein gutes Beispiel, wie gelernte Prozesse ins Unterbewußtsein gelangen und dort in Kopplung mit hochaufmerksamen Konzentrations- und Wachprozessen des Bewußtseins kombiniert ablaufen, ist das Autofahren. Es  müssen für den Anfänger viele Dinge, wie z.B. Schalten, Kuppeln, Bremsen, Gas, weitere Fahrzeugbedienung (Blinker, Licht etc.) auch gleichzeitig beherrscht werden, dabei verlangt der Ablauf  des Verkehrsgeschehens und der Navigation große Konzentration um kein Fehlverhalten oder gar einen Unfall zu produzieren. Als Beispiel kann das  nachfolgende ca. 15 minütige Video einer Autobahnfahrt hierzu  einen Eindruck vermitteln (Download ca. 180MB).






Video-Autobahnfahrt


Man erkennt, dass nach einiger Zeit Fahrpraxis der größte Teil der Fahrzeugbedienung im Unbewussten stattfindet und man sich dem Verkehrsgeschehen und dem Fahrtverlauf von der Fahrzeugbedienung unbelastet bewußt widmen kann. Testen Sie einmal mit dem Anschauen des Videos ihre Aufmerksamkeit und stellen Sie hinterher fest, wieviele Brücken,Tunnel, Abfahrten, Fahrzeuge, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ortsnamen etc. sie gesehen haben.

Das Unterbewußtsein hat dabei als weitere Aufgabe Dinge aufzunehmen, die wir aufgrund der umfangreichen Informationsmenge gar nicht bewusst registrieren können, da sie fast ununterbrochen aus unserer Umgebung über unsere Sinne auf uns einströmen. Dies können visuelle Reize wie z.B. Bilder, Farben, Formen, Bewegungen etc. oder akustische Reize wie z.B. Geräusche aller Art, aber auch Gerüche etc. sein. Wenn wir dies alles bewusst wahrnehmen und verarbeiten müßten, wären wir völlig überfordert. Daher bleibt dies Aufgabe des Unterbewußtseins und unser Bewußtsein ist damit nicht direkt belastet.

Wir müssen uns jedoch im klaren sein, dass dieses verborgene Wissen, das im Unterbewußtsein liegt, uns in unserem Leben mehr oder weniger stark beeinflußt. Das Unterbewußtsein nimmt dabei Einfluß auf z.B. :

- Freude

- Wünsche und Willen

- Einstellungen und Überzeugungen

- Wahrnehmung

- Verhaltensweisen und Reaktionen

- Anteilnahme

- Leistungsfähigkeit und Erfolg

- Zufriedenheit und Gesundheit

- Einschätzung von Wichtigkeit und Werten

Es gibt jedoch auch Bereiche, wo das Unterbewußtsein direkt negativ erfahren wird z.B. :

- Trauer

- Vergesslichkeit

- Angst und Schrecken

- Aggression und Wut

- Gleichgültigkeit

- Verwirtheit

Um hier zu einer gesunden Balance zu kommen, sollten die menthalen Kräfte (z.B. Motivation, Intuition etc.), die jeder Mensch zur Verfügung hat, entsprechend genutzt werden. Wichtig ist zudem, dass man eine entspannte Haltung zum eigenen Unterbewußtsein hat.

Hier kann der Bereich des Vorbewußtseins hilfreich sein, es fungiert als selektives Filter und Bindeglied zwischen Unterbewußtsein und Bewußtsein. In Kopplung mit einem gut funktionierenden Kurzzeitgedächtnis können dort wichtige Daten aus dem Unterbewußtsein zugänglich gemacht werden und in das Bewußtsein bei der Bewältigung des täglichen Lebens einfließen.

Bevor wir in die Theorien und Hypothesen zum Bewußtsein einsteigen, sei darauf hingewiesen, das es sich dabei um modellhafte Vorstellungen handelt, die naturwissenschaftlich nicht ohneweiteres bestätigt werden können.

Im Vordergrund besteht dabei das bereits vorher angesprochene Problem, ob Bewußtsein, das ja den Kern
der menschlichen Persönlichkeit als "ICH-Bezug"  ausmacht, ein Produkt der Hirnmaterie ist, oder ob sich ein menschlicher Geist in der ICH- Person der Materie des Gehirns bedient um den Geist in ein individuelles Menschenleben umzusetzen. Dies ist unmittelbar verknüpft mit der Fragestellung, ob das Gehirn sich überhaupt selbst erforschen, verstehen und erklären kann.

Unverückbar ist das Bewußtsein mit den visuellen und bildgebenden Aktivitäten des aus mittlerweile ca. 30  gefundenen visuellen Cortexarealen des sehenden Teiles des Gehirns verbunden. Natürlich haben dabei auch die restlichen fünf Sinne Zutritt zur Bewußseinsbildung. Aber über den Sehsinn lassen sich die materiellen Grundlagen für Bewußtseinsbildung am besten erklären.

Der Empfang eines optischen Reizes führt nur dann zur Aufnahme in den direkten Fokus des Bewußtseins, wenn die durch ihn verursachte Synchronisation der mit ihm verbundenen Neuronen-Gruppen des Gehirns so stark ist, dass er die Aufmerksamkeit des Betrachters erreicht. Der Betrachter bestätigt quasi, dass das mit dem Reiz verbundene Objekt in sein Bewußtsein vorgedrungen ist, indem der das Objekt im Fokus seiner Augen genau analysiert. Er ist sich also des Vorhandenseins dieses speziellen Objektes bewußt.

Handelt es sich dabei beispielsweise um ein menschliches Gesicht werden ganze Areale aus dem Bereich der gesichtserkennenden Neuronengruppen an- und abgeschaltet, um heraus zu findenn, ob das Gesicht bereits als bekannt gespeichert ist. Ist dies der Fall, beschäftigt sich das Bewußtsein mit abstrakteren Fragen wie z.B. wann und wo habe ich das Gesicht zuletzt gesehen, Freund oder Feind etc.. Es werden weitere Handlungsketten geplant und umgesetzt, wie z.B. Begrüßung, oder aus dem Wege gehen etc..

Handelt es sich um ein unbekanntes Gesicht, wird es optisch genauer analysiert (Aussehen, Größe etc.) bevor das Gesicht endgültig abgespeichert wird, werden weitere Informationen aus den anderen Sinnen hinzugezogen, z.B. Geruch der Person, Sprache etc. Dann wird bewußt die Gefühlsebene einbezogen, ist die Person sympatisch oder nicht?  

Das so entstandene Informationsbündel wird dann über das Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis an den Langzeitspeicher des Gehirn weitergeleitet und abgespeichert. Im EEG der Hirnforscher  ist dieser Vorgang mit einer sogenannten Aufmerksamkeitswelle nachzuweisen. So konnte zusammen mit der Auswertung bildgebender Analyseverfahren eine Art neuronales Selektionsnetzwerk für Wahrnehmungsbewußtsein identifiziert werden.  Während dieser vorbeschriebenen  Vorgänge ist das Bewußtsein immer beteiligt und dies selbst, wenn es auch noch andere Objekte bearbeitet.

Sogenannte Spiegelneuronen spielen nach neueren Erkenntnissen bei der bewußten Beobachtung von Handlungen anderer Personen eine besondere Rolle. Diese Neuronengruppen geraten hierbei nachweisbar in Resonanz mit der Folge, dass Mitgefühl, Sprache und Denken im Bewußtsein angeregt werden, um die Absichten anderer Menschen besser zu erkennen und im Gedächtnis zu verankern. Hier wird durch die Spiegelneuronengruppen im Gehirn quasi simuliert, wie Handlungsabläufe, seien es nun Bewegungen, Gefühlsregungen oder ähnliches, funktionieren und besser erlernbar  oder verinnerlicht werden. Lernen durch Nachmachen oder Nacherleben steht dabei im Vordergrund. Auf der Gefühlsebene wird somit verständlich, warum sich Lachen oder Weinen von einem Menschen zu anderen überträgt und Anteilnahme von Mensch zu Mensch überhaupt möglich wird. Man kann sich zumindest teilweise in die Situation eines anderen Menschen hineindenken.

Da diese vorbeschriebenen Vorgänge äußerst umfangreich und komplex sind, können auch nur wenige Vorgänge im Bewußtsein parallel ablaufen. Versuchen sie selbst einmal festzustellen, wie viele Dinge sie parallel bearbeiten können.

Hier muß auch festgehalten werden, das Sprechen, Sprachverstehen sowie Schreiben und Lesen direkte, Bewußtsein voraussetzende Prozesse sind. So generiert z.B. das Wort "TAG" ganze Bilderfolgen im Bewußtsein, die unter der Helligkeit des Tages stehen. Umgekehrt werden über das Wort "NACHT" Bilderfolgen mit überwiegender Dunkelheit generiert.

Entscheidend steht im Bewußtsein über allem immer das Modell des "ICH-Erlebnis"
mit allen seinen persönlichkeitsbedingten Facetten. Es ist als Bewußtsein weder deutbar, noch erklärbar. Aber die Hirnforschung versucht Annäherungen über die damit verknüpften Prozesse im Gehirn. Wer stößt dabei wen an, das Gehirn das Bewußtsein oder das Bewußtsein das Gehirn ist nicht schlüssig zu erkennen. Einige Forscher gehen dabei sogar von einer externen Bewußtseins und Geistestheorie aus, indem sie sagen, dass die "Hardware" des Gehirns genauso wenig der Initiator und der Ort von Bewußtsein und Geist ist, wie ein Fersehgerät der Ort ist, wo das Fernsehprogramm gemacht wird. Das Gehirn
sagen diese Forscher ist nur das Gefäß , das Geist und Persönlichkeit aufnimmt und mittels des Körpers realisiert.


5.2  Gefühle als Antrieb menschlicher Willenskraft

Der Wille ist ein Schlüsselelement im menschlichen Leben. Wir treffen täglich viele Entscheidungen um unseren Willen um- und durch zusetzen. Dennoch bleibt anderen Menschen meist verborgen, was wir eigentlich wollen und beabsichtigen, erst beim Umsetzen wird der Wille sichtbar. Lange Zeit war unklar,  wie Willensentscheidungen zustande kommen. Wissenschaftler am Max-Plank- Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben hierzu grundlegende Versuche unternommen, um festzustellen, wie und wo das Gehirn Entscheidungen verarbeitet und speichert.

Die Teilnehmer des Versuches sollten frei entscheiden, ob sie bei einer Mathematikaufgabe zwei Zahlen addieren oder subtrahieren wollen. Die Versuchsanordnung konnte
anhand der HIrnaktivität
messtechnisch zeigen, dass dies, ehe die Teilnehmer überhaupt Kenntnis  von der eigentlichen Aufgabenstellung hatten, mit einer Genauigkeit von 70% als Absicht der Teilnehmer, zu erkennen war. Da die Teilnehmer zuerst nicht wussten welche zwei Zahlen zu addieren und zu subtrahieren waren, war nur aus der Hirnaktivität ablesbar, welche Entscheidung gefällt wurde. Es hat sich dabei bestätigt, dass frei entschiedene Vorhaben im Mittelteil des präfrontalen Cortex , externe Instruktionen eher im seitlichen Cortexareal gespeichert werden. Dabei war es bisher noch nie möglich gewesen, aus der präfrontalen Cortexregion Entscheidungen abzulesen. Ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Erkenntnis zur Willensbildung.

Auch Emotionen und Gefühle stellen eine wesentliche Grundlage menschlichen Denkens, Erlebens und Handelns dar. Sie heben uns als Lebewesen von der unbelebten Natur, der Pflanzenwelt und der Tierwelt (außer der höherentwickelten Spezies der Säugetiere) ab. Es handelt sich um einen komplex mit der Psyche und der Physis gekoppelten Prozess, dem wir ständig in unserem Leben unterworfen sind. Unser Verhalten und unser Denken sowie unser Handeln sind von Emotionen durchzogen.

Wir erleben Liebe, Freude, Wohlbefinden, Zufriedenheit, Geborgenheit , Entspannung als positiv und motivierend. Während Hass, Wut, Angst, Trauer, Ärger, Unlust, Schmerz  demotivierend sind und mit negativen Einstellungen besetzt sind. Je nachdem, wie ein Erlebnis auf uns einwirkt, wird es als angenehm oder unangenehm empfunden und bewertet. Dieses dem Erlebnis mitgegebene Wertungsprofil wird dann bei der Abspeicherung im Gedächtnis übernommen und taucht dann plötzlich bei einer ähnlichen Situation wieder auf.

Bei den Gefühlen wird in die relativ intensiven und zeitlich begrenzten Emotionen, die im Fokus unserer Aufmerksamkeit stehen und in die meist mehr unbewußt aufkommenden länger dauernden Stimmungen unterschieden. Wir reagieren auf ein unvorhergesehenes plötzliches Ereignis (z.B. Bedrohung) mit Wut und Hass, während wir aufgrund schönen Wetters guter Stimmung sind. Extreme Stimmungslagen sind dabei im positiven Sinne die Euphorie oder auf der negativen Seite die Depression.  Besonders die beiden letzt genannten Stimmungslagen beeinflussen die menschliche Willensbildung fördernd oder auch hemmend. Dies gilt im übrigen im gewissen Maße auch ganz grundsätzlich für alle Gefühle.

Man hat festgestellt, dass unabhängig vom Ort auf der Welt  und vom jeweiligen kulturellem Hintergrund etwa  folgende Emotionen auftreten können wie z.B. Liebe, Freundschaft, Freude, Selbstwertgefühl, Verbundenheit, Interesse, Überraschung, Stolz, Sympathie aber auch Angst, Hass, Neid, Eifersucht, Minderwertigkeitsgefühl, Schuldgefühl, Antipathie.

Hervorgehoben werden muß auch das subjektive Zeitgefühl des Menschen. Es gehört zur fundamentalen Grundlage seines Lebens und Erlebens. Wir erleben die Zeit als kontinuierlich, eindimensional und unidirektional ablaufend (wir sprechen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). Unser Zeitgefühl hängt jedoch direkt mit dem Takt unserer Gehirnwellen zusammen, wobei die Frequenz dieser Hirnwellen verglichen mit anderen Vorgängen sehr langsam zu sein scheint.

Der Mensch ist jedoch in der Lage viele Aktivitäten wesentlich schneller zu erledigen als ein moderner Computer. Dies hängt mit der ausserordentlich hohen Parallelisierung unserer Informationsverarbeitung im Gehirn zusammen. Schritte, die der Rechner erst nacheinander erledigen kann, bearbeiten wir parallel und haben viele Ergebnisse gleichzeitg vorliegen. Unsere Taktfrequenz ist deshalb so niedrig, weil sie durch die Längen der längsten Nervenbahnen (von Kopf bis Fuß etwa 2m gerechnet)
bestimmt ist, wobei die Geschwindigkeit der Nervenimpulsleitung ca. 100 m/s beträgt. Rechnet man noch die Verzögerung zwischengeschalteter Synapsen ein, so benötigt man ca. 20milli Sekunden für die oben erläuterte 2m Strecke. Also liegt die Taktfrequenz des menschlichen Nervensystems deutlich unter 50 Hz.  Im Tierversuch hat sich dies ebenfalls bestätigt, kleine Tiere haben eine hohe Taktfrequenz in ihrem Nervensystems, während große Tiere in Relation zu ihrer Größe über entsprechend niedrigere Taktfrequenzen verfügen.

Bei der ausserordlich hohen Zahl der miteinander verknüpften Hirnzellen, würde ein Erregungsreiz sich sehr schnell auf alle Hirnzellen ausdehnen und große Teile des Gehirns wären für nachfolgende Reizsignale blockiert. Um dies zu verhinderern, steuern die Hirnwellen mit ihrem Takt die Nervenzellen in einen erregungsfähigen Zustand, um sie anschließend wieder in einen hemmungsfähigen Zustand zu bringen. So ensteht ein rhytmisches Muster von Erregungszuständen in dem die momentanen Informationen des neuronalen Netzwerkes im Gehirn enthalten sind und anschließenden Hemmungszuständen. Dabei erneuern sich in jeder Sekunde mehrfach die Informationen, um im Zeitakt der Hirnwellen im Gedächtnis abgespeichert zu werden.

Die Zeittaktsteuerung unseres Gehirn wird vorallem auch bei der Betrachtung unserer Sinne deutlich. Insbesondere unser Sehsinn hat eine ausgeprägte Taktsteuerung. So sehen wir die 25 Bilder, die ein Kinofilms pro Sekunde erzeugt, als kontinuierlichen und ununterbrochenen Zeitstrom von Ereignissen und Erlebnissen, obwohl hier nur eine Aneinander-Reihung von Einzelbildern stattfindet. Ähnlich ist es auch beim Fernsehen, wo ein zeitlich ablaufender Gesamtbildeindruck durch einen zeilenweise von links nach rechts geführten farbigen Bildpunkt, der Zeile für Zeile untereinander aufbaut, entsteht.  

Was bedeutet dies nun für uns und welche Konsequenzen hat dies? Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass auch das Zeitgefühl und der für uns erlebbare Zeitablauf subjektiv in unserem Gehirn und in unseren Sinnen entsteht. Wir haben Chronometer und Uhren erfunden, die es uns erlauben, dieses Zeitgefühl in messbare Größen zu fassen. Es wäre uns sonst nicht möglich, bei so vielen unterschiedlichen, subjektiven Zeitgefühlen der Menschen unser Leben präzise einzuteilen und zu organisieren (Meetings, Fahrpläne, Zeitvorgaben etc.). Die Uhr ist also als Messgerät der Lebenszeit eine der wichtigsten Erfindungen des Menschen:



Etwas Besonderes für den Menschen stellt seine Weltanschauung oder Religion dar. Sie beruht auf der gefühlsmäßigen Überzeugung, dass ein höheres Wesen (Gott) als allmächtiger Schöpfer über uns und den gesamten Kosmos wacht. Wie der Begriff Glaube aussagt, ist dies individuell gefühlte Religiösität, die weder wissenschaftlich direkt bewiesen noch widerlegt werden kann. Dennoch hat die moderne Hirnforschung festgestellt, dass es Bereiche im Gehirn des Menschen gibt, (z.B. in den Schläfenlappen), wo religiöse Erweckung und Beeinflußung stattfindet. Untersuchungen an meditierenden Menschen haben gezeigt, dass während der Meditation und Versenkung eine Art Entkopplung vom Körper stattfindet und der Mensch selbst seinen Erscheinungsbildern und Visionen zugewandt ist ( z.B. der kanadische Neuropsychologe Michael Persinger
von der Laurentia University in Sudbury, Kanada und der "Erfinder" des Gottesmoduls Newberg haben solche Thesen aufgestellt ). Fakt soll dabei sein, dass Menschen mit einer ausgeprägten Religiösität in ihrem sogenannten "Gottesmodul" von dieser ihrer Religiösität das ganze Leben hindurch gläubig geleitet werden.





Evangeliar als Beispiel für religiöse Kunst


Die Existenz eines solchen Hirnbereiches kann zwar im wissenschaftlichen Sinne kein Existenzbeweis für Gott sein, lässt aber die plausible Frage nach dem Entstehen  und dem Sinn eines solchen Hirnareals zu. Gläubige Menschen werden dies als Fingerzeig Gottes auf seine Existenz bewerten und der Disput zwischen der Naturwissenschaft und der Religion wird wieder angefacht.  Zumal sich in neueren Forschungsergebnissen zeigt , dass die Untersuchungen und Messungen dahingehend widerlegbar sind, dass viele räumlich verteilte Hirnareale , einschließlich des Sehzentrums, bei religiöser Meditation beteiligt sind, also kein zentraler Bereich als Gottesmodul auftritt, wie die Untersuchung verschiedener Forscher ( u.a. vom kanadischen Neuropsychologen Beauregard bis hin zu Forschern der schwedischen Universität Upsalla mit Doppelblindversuchen ) neuerdings zeigen. Ein schönes Beispiel dafür wie vorschnell manche Forscher ihre Ergebnisse veröffentlichen, die dann im Nachherein von anderen Kollegen experimentell widerlegt werden.

Gefühle sind nicht nur beim Menschen zu finden, sondern bestehen bereits in der höher entwickelten Tierwelt. Sie sollen als Empfindungen das jeweilige Individuum so beeinflussen, dass auf längere Sicht die Arterhaltung unterstützt wird. Sie haben daher ihren Sitz in den stammesgeschichtlich ältesten Hirnregionen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Limbische Systen des Gehirns, bestehend aus u.a. Hippocampus und Amygdala. Der Hippocampus (der Name kommt von der Seepferdchenform) ist eine der zentralen Sammel- und Schaltstationen des Gehirns, da er verschiedene sensorische Informationen verarbeitet und dem Cortex zur Verfügung stellt. Die Amygdala (Mandelkern) ihrerseits hat eine zentrale Funktion bei der Anreicherung emotionaler Reize und dient ebenfalls als eine zentrale Komponente des emotionalen Netzwerkes im Hirn. Gleichzeitig ist sie zuständig  für  Blutdruck, Muskelspannung und Hormonausschüttung etc.. Wir sehen also, dass Gefühle nicht nur an einer Stelle im Gehirn entstehen, sondern mehrere Hirnareale Einfluss auf die Bildung von Emotionen haben.

Berücksichtigen wir nun, wie stark Emotionen in unsere Willensbildung mit einfließen, so wundert es gar nicht, dass die neuesten Erkenntnisse der Hirnforscher ergeben, dass unsere Willensbildung eigentlich schon im Unterbewußtsein vorbereitet wird, während wir noch überlegen, ob überhaupt eine Willensentscheidung zu treffen ist.

Ohne uns darüber bewusst zu werden, baut sich bereits ein Handlungsablauf um einen Gegenstand z.B. ein Buch zu ergreifen in der Großhirnrinde auf und diese berechnet bereits alle dazu notwendigen motorischen Armbewegungen und löst das Kommando zur Ingangsetzung aus. Ca. 300 Millisekunden später erst möchte ich dann das Buch wirklich bewußt haben. Der Greifvorgang hierzu läuft jedoch bereits. Damit wäre mein Unterbewußtsein meinem Verstand (Bewußtsein) um diese 300 Millisekunden womöglich immer im voraus. Ich würde dann nur die bewußte Begründung für meine Entscheidung nachliefern.

Diese These der modernen Hirnforschung ist nach wie vor sehr umstritten. Denn dann wäre alles Wollen und Handeln vorbestimmt. Es ist nicht abzustreiten, das aufgrund der modernen Hirnforschung belegt ist, wie stark der menschliche Wille als wichtigste Antriebskraft neben den direkten Trieben (wie z.B. Hunger, Durst etc.) vom Unterbewußtsein mit seinen Emotionen, Stimmungen und gemachten Erfahrungen beeinflußt wird. Es muß jedoch zugestanden werden, daß menschliche Entscheidungen auch einen hohen Anteil an bewußter Rationalität besitzen. Nicht umsonst werden oft schnelle und voreilige Entscheidungen nach rationalen Überlegungen zurückgenommen.


5.3 Kreativität als Triebfeder menschlicher Schaffenskraft

Ohne Kreativität gäbe es keine Weiterentwicklung der menschlichen Persönlichkeit, Gesellschaft und ihrer Kultur. Neue Ideen und das Finden neuer Lösungen für komplexe Problemstellung haben die Entwicklung des Menschen und seiner Kultur vorangebracht und neues Wissen generiert. Um dies zu erreichen, müssen eingefahrene Wege verlassen werden und Neues außerhalb der bisher bekannten Spären zugelassen werden. Das Gehirn mancher Menschen scheint hierzu besser geeignet, als das des einfachen Durchschnittsmenschen. Man nennt daher diese Menschen auch Genies. Sie haben Ideen, an die vor Ihnen keiner gedacht hat. Sie bemerken Dinge und Zusammenhänge, die andere Menschen nicht erkennen können. Hirnforscher und Pschychologen vermuten daher, das es beim genialen Menschen im Gegensatz zum normalen Menschen eine durchlässigere Reizfilterung gibt.

Normalerweise hilft der Reizfilter dem Gehirn, aus der Fülle der ständig über die Sinne hereinstömenden Reizinformationen, nur die in den Fokus der Aufmerksamkeit und in das Bewußtsein einzulassen, die als besonders wichtig für das augenblickliche Erleben und Denken angesehen werden. Damit schützt sich das Gehirn gegen Überflutung seiner Aufmerksamkeit und seines Bewußtseins und kann sich besser auf die Lösung  augenblicklicher Aufgaben konzentrieren.

Vergleichende Untersuchungen von US-Forschern haben gezeigt, dass kreative Menschen leichter ablenkbar sind, da ihre Filterfunktion offener angelegt ist, die sonst vorhandene latente Hemmung des Filters ist schwächer. Interessant in diesem Zusammenhang ist es, mit der oftmals praktizierten Methode des sogenannten "Brainstormings" den Filter in seiner Wirkung bewußt herab zu setzen (durch Wegfall jeglicher Ideenkritik), um z.B. über diesen Weg Ideen in hoher Zahl und unterschiedlichster Qualität zur Problemlösung zu generieren. Erst nach Schluß des Brainstormings wird dann rational selektiert.

Bei Menschen jedoch mit von Natur aus herabgesetzten Filterfunktionen ist es so, dass sie offensichtlich grundlegend über mehr Reize und diesbezügliche Informationen verfügen, was dazu befähigt, vorallem in Verbindung mit einem hohen Intelligenzquotienten neue Zusammenhänge und Lösungsansätze zu erkennen. Der Faktor hohe Intelligenz wirkt sich dabei dahingehend aus, mit der erhöhten Informationszahl so professionell umzugehen, dass eine Überforderung von Aufmerksamkeit und Bewußtsein nicht auftreten kann und das Genie somit Herr der Lage bleibt.

Die Intelligenz des Menschen war auch immer Forschungsobjekt der Psychologie, die die Intelligenz des Menschen als seine geistige Flexibilität und Begabung definiert, sich in neuen Situationen schnell zurecht zu finden, Sinn- und Beziehungszusammenhänge zu erkennen und zu begreifen. Ein intelligenter Mensch ist dabei stets bereit, neuen Gegebenheiten und Anforderungen durch hohe und qualitative Denkleistung zu entsprechen. Als Maß für die Intelligenz gilt der " IQ " (Intelligenzquotient zusammengesetzt aus Intelligenz und Lebensalter).

Die Maßzahl 100 bezeichnet dabei altersentsprechende Durchschnittsintelligenz. Wobei 60 bis 78 als debil, 80 - 90 als schwach gelten, 110 bis 128 als gut bis sehr gut und ab 130 als genial (Aufnahmebedingung für den Mensa-Verein für geniale Menschen). Allerdings gilt der IQ aufgrund unterschiedlicher Testverfahren und der Hintanstellung von Persönlichkeitsmerkmalen nur als begrenzt aussagefähig.

Es muss jedoch auch gesagt werden, dass etwas dran ist, an dem alten Vorurteil, dass Genie und Wahnsinn nahe beeinander liegen. Ist die Filterfunktion des Gehirn nur sehr schwach ausgeprägt, kann Schizophrenie  (Bewußtseinsspaltung) auftreten. Manche großen Wissenschaftler, Forscher, Erfinder, Dichter, Musiker und Maler haben zumindest psychische Auffälligkeiten.

Hier scheint auch ein genetisch nachweisbarer Zusammenhang zu bestehen, der sich statistisch manifestiert. So kommen in Familien mit psychischen Störungen auch häufiger geniale Menschen vor. Man darf jedoch nicht den Schluß ziehen, dass kreative Menschen überwiegend psychisch auffällig sind. Wie auch psychisch auffälige Menschen keinesfalls  überwiegend genial oder kreativ sind.

Die Architektur des Gehirn ist wesentlich mit entscheidend bei kreativen Prozessen. Aus der Erfahrung des Lebens heraus muß nicht ständig die Welt neu erfunden werden. Daher greift das Gehirn bei seinen Aufgabenstellungen mit gutem Erfolg auf im Gedächtnis gespeicherte Lösungen zurück. Erst wenn die Herausforderung sehr groß ist, oder völlig Unerwartetes eintritt, tritt es aus seiner gewohnten Gedankenumgebung heraus und stellt sich der neuen Aufgabe. Das Bewußtsein des Menschen ist dabei nur ca. 3 Sekunden mit einem Sachverhalt beschäftigt. dann wird unterbrochen, um zu prüfen ob, zu anderen Aufgaben gewechselt werden soll, oder ob eine Weiterbearbeitung des bisherigen Problems nötig ist. Wird man dann von außen unterbrochen, hat der mit dem Bewußtsein verbundene Arbeitsspeicher seinen Inhalt gelöscht.

Diese 3 Sekunden Segmentierung des Bewußtseins ist sehr gut im  menschlichen Sprachrhythmus zu beobachten. In allen Sprachen ist daher ein Rhythmus integriert, der in das 3 Sekundenfenster des Arbeitsspeichers eingepasst ist. Diese Art zeitlicher Synchronisation ist vorallem dann gefragt, wenn man kreativ zusammen arbeiten will.  Klappt diese Synchronisation nicht, gelingt auch keine neue gemeinsame Lösung.

Will man kreativ zusammen arbeiten, sollte man Irrtümer verhindern. Einer der größten Irrtümer des Menschen ist in diesem Zusammenhang, dass der Mensch dazu neigt, Dinge zu einfach zu sehen. Man glaubt zu oft, dass nur eine Ursache hinter den Dingen steckt. Daher wird oft übersehen, wie komplex die Wirklichkeit mit ihrer über viele Faktoren vernetzten Realität ist. Sucht man nur nach einer einzigen Ursache, engt man sich für andere Dinge ein, die für den Sachverhalt zwingend notwendig sind. Kreatives Denken ist unter solchen Umständen kaum möglich. Man sollte beim kreativen Denken also offen für Neues sein und kritisch sich selbst gegenüber.

Dies gilt insbesondere für die persönliche Einstellung und Prägung. Jeder hat seine persönlichen Wertvorstellungen, dies führt zwangsläufig zu bestimmten Vorurteilen, die jeder Mensch in sich trägt. Vorurteile sind ebenfalls der Feind jeglicher Kreativität und führen automatisch zur Verengung des Denkens. Offenes kreatives Zusammenarbeiten, daß auch auf die Vorstellungen eines eventuellen Partners eingeht, ist hier sicherlich zielführender.

Ein weiterer Irrtum besteht darin zu glauben, wenn man eine tolle Lösung gefunden hat, muß der andere sie auch gleich verstehen und nachvollziehen. Man stößt auf Unverständnis des Partners, wenn man nicht in der Lage ist seine Gedanken präzise und verständlich zu kommunizieren.

Ebenso tritt das persönliche Erfolgserlebnis, gekoppelt mit Zufriedenheit, erst dann ein, wenn eine kreative Lösung erfolgreich umgesetzt wurde. Unvollendete Lösungen tragen immer den Makel eines möglichen Mißerfolges und es bleibt eine Restspannung in Form von Unzufriedenheit und Frust zurück.  Erst der Erfolg schafft das Vertrauen in die eigene Kreativität und ermöglicht somit außergewöhnliche Leistungen.


5.4 Erfindungs- und Forschungsgeist als Problemlöser.

Eine große Antriebskraft für Kreativität stellt die menschliche Neugier dar.  Wir interessieren uns für alles Neue und wollen wissen, was dahinter steckt. Aber warum sind wir überhaupt neugierig? Wenn wir nach allem Suchen und Forschen die richtige Erkenntnis gefunden haben, belohnt uns das Gehirn mit der Ausschüttung von speziellen hirneigenen Opiaten. Sie machen uns glücklich und zufrieden, ein Zustand den wir Menschen möglichst oft und lange erleben möchten, daher sind wir also neugierig.

Die Grundlagen für eine lebenslange Neugier und damit verbundenem Lernen werden im wesentlichen im Kindesalter gelegt. Dabei ist der soziale Kontakt zwischen Kind und Mutter für die Gehirnentwicklung eines neugierigen und aufgeschlossenen KIndes und für die Fundamentbildung des Gehirnes sehr wichtig. Wenn das Kind keinen vertrauens- und liebevollen Schutz durch die Mutter erfährt, bleiben Neugier, Lernen und Spielen lebenslang gehemmt. Dabei ist vorallem auch das spielerische Element eine wichtige Basis für die Ausbildung von Kreativität.

Forscher, Wissenschaftler, Künstler und  Erfinder haben es selten einfach im Leben. Sie gelten aufgrund ihrer vom Durchschnittsmenschen abweichenden Charaktereigenschaften und der besonderen Fähigkeit Neues und Unbekanntes aufzuspüren oftmals als Sonderlinge und wirken auf manche Menschen unheimlich.

Nur bei ausserordentlich herausragenden Erfolgen stellt sich auch gesellschaftliche Anerkennung ein. Dabei sind es nicht nur die großen Geister, die die menschliche Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Technik voranbringen, sondern auch viele unbekannte schlaue Köpfe sind das geistige Erfolgspotential eines Landes, seiner Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zeitalter des globalen Wettbewerbs hängen ganze Länder mit ihren Volkswirtschaften, davon ab, dass genügend gebildete und kreative Menschen sich mit ihrem geistigen Potential ungehindert entfalten können.

Es zeugt daher vom hohem geistigem und materiellen Niveau einer Gesellschaft und der mit ihr verbundenen Volkswirtschaft, wenn Forscher, Wissenschaftler, Erfinder und Künstler in ihr eine hohe Wertschätzung erfahren. Die daraus folgende beispielhafte Motivation der kreativen Kräfte hat Ausstrahlung in alle Bereiche dieser Gesellschaft und sichert ihr auf lange Sicht einen vorderen Platz im internationalen Wettbewerb.

Kreative Köpfe sind heute mehr denn je notwendig, um solch drängende globale Probleme, wie die Klimaveränderung (siehe unser Beispiel in Kapitel 6), Hunger und Durst einer ständig anwachsenden Menschheit, sowie daraus resultierende Konflikte in Griff zu bekommen. Kurzfristiges, eindimensionales Denken  (das ständige und bequeme Suchen des Gehirns nach der einen "wahren" Ursache hinter den Dingen) hemmen den notwendigen Fortschritt und führen die Menscheit längerfristig in die Katastrophe. Den kreativen und komplex vernetzt denkenden Menschen mit einem vielfältigen Wissens- und Erkenntnisstand gehört die Zukunft.

Es ist ein steiniger und komplizierter Weg,  das menschliche Gehirn so weiter zu bilden und zu entwickeln, dass Vernunft, Verstand und Erkenntnis in allen gesellschaftlichen Schichten  die Oberhand gewinnen. Ein Weg der sich lohnt, führt er doch in eine Zukunft in der soziale Kompetenz,
Menschenrechte und Wohlstand Vorrang vor Machthunger, Profitgier und Unwissen haben.


5.5 Beispiele aus Kultur, Technik und Kunst.

Nachdem wir uns mit den schöpferischen Fähigkeiten und Kräften des Gehirn auseinander gesetzt haben, geben wir anhand von fünf ausgesuchten Beispielen  ( Klassisches Gebäude, Buch, Handy, Musik und Malerei) einen naturgemäß subjektiven Ausblick auf die Ergebnisse schöpferischer Tätigkeit.






Semperoper in Dresden

Als Beispiel für Kultur in Zusammenhang mit Architektur sei hier die Semperoper in Dresden aufgeführt. Eine schöpferische Leistung des Architekten Gottfried von Semper und seines Sohnes. Nach einem Brand wurde sie 1871 in 7 Jahren wieder aufgebaut. Hier werden bedeutende Werke der klassischen Musik aufgeführt, insofern stellt das Gebäude eine harmonische Schöpfung von Baukunst und Musik dar.


Erfindung des Buchdruckes, hier ein 122 Jahre altes Exemplar


Die Buchdruckkunst hat seit Johannes Gutenberg sie Mitte des 15. Lahrhunderts erfunden hat, bis auf den heutigen Tag über die Jahrhunderte hinweg der Verbreitung und Speicherung von Wissen auf der ganzen Welt und in allen Sprachen gedient. Bis heute gilt das Buch als der beste Langzeitspeicher  für gedrucktes Wissen (und dies trotz elektronischer Speichermedien).





Kommunikationsmittel Handy

Die Erfindung des Handy hat heute die Möglichkeit geschaffen, mit jedem Menschen auf der Welt, der ein solches besitzt, von einem beliebigen Ort zum anderen unbegrenzt zu kommunizieren.

Eine besondere Stellung  im Leben des Menschen nimmt die Tonkunst (Musik) als schöpferische Leistung ein. Ist Sie doch die Kunstform, die ohne erklärende und zwischengeschaltete Kommunikation und unabhängig von Sprache und kulturellem Hintergrund von jedem Menschen über den direkten Zugang zu seiner Gefühlswelt verstanden und erlebt wird. Zumal sie neben der Malerei schon seit der Frühzeit die Entwicklung der Menschen begleitet und eine unmittelbare Form der Verbindung von Mensch zu Mensch darstellt.





Friedrich der Große beim Flötenkonzert (Adolph von Menzel)

Warum sind Menschen durch die schöpferisch gefühlsmäßige Kraft der Musik so zu beeindrucken?
Die Hörnerven leiten die Klänge der Musik an den Hirnstamm weiter, von wo aus die Klanginforationen auch das limbische System (zuständig für Gefühle) erreichen. Hier werden unmittelbar alle Gefühlsregister von den Klangfolgen angesprochen und steuern den Stimmungsverlauf beim Hören eines Liedes, wie auch beim Genießen eines großen Konzertes. Weiterhin gelangen die Informationen der Klangwelt an die primäre Hörrinde im Cortex und verteilen sich von dort in sekundäre Hörbereiche.

Wobei in der linken Hirnhälfte Bereiche für Rhythmen aktiviert werden, während rechtseitig im Cortex die Verarbeitung von Tönen und Klangfarben stattfindet. Gleichzeitig kann der Cortex, angestoßen von der erlebten Musik, einen Rausch von Bildern und Farben generieren, der den Zuhörer in höchste Glückseligkeit oder tiefste Trauer versetzen kann. Großartige Komponisten haben klassische Meisterwerke (sogenannte E- Musik) als Opern oder symphonische Musik geschaffen und Orchester spielen diese Musik in allen Länder und für alle Völker.  Aber auch leichte Volksweisen und Schlager sowie POP-Musik  (alles sogenannte U-Musik) erfreuen die Menschen. Musik schaft kreative Arbeit und beflügelt die Menschen.

Hören Sie als kurzes Beispiel (25MB) einen Ausschnitt aus dem Flötenkonzert Nr.1 F-Dur von Antonio Vivaldi:

Flöten - Konzert von Vivaldi

Musik ist organisierte Zeit, Malerei (inkl. der grafischen Künste) organisierte Fläche. Musik vermittelt Emotionen, Malerei Informationen. Malerei, solange sie gegenständlich ist, gibt immer einen Ausschnitt der wirklichen oder vorstellbaren Umwelt wieder, in deren Mittelpunkt sich der Einzelne erlebt. Mit der Wahl des Sujets und der formalen Umsetzung filtert der Maler heraus was ihm wichtig erscheint, verdichtet und überhöht, lädt mit Bedeutung auf. Dabei kann die Dynamik einer Szene sehr wohl altmeisterlich sorgsam gemalt sein (z.B. Grünewald's "Himmelfahrt Christi" aus dem Isenheimer Altar),


Himmelfahrt Christi (von Grünewald)

sie kann sich aber auch im malerischen Duktus ausdrücken (z.B. Turner's "Steam Boat off a Harbours Mouth" ). 


Steam Boat of a Harbours Mouth (von Turner)


Malerei kann der Dekoration dienen, der Vermittlung von Tatbestände (Landschaft, Porträt, Gesellschaft, Historie...), kann politische und religiöse Botschaften übermitteln, kann als Satire und Karikatur eine scharfe Waffe sein. Malerei kann Emotionen darstellen und kann sie auslösen, besonders in jenen Fällen wo Thema und malerische Umsetzung kongruent sind (z.B. Picassos "Guernica").


Guernica (von Pablo Picasso)

Gegenstandslose Malerei kommt mit dem Reiz der Farben und Muster, mit der Verteilung der Gewichte, mit Harmonie und Spannungen der Musik nahe – und bleibt dennoch vielen verschlossen, so sehr "klebt" der Mensch an seiner mit den Augen erfahrenen Welt.


Das Eisenwalzwerk (Adolph von Menzel)

Als Beispiel für die Malerei soll wieder ein Bild von Adolph von Menzel dienen. "Das Eisenwalzwerk" fasst in einer grandiosen Szene die Faszination und Dynamik, aber auch die sozialen Probleme des aufkommenden Industriezeitalters zusammen. Das Bild leitet gleichzeitig über zum nächsten Kapitel, das sich mit den Auswirkungen des Homo faber et oeconomicus auf seine Umwelt beschäftigt.