Mensch und Realität


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6. Interaktion Mensch und Umwelt - Klimaveränderung


Vom rechten Nutzen der Freiheit

(Montage H.G. Klug)

6.0 Vorbemerkung

Vor 2 000 000  Jahren kann sich das Leben des Urmenschen nicht viel von dem eines Tieres unterschieden haben: er lebte von Aas, mit Glück einmal von einem selbst erlegten kleinen Tier, von gesammelten Beeren, Wurzeln und Eiern; er war eher ein gejagtes Wild als selbst Jäger. Wäre er plötzlich von der Erde verschwunden, hätte man nach ein paar Tagen schon keine Spuren seiner Existenz mehr gefunden (außer den paar Knochenresten, mit deren Deutung sich Anthropologen herumschlagen müssen).

Mit der Entwicklung des Großhirns gewann der Mensch die Fähigkeit vorgestellte Ziele zu verfolgen und differenziert zu kommunizieren. Mit selbstgefertigten Waffen, mit der Bewahrung und Handhabung von Feuer, mit komplexen Jagdstrategien, mit Arbeitsteilung in der Horde verbesserte er seine Chancen gegen über jagdbarem wie gefährlichem Wild. Drang er in lange isolierte Biotope ein, konnte er schon einmal ein paar Tierarten ausrotten.

Mit dem Übergang zum Ackerbau vor Größenordnung 10.000 Jahren veränderte der Mensch zum erstenmal lokal die Oberfläche der Erde. Erste technische Erfindungen (Rad, Pflug, Schiff, Bewässerung ....) wurden gemacht. Große und gut organisierte Gesellschaften entstanden. Bis heute erhaltene Großbauten wurden errichtet, Landschaft wurde regional verändert.

Mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik in den letzten 300 Jahren hat der Mensch gewaltige Fähigkeiten zum Eingriff in die Umwelt in die Hand bekommen. Gleichzeitig ist – nicht zuletzt dank der modernen Medizin – die Zahl der Menschen immer schneller gestiegen. Die große Zahl einerseits und die mächtigen technischen Mittel andererseits führen zwangsläufig zu globalem Einwirken auf die Umwelt.

Nach einer "Tour de horizon" zum Eingriff des Menschen in die Umwelt werden die Klimaveränderungen mit gewisser Ausführlichkeit behandelt. Sie stehen an erster Stelle, wenn es um globale Einflüsse des Menschen geht.

6.1 Wie der Mensch in seine Umwelt eingreift
6.2 Klimasystem und Treibhauseffekt – Grundlagen
   6.2.1 Die Atmosphäre
   6.2.2 Der Energiehaushalt der Erde - Der Treibhauseffekt
   6.2.3 Das Klimasystem
6.3 Klimaveränderungen durch den Menschen - der Stand
6.4 Klimaveränderungen - Prognosen
6.5 Mögliche Strategien
6.6 Warum sich der Mensch so schwer tut

6.1  Wie der Mensch in seine Umwelt eingreift

Auf sehr vielfältige Weise greift der Mensch in Landschaft, Atmosphäre und Biosphäre ein. Die folgende Aufzählung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es wurden bewusst Beispiele aus den verschiedensten Regionen der Welt gewählt.

Der Mensch lässt Tierarten aussterben

In Australien starben vor 50 000 Jahren die Riesenwombats und andere große Beuteltiere aus, nachdem die Menschen den Kontinent besiedelt hatten,   Zerstörung des natürlichen Lebensraum durch Buschbrände wird als wesentlicher Grund vermutet;

In Südamerika starb das Riesenfaultier vor 10 000 Jahren aus, vermutlich als leichte Jagdbeute  der zugewanderten Menschen;

Heute stehen von 58.808 beschriebenen (24.984 untersuchten) Wirbeltierarten 5624 auf der "Roten Liste", infolge Bejagung, ebenso wie infolge der Zerstörung der natürlichen Lebensräume.


Der Mensch stört durch Einführung fremder Tierarten das biologische Gleichgewicht

Der lange abgeschlossene Ökosystem Australiens erwies sich als besonders empfindlich: Die zum Bau der von der Südküste nach  Darwin führenden Telegraphenlinie eingesetzten Kamele verwilderten und wurden zum Schädling; die als Jagdwild eingeführten Kaninchen erwiesen sich als unbeherrschbare Landplage; die erst 1935 zur Schädlingsbekämpfung in Zuckerrohrfeldern eingeführte Agakröte breitet sich mit 40 km/Jahr vom Nordosten her aus und verdrängt einheimische Amphibien und Reptilien.

In Australien überzieht "Pattersons Curse" weite Landstriche wunderschön blau - und macht sie für die Viehweide fast unbrauchbar. In den USA überwuchert die aus Japan importierte Schlingpflanze Kudzu in kurzer Zeit Wälder und Häuser.

Durch die globalen Verbindungen reisen heute viele Tierarten als "blinde Passagiere", insbesondere maritime Lebensformen im Ballastwasser der Schiffe.

Der Mensch rodet Wald um Ackerland oder Weidefläche zu gewinnen

Island war vor der Besiedlung zu 25% mit Wald bedeckt, heute gibt es nur kleine Reste; das gewonnene Weideland für die Schafe fiel zum Gutteil der Erosion anheim. Schafzucht jedoch war (neben Fischfang) die einzige Möglichkeit um überhaupt auf Island zu überleben.

Heute fällt wertvoller Amazonas-Urwald der Brandrodung durch arme Indio-Bauern zum Opfer.


Der Mensch vernichtet Wälder weil er Holz für industrielle Zwecke oder als Heizmaterial braucht

Vor 5000 Jahren gab es im Oman noch große Wälder, doch wurden sie durch den übermäßigen Einschlag von Brennholz für die Bronze-Herstellung nachhaltig geschädigt; um 950 n.Chr. musste die Kupferverhüttung aufgrund des Mangels an Brennholz eingestellt werden. Heute ist Steinwüste die vorherrschende Landschaftsform.

Große Gebiete um das Mittelmeer wurden schon in der Antike abgeholzt, weil Phönizier und später Römer Bauholz und Material für den Schiffbau benötigten, auch wurde zugunsten landwirtschaftlicher Flächen gerodet. Übernutzung zerstörte die Humusdecke dauerhaft. Nordafrika galt als Kornkammer des römischen Reiches!

Heute fallen in Südostasien immer noch Tropenwälder dem Holzhunger der reichen Länder zum Opfer.


Der Mensch gestaltet Landschaften um

In Ostasien entstanden für den Reisanbau Terrassen-Landschaften von hohem ästhetischen Reiz (die Felder sind allerdings eine der Quellen des Treibhausgases Methan).

Die Lüneburger Heide entstand als große Mengen Holz für das Salzsieden geschlagen wurden. Heute gilt sie als schützenswerte Landschaftsform!


Der Mensch öffnet die Erde mit Tagebau

Braunkohle, Kies, Sand, Gesteine werden auch in Deutschland im Tagebau gewonnen. Die zunächst entstehenden "Mondlandschaften" können durch Rekultivierung zu reizvollen Seenlandschaften werden.

Das größte Tagebauloch der Welt, Chucicamata in Nordchile, 4x3 km groß und 850m tief, dient dem Abbau von Kupfererz. Das Superpit Kalgoorlie, eine Goldmine  in Australien, ist mit 3x1,4 km und 320m Tiefe dagegen schon fast klein.


Der Mensch gestaltet die Küstenlinie um

Im Kampf gegen die Nordsee ging zwar in historischer Zeit viel Land verloren, doch sichern heute Deiche das tiefliegende Land, und in den Niederlanden wurde durch den Abschlussdeich die Meeresbucht Zuiderzee zum Ijsselmeer mit seinen reichen Poldern.


Der Mensch schafft künstliche Seen

Einer der größten Flüsse Nordamerikas, der Colorado, wird mehrfach aufgestaut (Lake Mead, Lake Powell). Sein Wasser wird im Colorado-Big Thomson zum Teil im Nordwesten der Rocky Mountains aufgefangen und durch die Berge auf die andere Seite der Wasserscheide geführt wo es der Versorgung von Städten und zur Bewässerung von Feldern dient.

Die Volksrepublik China wird mit dem Drei-Schluchten-Staudamm den Jangtse (Yang Zi Jiang) zu einem 660km langen See aufstauen. Über 1 Million Menschen müssen umgesiedelt werden.


Der Mensch lässt Seen vertrocknen

Der abflusslose Aralsee war einst viertgrößter See der Erde. Wegen übermäßiger Wasserentnahme (Baumwollanbau, Industrie) erreicht ihn der Hauptzufluss Amudarja  nur noch in wasserreichen Jahren, der zweitgrößte Fluss Syrdarja überhaupt nicht mehr. Von 1960 auf 2004 ist der See von 64000 km² auf 17200 km² geschrumpft. Der Salzgehalt stieg entsprechend, Fischfang ist seit 20 Jahren unmöglich. Es bildet sich eine Salzwüste, die Aralkum.


Der Mensch beeinträchtigt die Umwelt im Gefolge des Bergbaus

Im Jahre 2000 brach in Baia Mare in Rumänien ein Rückhaltedamm, 300.000m³ mit Schwermetallen versetztes Natrium-Cyanid lief aus und gelangte schließlich in Theiß und Donau – die größte Umweltkatastrophe nach Tschernobyl.

Ghana ist reich an Rohstoffen. Der Bergbau trägt ein Drittel zum Export bei, aber er gilt auch als größte Umweltbedrohung des Landes. So gelangen immer wieder hochgiftige Chemikalien, die zur Goldgewinnung verwendet werden (Cyanide, Quecksilber), in den Wasserkreislauf, verursachen Fischsterben und Vergiftungserscheinungen bei der Bevölkerung.


Der Mensch emittiert Stoffe in die Atmosphäre

Die Emission von Ruß, Schwefeldioxid  und Stickoxiden bei der Verbrennung fossiler Energieträger, insbesondere von Kohle, verursacht lokal gesundheitsgefährdenden Smog und in größeren Regionen "Sauren Regen", der die Wälder schädigt.

Stoffe die in der Natur überhaupt nicht vorkommen, können in die Atmosphäre gelangen und dort unerwartete Wirkungen auslösen.  FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), verwendet als Treibmittel (Sprühdosen, Schaumstoffherstellung) und als Kälte- und Löschmittel, zerstörten die Ozonschicht und führten zum Entstehen des "Ozonlochs" über den Polen (trotz aller inzwischen wirksamen Verbote erreichte das Ozonloch über dem Südpol 2006 seine bisher größte Ausdehnung). Die stärkere ultraviolette Einstrahlung lässt das Hautkrebs-Risiko in den betroffenen Gebieten (Australien!) wesentlich ansteigen.

Der Mensch emittiert in großem Ausmaße "Treibhausgase" und verursacht, heute schon erkennbar, nachhaltige Veränderungen des Klimas. Dieses Thema wird im folgenden eingehend behandelt.


Das zerstörerische Verhältnis des Menschen zur Umwelt ist Gegenstand der SF-Erzählung "Im Labor".

6.2 Grundlagen

6.2.1 Die Atmosphäre

Die Atmosphäre umgibt wie eine dünne und empfindliche Haut die Erde. Auf dem Boden dieser Schicht spielt sich alles Leben ab.

Sonnenaufgang (Foto: NASA Shuttle 2000)

Die unterste Schicht, die Troposphäre, ist Ort alles Wettergeschehens. Vertikaler wie horizontaler Luftbewegungen, Wolkenbildung und Niederschlag sorgen  für den globalen Wärmeausgleich und die Verteilung und das Auswaschen eingebrachter Stoffe. 80% der Gesamtmasse der Atmosphäre finden sich in der Troposphäre.


Aufbau der Atmosphäre

Die Stratosphäre hingegen erweist sich als stabile Schicht; eingebrachte Stoffe verbleiben hier wesentlich länger, soweit sie nicht durch chemische Reaktionen unter dem Einfluss  energiereicher Strahlung umgewandelt werden. Tropische Gewitter und Faltungen der Schichten sorgen jedoch für einen gewissen Stofftransport durch die Grenzschicht, die Tropopause, hindurch (im Mittel in 10km Höhe, in den Tropen/im Sommer höher, an den Polen/im Winter niedriger).

Die Atmosphäre besteht zu 78,8 % aus Stickstoff,  dazu kommen 20,95 % Sauerstoff und 0,93 % Argon (Edelgas). In nur kleinen Mengen vorhandene Gase ("Spurengase") wie CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan), O3 (Ozon) und NOx (Stickoxide) sowie Wasserdampf spielen eine bedeutende Rolle für den Energiehaushalt der Erde.

6.2.2 Der Energiehaushalt  der Erde – Der Treibhauseffekt

Alles Geschehen in der Atmosphäre wird durch letztlich durch Sonneneinstrahlung angetrieben. Das Spektrum der Sonnenstrahlung reicht im wesentlichen vom kurzwelligen, energiereichen UV (Ultraviolett)-Strahlung (200-400 nm) über den sichtbaren Bereich (400-700 nm) zum IR (Infrarot=Wärme)-Bereich (700-3000nm). Das menschliche Auge ist auf das Strahlungsmaximum im sichtbaren Bereich ausgerichtet, Ergebnis einer langen Evolution.

Fasst man die Erde als Scheibe auf, so bestrahlt die Sonne diese Scheibe mit 1368 W/m². Da die Erde eine Kugel ist und die Hälfte stets im Schatten liegt, beträgt die auf die tatsächliche Oberfläche der Erde bezogene Einstrahlung im Mittel nur ein Viertel davon. Diese Einstrahlung aber ist sehr ungleich verteilt: am Äquator, unter fast senkrecht scheinender Sonne, ist sie sehr viel größer als unter dem Streiflicht der Polargebiete. Diese Unterschiede treiben das großräumige Wettergeschehen auf der Erde.

30% der eingestrahlten Energie erreichen die Erdoberfläche gar nicht sondern werden zurückgeworfen ("Albedo"=0,3).

Was an Strahlung von der Erdoberfläche (inklusive Staub und Wolken in der Atmosphäre) absorbiert wird, würde zu einer beständigen Aufheizung führen, wenn die Erde nicht wie jeder warme Körper Wärme abstrahlen würde (Stephan-Boltzmann-Gesetz). Je wärmer die Oberfläche, desto mehr wird abgestrahlt. Würde die Abstrahlung durch die Atmosphäre nicht behindert, so würde sich eine Gleichgewichtstemperatur an der Erdoberfläche von -18°C (Mittelwert) einstellen. Leben wäre auf der Erde kaum möglich.

Der natürliche Treibhauseffekt

Tatsächlich aber finden sich in der Atmosphäre die sogenannten Treibhausgase (CO2, CH4, NOx ...). Sie absorbieren den Großteil der von der Erde abgestrahlten Wärme zunächst, strahlen sie kurz darauf aber wieder ab, und zwar nach allen Richtungen, also auch zur Erdoberfläche zurück! Damit erhält die Erdoberfläche zusätzlich Wärme eingestrahlt. Um sie wieder los zu werden, muss die Temperatur der Erdoberfläche steigen, bis ein neues Strahlungsgleichgewicht erreicht ist. Es liegt unter ungestörten  Bedingungen bei 15°C ("natürlicher Treibhauseffekt" = 33°).

Vergrößert man die Menge der Treibhausgase, muss die Temperatur an der Erdoberfläche steigen. Genau dies aber tut der Mensch: er bringt große Mengen verschiedener Treibhausgase in die Atmosphäre ein.

Die Wirksamkeit verschiedener Treibhausgase wird verglichen, indem man die Wirkung einer bestimmtem Masse des in der Atmosphäre gleichmäßig verteilten Stoffes über eine bestimmte Zeit, üblicherweise 100 Jahre, integriert und mit der Wirkung der gleichen Masse von Kohlendioxid vergleicht. Das Verhältnis wird als "Global Warming Potential" (GWP) bezeichnet. Kohlendioxid hat also per Definition ein GWP von 1.

Die wichtigsten Treibhausgase, in deren Haushalt der Mensch eingreift,  sind:

CO2 = Kohlendioxid
Kohlendioxid wird gebildet und freigesetzt bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Energieträger.
Die wichtigsten Senken sind
-  die Pflanzen, die es aufnehmen und zum Aufbau ihrer Biomasse nutzen, und
-  das Meer, in dem CO2 gelöst und langfristig gespeichert wird.
Soweit Holz verbrannt wird in dem Maße wie es nachwächst, bewegt man sich in einem geschlossenen Kreislauf mit ausgeglichener Gesamtbilanz, nicht jedoch bei übermäßiger Abholzung (Brandrodung von Tropenwäldern!). Soweit aber fossile Energieträger verbrannt werden, die im Laufe von Hunderten von Jahrmillionen angesammelt wurden, erhöht sich die Gesamtmenge des Kohlendioxids im Umlauf.
Kohlendioxid ist in der Atmosphäre sehr langlebig: man rechnet mit einer typischen Verweilzeit in Größenordnung 100 Jahre.

CH4 = Methan
Methan stammt aus natürlichen Quellen (zum Beispiel Sümpfen), eine etwa gleich große Menge wird vom Menschen erzeugt (Nassreisanbau, Rinderzucht (Fermentationsprozesse im Magen), Mülldeponien, Kohlebergbau (Grubengas), Lecks bei Erdgasgewinnung- und Transport, Zementherstellung).
Methan wird aus der Atmosphäre durch chemische Reaktionen entfernt.
Als typische Verweilzeit von Methan in der Atmosphäre gilt 10-12 Jahre.
Bei gleicher anfänglicher Menge  erzeugt Methan über einen Betrachtungszeitraum von 100 Jahre  23 mal mehr Treibhauswirkung als Kohlendioxid (GWP = 23).

N2O = Distickstoffoxid = Lachgas
Distickstoffoxid hat natürliche wie anthropogene Quellen. Als eine wesentliche Quelle des menschlichen Anteils gilt die reichliche Anwendung von Stickstoffdüngern, das Verbrennen von Biomasse , und die Nylon- und Salpetersäure-Produktion.
Distickstoffoxid  wird aus der Atmosphäre durch chemische Reaktionen entfernt.
Distickstoffoxid verweilt typischerweise  120-150 Jahre.  Mit einem GWP von 296  ist es  ein sehr starkes Treibhausgas.

FCKW = Fluorchlorkohlenwasserstoffe
FCKW werden als Kühlmittel und als Treibmittel in Sprühdosen und für die Schaumstoffherstellung eingesetzt. Sie  zerstören nicht nur die vor hartem UV schützende Ozonschicht der Stratosphäre ("Ozonloch"), sondern sind auch ein potentes Treibhausgas. Durch das Protokoll von Montreal 1987 und nachfolgende Verschärfungen konnte die Verwendung dieser Stoffe zwar stark eingeschränkt werden, doch gibt es immer noch Ausnahmeregelung für Entwicklungsländer.
FCKW leben sehr lange -100 bis 400 Jahre – und werden daher auch nach völligem Ende ihres Einsatzes noch lange in der Atmosphäre existieren. Sie haben  ein GWP von über 10 000 bis zu 15000!

O3 = Ozon
Ozon wird vom Menschen nicht direkt freigesetzt, entsteht aber durch eine Vielzahl komplexer photochemischer Prozesse, an denen die anthropogenen Emissionen beteilig,t sind wie Stickoxide (wird gebildet wenn Verbrennung bei hohen Temperaturen erfolgt), Kohlenmonoxid, Methan, und flüchtige unvollständig verbrannte Kohlenwasserstoffe ("VOC") – der Kraftverkehr dürfte der Hauptverursacher sein. Daher steigt die Ozon-Konzentration in der Troposphäre (während gleichzeitig die für den Schutz vor harter UV-Strahlung entscheidende Ozonschicht in der Stratosphäre unter dem Einfluss von FCKW schwindet!). Ozon lebt zwar nicht lange in der Troposphäre und daher regional unterschiedlich konzentriert, ist aber sehr wirksam, so dass sein GWP mit 2000 angegeben wird.

H2O  = Wasser
Wasserdampf – gasförmig, unsichtbar! – hat am natürlichen Treibhauseffekt einen Anteil von 60%. Die direkten zusätzlichen Emissionen von Wasserdampf durch die Aktivitäten des Menschen verändern die Menge des Wassers in der Troposphäre in vernachlässigbarem Verhältnis, sie werden im allgemeinen Wasserkreislauf der Troposphäre kurzfristig wieder niedergeschlagen (Verweilzeit Tage bis Wochen). Anders zu bewerten wäre es, wenn durch hochfliegende Überschallflugzeuge zusätzlich Wasserdampf in die sehr stabile und sehr trockene Stratosphäre  eingebracht würde (Verweilzeit Größenordnung 1 Jahr).
Wasser/Wasserdampf spielt aber in den Rückkoppelungsprozessen des Klimasystems eine große Rolle.

6.2.3  Das Klimasystem

Für das Verständnis des Themas "Klimaveränderungen" ist eine wesentliche Voraussetzung die klare Unterscheidung zwischen den Begriffen "Wetter" und "Klima". Immer noch wird in den Medien aus einzelnen Wetterereignissen auf Klimaveränderungen geschlossen; immer noch wird argumentiert dass eine langfristige Analyse erwartbarer Klimaveränderungen unmöglich sei, weil die schon die Wettervorhersage nur wenige Tage weit reicht. Beides ist schlicht falsch.

Wetter ist der unmittelbar beobachtbare, sich ständig ändernde Zustand er Atmosphäre an einem bestimmten Ort (Regen, Sonnenschein, Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchte, Wind...).

Der Begriff Klima hingegen betrifft langfristige Mittelwerte. In einer Definition des Umweltbundesamtes heißt es: "Klima wird beschrieben durch den mittleren Zustand, charakteristische Extremwerte, Häufigkeitsverteilungen u.a. der meteorologischen Größen (Druck, Bewölkung, Temperatur, Niederschlag u.a.m.), die diese über einen längeren Zeitraum und über einem größeren Gebiet annehmen." Bei der Betrachtung des Klimas wird in der Regel ein Zeitraum von 30 Jahren zugrunde gelegt! Wenn Mittelwerte sich in einer solchen Zeitskala systematisch verändern, spricht man von "Klimaveränderungen".

Wettervorhersage und Klimavorhersage müssen sehr unterschiedliche Parameter berücksichtigen, arbeiten mit ganz unterschiedlichen Zeitskalen und mit unterschiedlicher räumlicher Auflösung der Rechenmodelle. Wetter ist ein "determiniert chaotischer" Prozess, kleinste Abweichungen in den Ausgangsdaten einer Wettervorhersagerechnung führen mit fortschreitender Zeit zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen ("Schmetterlingseffekt"). Das Problem der Klimamodelle liegt in der außerordentlich komplexen Vernetzung vieler Komponenten, deren mathematisch-physikalische Modellierung vielfach nicht so genau bekannt ist wie erwünscht. Klimamodelle erfordern außerordentliche Rechnerleistungen.

Klimasystem - Hauptelemente

Angetrieben wird das System von der Sonne, deren (leicht variierende) Einstrahlung auf die Erde die Energie für alle Prozesse liefert. Bei diesen Prozessen geht es um den Transport, die Weitergabe und die Speicherung von Energie und gleichzeitig von Stoffen, um die Änderung des Aggregatszustandes von Stoffen, und dazu um biologische Prozesse. Nur ein paar wichtige Vorgänge im großen System können hier genannt werden.

Die Rolle der Luft
· Die chemische Zusammensetzung der Luft – ihr Gehalt an Treibhausgasen – entscheidet wesentlich darüber wie viel Strahlungsenergie tatsächlich auf der Erdoberfläche ankommt.
· Die globale Zirkulation der Luft sorgt für den Temperaturausgleich zwischen polaren, gemäßigten und tropischen Zonen, zwischen Meer und Land. Die Luftströmungen transportieren über dem Meer aufgenommenes Wasser und leiten es zu den Landmassen, wo sie als Regen oder Schnee niedergehen.

Die Rolle des Wassers

Die Verdunstung des Wassers erfordert viel Energie; diese Energie wird als "latente Wärme" von Land und See in die Höhe getragen und mit den Windströmungen transportiert; beim Kondensieren zu Tröpfchen wird sie wieder frei.

Wolken (=Wassertröpchen) verändern die Reflexionseigenschaften der Erde ("Albedo"), wirken je nach Höhe und Dichte abkühlend oder erwärmend. Global bewirken die Wolken zur Zeit eine Kühlung.

Wasser kann viel mehr Wärmeenergie speichern als Luft; die Ozeane spielen daher die Rolle eines großen Speichers der sich nur langsam erwärmt/abkühlt und Temperaturveränderungen der Luft/naher Landmassen abdämpft (Tag/Nacht/Jahreszeiten/langfristige Veränderungen).

Im Ozean besorgen gewaltige Ströme, gleichwertig den Windsystemen, den Wärmetransport über große Strecken (Golfstrom!), angetrieben von Oberflächenwinden und Dichteunterschieden  des Wassers. Absinkende Bewegungen sorgen für den Transport von gelöstem Kohlendioxid in die Tiefe, wo es für Jahrhunderte dem Kreislauf entzogen wird.

Eisschilde (Grönland, Antarktis) stellen außerordentlich träge Elemente des Systems dar, Bildung oder Abschmelzen benötigt viele Jahrhunderte. Schmelzwasser verringert die Dichte des Seewassers und wirkt auf die großen Meeresströmungen ein.

Eis- und Schneeflächen reflektieren einfallendes Sonnenlicht; schmelzen sie wegen zunehmender Lufttemperatur ab, so wird weniger abgestrahlt, die Temperatur nimmt noch schneller zu ("Positive Rückkopplung").


Die Rolle des Landes

Auf dem Land wird Wasser in Gletschern, im Grundwasser, in der Humusdecke gespeichert.

Pflanzen verdunsten Wasser, nehmen Kohlendioxid zum Aufbau ihrer Biomasse durch Photosynthese auf. Die klimatischen Bedingungen und der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre wirken sich umgekehrt auf das Pflanzenwachstum aus.

Die Pflanzendecke verändert die Abstrahlungseigenschaften der Erdoberfläche.

Vulkanstäube können sich jahrelang in der Atmosphäre halten und abkühlend wirken. (Vulkanausbrüche finden als singuläre und nicht vorhersagbare Ereignisse  keinen Eingang in den Klimaprognosen).

Die Form der Landmassen gibt Randbedingungen für die Meeresströmungen. Die Topologie  der Landmassen beeinflusst entscheidend die großräumigen Luftbewegungen.


Die Rolle des Menschen

Der Mensch erscheint nicht explizit in der kleinen Grafik des Klimasystems, wird nur durch die Industrieanlage symbolisiert. Mit seiner Aktivität aber greift er vielfältig in das System ein:

Er sorgt für die Emission großer Mengen von Treibhausgasen durch Industrie, Verkehr, Haushalt und Landwirtschaft  und verändert so nachhaltig die Zusammensetzung der Atmosphäre.

Er rodet Wälder und treibt Ackerbau, verändert somit die Oberflächeneigenschaften (Albedo) der Erde.

Er sorgt für die Emission von Aerosolen, die sich als Kondensationskerne auf die Wolkenbildung auswirken.

Alle diese Vorgänge stehen in komplexer Wechselwirkung, sind zumeist nichtlinear, und verlaufen in ganz unterschiedlichen Zeitskalen: Änderungen in Atmosphäre erfolgen im Stunden- bis Tagesrhythmus, die oberen Schichten der Ozeane sind an die Vorgänge der Atmosphäre gekoppelt; Veränderungen in der Tiefsee oder das Schmelzen von Eisschilden  sind eine Frage von Jahrhunderten. Damit ist die mathematische Modellierung äußerst schwierig und nur mit den größten Rechenanlagen zu bewältigen.

Als Risiken bei der Klimaprognose bleiben:

Die grundsätzliche Unschärfe bei der Modellierung physikalischer Vorgänge, welche allein die langfristige Vorhersage zunehmend unsicher macht;

Das Auftreten von noch weitgehend unbekannten Prozessen (Wie viel Methan wird frei wenn Permafrostböden nachhaltig auftauen? Wie wird sich das "Methaneis" am Meeresgrund verhalten wenn Meerestemperatur- und strömungen sich verändern?)

Auch das komplexe Klimasystem muss "determiniert-chaotisch" sein. Von solchen Systemen weiß man, dass sie "kippen" und zwischen verschiedenen quasi-stabilen Zuständen pendeln können (es gibt Anzeichen dass in der Vergangenheit der Golfstrom schon einmal innerhalb weniger Jahrzehnte gekippt ist.)

Das größte langfristige "Prognose-Risiko" aber stellt der Mensch selbst dar: Wie wird er sich verhalten? Darum kann es keine eindeutige Prognose geben, es wird immer eine "Wenn-dann"- Vorhersage sein. Der Mensch steht in der Verantwortung für die Zukunft.


6.3 Klimaveränderungen durch den Menschen - Der Stand

Im Februar 2007 verabschiedete die zuständige Working Group I "Physical Science Base"  des IPCC  ihre "Summary for Policy Makers" zum "Fourth Assessment Report". Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) arbeitet als Organ der UN. In einem jahrelangen Prozess werden von Tausenden Wissenschaftlern die letzten Erkenntnisse gesammelt,  abgeglichen und zu einem Bericht zusammengeführt.  Seine Berichte stellen mithin das Vertrauenswürdigste dar, was die Wissenschaft auf diesem Gebiet zu bieten hat; sie finden entsprechend große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Dieser  und der folgende Abschnitt basieren im wesentlichen auf den Ausführungen der "Summary for Policy Makers", dort stammen auch die Abbildungen her. Die "Summaries" sind abrufbar auf der Website des IPCC.

Konzentration der Treibhausgase
Kohlendioxid, Methan und Lachgas

Die Konzentration der Treibhausgase wird weltweit verfolgt. Das Ergebnis ist eindeutig: die Konzentration wächst schnell.

Der historische Verlauf der Konzentrationen wurde durch Untersuchung der in Eisbohrkernen eingeschlossenen Luftbläschen ermittelt.  Es hat immer eine gewisse Fluktuation der Werte gegeben. In den letzten 400 000 Jahren schwankte zum Beispiel der CO2-Gehalt mehrfach in einem Bereich von etwa 100 ppm (Parts per million), überschritt jedoch nie die Marke 300 ppm. Parallel dazu schwankte die Temperatur im Bereich von etwa 10°C (Eiszeiten – Warmzeiten).  Der Anstieg des CO2-Gehaltes auf 380 ppm in den letzten Jahrzehnten jedoch geht derart weit über frühere Variation hinaus und erfolgte in einem derart kurzen Zeitraum, beginnend mit der Industrialisierung , dass nur menschlicher Einfluss als Erklärung infrage kommt. In der Tat sind die anthropogenen Emissionen bekannt, die Zunahme der Konzentrationen ist damit zwanglos erklärbar.

Am dramatischsten ist die Situation beim CO2 (Kohlendioxid). Der Konzentrationsanstieg dieses wichtigsten und auch langlebigen Treibhausgases nimmt immer schneller zu, sie ist im Zeitraum 1995-2005 schneller gewachsen als je zuvor. Die halbherzigen und von den größten Emittenten nicht umgesetzten Vereinbarungen von Kyoto haben wenig bewirkt. Im Übrigen: Bei einer typischen Verweilzeit von 100 Jahren hätte die Konzentration selbst dann heute noch keinen stabilen Wert erreicht, wenn die  Emissionsrate effektiv eingefroren worden wäre. Man muss jedenfalls mit noch lange weiter steigender Konzentration rechnen.

Etwas besser sieht es beim CH4 (Methan) aus. Hier nimmt zwar die Konzentration noch weiter zu, doch wächst sie wenigstens etwas langsamer als zuvor. (hier liegt ein großes Risiko im eventuellen großflächigen Auftauen von Permafrostböden, ein Prozess der in arktischen Gebieten bereits eingesetzt hat).

Beim N2O (Lachgas)  ist die Wachstumsrate näherungsweise konstant.

Für die FCKW gibt der Bericht keinen Trend an. Hier haben aber das Montrealer Protokoll und seine nachfolgenden Verschärfungen gegriffen, so dass das Wachstum der Konzentration wohl abgeflacht sein dürfte. Allerdings: 2006 war das Ozonloch über der Südregion größer als je zuvor, kein günstiges Indiz.

Um darzustellen in welchem Maße die verschiedenen Treibhausgase zum anthropogenen Treibhauseffekt beitragen, wird das "Radiative Forcing" (der Strahlungsantrieb) der verschiedenen Stoffe berechnet. Die Werte entsprechen einer zusätzlichen Energieeinstrahlung auf die Erde. Ein solcher Vergleich gibt eine Momentaufnahme: Wie viel tragen die derzeit in der Atmosphäre vorhandenen Treibhausgas-Mengen hier und heute zum Treibhauseffekt bei?

Beiträge zum Treibhauseffekt

Der Vergleich zeigt, dass Kohlendioxid mit Abstand das wichtigste anthropogene Treibhausgas ist – dank der großen Menge, die ausgestoßen wird. Ihm folgen das Methan, die FCKW und das Lachgas. Ozon in der Troposphäre spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Es wird zwar nicht direkt emittiert, doch lösen verschiedene Emissionen komplizierte Bildungsprozesse aus.

Der Vergleich zeigt, dass die durch veränderten Landbrauch einerseits und durch verschmutzte Schneeflächen andererseits geänderte Albedo der Erde sich heute eher im Sinne einer verstärkten Reflexion und mithin in Richtung einer Abkühlung auswirkt. (Ob dies ein Anlass zu Optimismus ist, sei dahingestellt. Mit dem Abschmelzen von Eis- und Schneemassen in den Polargebieten kann sich der Effekt umdrehen.)

Der Einfluss der vom Menschen emittierten Aerosole geht klar in Richtung Abkühlung, sowohl direkt als auch über die  ausgelöste vermehrte Wolkenbildung.

In der Summe ist der anthropogene Treibhauseffekt eindeutig "positiv" – die Atmosphäre muss sich erwärmen. Allerdings gibt es noch viele Unsicherheiten bei der Abschätzung der einzelnen Effekte. Nimmt die Temperatur wirklich zu?

Änderung der globalen Oberflächentemperatur

Die Messwerte an der Erdoberfläche – Land plus Meer – zeigen für die letzten Jahrzehnte eine stetige Temperaturzunahme. Viele mehr qualitative Beobachtungen bestätigen diese Messungen: das Abschmelzen der Gletscher auf der ganzen Welt, der Rückgang der Eiskappen nach Fläche und Dicke an den Polen (besonders dem Nordpol), Boden-Instabilität in Permafrost-Gebieten, Steinlawinen in Gebirgen, Verschiebung des Frühlingsbeginns in der Vegetation, frühere Vogelwanderung, nach Norden/nach oben verschobene Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten, ausgedehnte Trockenperioden in Sahelzone und Südafrika etc.

Die Temperaturzunahme betrifft nicht nur die Atmosphäre. Die Mitteltemperatur der Ozeane hat, nach Beobachtungen ab 1961, bis in Tiefen von 3000 m zugenommen.  Die Ozeane haben 80% der zusätzlichen Wärme im Klimasystem übernommen. (Gleichzeitig haben sie viel CO2 aufgenommen; Meldungen sprechen von einer zunehmenden Übersäuerung der Meere, welche vielen Meerestiere den Aufbau kalkhaltiger Schalen und Skelette erschweren wird, mit noch nicht übersehbaren Konsequenzen für die Nahrungskette im Meer).

Mit seiner  Erwärmung dehnt sich das Wasser der Ozeane aus. Dieser Effekt trägt fast die Hälfte zur beobachteten gleichmäßigen Anstieg des Meeresspiegels bei.

Für den anderen Teil des Anstieges wird das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden verantwortlich gemacht. Die  Abschätzungen sind noch nicht sehr genau: Der beobachtete Anstieg des Meeresspiegels ist wesentlich größer als der abgeschätzte.  (Vor rund 125 000 Jahren, einer Zwischeneiszeit mit Temperaturen in den Polargebieten 3 – 5° höher als heute infolge einer geänderten Erdumlaufbahn, war der Meeresspiegel wahrscheinlich 4-6m höher als heute).

Ist der beobachtete Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten nun tatsächlich auf die anthropogenen Treibhausgase zurückzuführen? Kann es nicht eine natürliche Variation sein, vielleicht unter einem Einfluss der Sonne?

Der IPCC kommt zu dem Schluss "Der Großteil des beobachteten Anstiegs der globalen Mitteltemperaturen seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist sehr wahrscheinlich (über 95%) verursacht durch die Zunahme der anthropogenen Treibhausgaskonzentrationen......... Erkennbare menschliche Einflüsse betreffen  ... auch andere Aspekte des Klimas, wie Erwärmung der Ozeane, kontinentale Mitteltemperaturen, Temperatur-Extreme und Wind-Muster."

Änderungen in der Strahlungsleistung der Sonne und Vulkanausbrüche sind für das vergangene Jahrhundert bekannt und werden bei der Anwendung der Klimamodelle auf die Vergangenheit berücksichtigt. Es ergibt sich folgendes Bild:

Demnach sind die bekannten natürlichen Einflüsse völlig ungeeignet, den Anstieg der Temperaturen zu erklären. (In der Presse wird immer wieder einmal darauf verwiesen, dass die Sonne ja noch andere, unbekannte/ nicht verstandene Einflüsse ausüben könne, zum Beispiel könne sie über den von ihr ausgehenden Teilchenstrom die Wolkenbildung beeinflussen. Darüber wurde vor ein paar Jahren heftig und ergebnislos spekuliert.)


6.4 Klimaveränderungen - Prognosen

6.4.1 Prognosen für das 21.Jahrhundert

Mehr noch als die Gegenwart interessiert was in Zukunft zu erwarten ist: Wie wird sich das Klima weiter entwickeln. Darauf kann es keine eindeutige Antwort geben, entscheidend ist das Verhalten des Menschen. Dazu hat der IPCC verschiedene Szenarien entwickelt, mögliche "Story Lines". Sie stehen für alternative Entwicklungen der menschlichen Gesellschaft und ihrer Aktivitäten, und damit für die erwartbare Emissionen.

Mögliche Entwicklung des globalen Temperaturmittels

Die verschiedenen Verläufe der Temperatur bei als plausibel angenommenen Szenarien zeigen, dass bis 2100 mit einer Temperaturerhöhung um 2-4 °C zu rechnen ist. Die Balken am rechten Bildrand deuten die Genauigkeit an, die diesen Werten beizumessen ist: der Endwert könnte um 1-2°C vom als wahrscheinlich erachteten Wert abweichen. Völlig unrealistisch und nur als Vergleichswert zu betrachten ist die orange Linie, die ein Einfrieren der Treibhausgaskonzentrationen ab 2000 unterstellt; selbst in diesem Fall wird die Temperatur noch weiter steigen da das Klimasystem noch nicht im Gleichgewichtszustand ist.

Die Temperatur wird zwar überall auf der Erde steigen, doch nicht in gleichem Maße.


Temperaturverteilungen für verschiedene Szenarien

Unabhängig vom betrachteten Szenario fällt der größere Temperaturanstieg auf der Nordhalbkugel auf, eine Folge der ungleichmäßigen Nord/Südverteilung von Land und Meer. Die Polarregionen werden größere Temperatursteigerungen sehen, insbesondere fällt die große Temperaturzunahme im Nordpolbereich auf. Entsprechende Konsequenzen für die Eiskappe(n) liegen auf der Hand.

Auch die Niederschläge werden sich regional sehr unterschiedlich entwickeln.


Entwicklung der Niederschläge
(in weiß gezeichneten Bereichen zeigen die Modelle eine unbefriedigende
Übereinstimmung, in den punktierten Bereichen ist sie besonders gut)

Man erkennt eine wesentliche Zunahme der Niederschläge in den polarnahen Gebieten, darunter im Winter auch in Europa. Besonders besorgniserregend sind die reduzierten Niederschläge in den ohnehin trockenen Gebieten des Mittelmeerraums und Nord- wie Südafrikas.

Der Meeresspiegel wird in jedem Falle im 21.Jahrhundert steigen. Im optimistischen Szenario "B1" ergeben die Modelle einen Anstieg von
18 - 38 cm, im mittleren Szenario "A1B"  von 0,21 - 0,48 cm. Dabei werden in den Berechnungen ausdrücklich konservative Annahmen über das Verhalten des Eises gemacht: wären die Eisverluste in Grönland und der Antarktis auch nur der globalen Temperatur proportional, ergäbe sich eine weitere Erhöhung des Meeresspiegels um 10 - 20 cm.
Die Versauerung der Ozeane wird sich fortsetzen, der pH16-Wert an der Meeresoberfläche hat bereits um 0,1 Einheiten gegenüber vorindustrieller Zeit abgenommen und wird im 21.Jahrhundert um weitere 0,14-0,35 Einheiten sinken.

Diese Veränderungen werden zunehmend sich in vielerlei Richtungen auswirken, zumeist allerdings werden die Folgen negativ sein. Die "Summary for Policymakers"  der IPCC-Working Group II  ("Climate Change Impacts, Adaptation and Vulnerability")  zählt unter anderem auf:

Wasserversorgung
In der Mitte des 21.Jahrhunderts wird in den nördlichen und einigen tropischen Gebieten mehr Wasser verfügbar sein (wo es ohnehin keine Probleme gibt), in den ohnehin schon trockenen Gebieten, zum Beispiel Mittelmeerraum und in Afrikas Trockenzonen, wird der Wassermangel noch schlimmer werden. Auch wo die kontinuierliche Wasserversorgung von den abschmelzenden Schnee- und Eismassen des Hochgebirges abhängt, wie in Ostasien, wird es Wassermangel geben.

Ökosysteme

Wenn die globale Mitteltemperatur um mehr als 1,5-2,5°C steigt, werden nicht nur viele Ökosysteme gestört und Pflanzen- wie Tierverbreitungen sich ändern, sondern 20-30% aller Tier- und Pflanzenarten stehen in der Gefahr des Aussterbens.

Die Versauerung des Meerwassers infolge der Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre wird jene Lebensformen beeinträchtigen die ihre Schalen und Skelette aus Kalk aufbauen, mit Konsequenzen für die darauf aufbauende Nahrungskette.

Bei einer Erhöhung der Meerestemperatur an der Oberfläche von 1-3°C werden immer mehr Korallen ausbleichen und absterben.

Landwirtschaft, Forsten, Fischerei

In höheren Breiten (Nordeuropa) und global gesehen kann die Lebensmittelproduktion bis 1-3° globaler Temperaturerhöhung wachsen, um darüber hinaus Schaden zu nehmen.

In den Trockengebieten der niedrigen Breiten (Afrika!)  werden auch schon kleine lokale Temperaturerhöhungen (1-2°C) die Ernten verschlechtern und die Gefahr von Hungersnöten vergrößern.

Die Holzproduktion kann global kurz/mittelfristig etwas zunehmen.

Fischerei und Aquakultur können durch erhöhte Wassertemperaturen regional beeinträchtigt werden.


Gesundheit

Durch den  stetig steigendem Meeresspiegel steigt das Risiko immer schlimmerer Überschwemmungen in niedrig liegenden Gebiete (Flussdeltas in Asien und Afrika, Bangladesh, kleine Inseln).

Mehr und stärkere Hitzewellen werden mehr Opfer fordern, ebenso heftigere Stürme und längere Trockenperioden.

Das Verbreitungsgebiet tropischer Infektionskrankheiten (Malaria) kann sich verschieben.


Der IPCC-Bericht enthält  detaillierte Aussagen über die erwarteten Probleme auf den fünf Kontinenten. Ein Vergleich  zeigt, dass diejenigen Länder noch am besten wegkommen, die heute am meisten zu den Treibhausgasemissionen beitragen. Am schlimmsten werden die Schäden in Afrika sein, das an der Misere die wenigste Schuld hat.

(Anmerkung: USA und  China übten bei der Endredaktion des Berichtes der Working Group II im April 2007 in Brüssel erfolgreich diplomatischen Druck aus, um die sie betreffenden entsprechenden Abschnitte zu entschärfen.)

6.4.2 Langfristige Prognosen

Der IPCC-Bericht deutet Entwicklungen über 2100 hinaus nur in wenigen Punkten an:

                    Selbst wenn in 2100 der Strahlungsantrieb der Treibhausgase auf dem Niveau des Szenarios A1B     
                    eingefroren werden könnte, würde im folgenden Jahrhundert die globale Mitteltemperatur um weitere     
                    0,5°C steigen;

die Ausdehnung der Ozeane durch die erhöhte Wassertemperatur und damit der Anstieg des Meeresspiegels würde sich noch Jahrhunderte fortsetzen;

gegenwärtige und zukünftige CO2-Emissionen des Menschen werden noch mehr als ein Jahrtausend zur globalen Erwärmung und zur Anhebung des Meeresspiegels beitragen, eine Folge der langen Verweilzeit in der Atmosphäre (mit der Erwärmung der Meere sinkt ihre Fähigkeit zur Aufnahme von CO2).

Vom Lawrence Livermore National Laboratory, USA, stammt eine Untersuchung mit einem als "konservativ" bezeichneten Klimamodell bis zum Jahre 2300, über die "Der Spiegel" schon am 2.11.2005 online berichtete:

"Die arktische Tundra ist fast vollständig verschwunden. In Arktis und Antarktis wachsen Wälder, das Packeis, das noch heute große Wasserflächen bedeckt, ist weg. Der Meeresspiegel ist um sieben Meter angestiegen, die Niederlande und große Teile Norddeutschlands stehen unter Wasser. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt acht Grad Celsius höher als heute, an den Polen sogar 20 Grad höher."

Die drastischsten Veränderungen werden nach dieser Studie für das 22. Jahrhundert erwartet. Bis 2150 wird der Eispanzer der Weltmeere fast vollständig verschwunden sein.

Hiermit kommen wir dem Bereich der Science Fiction ganz nahe. Die Erzählung "Rheintal - Ein Plädoyer" greift das Thema "Klimaveränderungen" auf, "Köln - Elefantenjagd" dazu noch das Verhalten des Menschen zur Tierwelt.

6.5 Mögliche Strategien

6.5.1 Allgemeine Überlegungen

Die erste und zunächst bequemste Form im Umgang mit den drohenden Klimaveränderungen ist, gar nichts zu tun und den Folgen fatalistisch entgegenzusehen.  Ein solches Verhalten steht dem intelligentesten Lebewesen auf der Erde wahrlich nicht gut zu Gesicht und ist im Blick auf folgende Generationen schlicht unmoralisch.

Nicht viel besser ist die Option, sich den drohenden Veränderungen im Erdklima zwar nicht zu widersetzen, jedoch sich systematisch darauf vorzubereiten um damit einigermaßen komfortabel überleben zu können. Das erscheint für die reichen Staaten eine möglicher Weg zu sein, wird aber auf Dauer sehr teuer werden. Die Armen der Welt bleiben dabei außen vor.

Als grundsätzlich die beste Möglichkeit erscheint es, die drohenden Veränderungen zu vermeiden. Das ist jedoch in vollem Maße gar nicht mehr möglich: Die bereits in der Atmosphäre angesammelten langlebigen Treibhausgase werden unweigerlich zu weiterer Temperaturerhöhung führen, der Meeresspiegel wird steigen.

Es muss also darum gehen, die drohenden Veränderungen so weit als möglich zu begrenzen. Das ist eine ungeheuer komplexe Aufgabe:

· Es geht um verschiedene Stoffe aus sehr vielen verschiedenen Quellen. Einen einfachen Lösungsansatz kann es gar nicht geben. Man muss überall gleichzeitig ansetzen. Wahrscheinlich sind grundsätzliche Änderungen im menschlichen Verhalten notwendig (Wachstumsphilosophie,  Konsumgesellschaft, Wegwerfmentalität müssen in Frage gestellt werden)

· Bisweilen wird der Eindruck erweckt, nur Verkehr, Industrie, Energiewirtschaft seien die Verursacher. Immerhin, hier kann man sich wenigstens noch große technische Fortschritte vorstellen. Doch auch die  Landwirtschaft trägt kräftig bei; grundlegende Veränderungen sind hier nicht so einfach möglich.

· Es sind weltweit abgestimmte Aktionen notwendig. Sie sind, wie die Erfahrung lehrt, nur schwer gegen die Vielfalt der nationalen Interessen durchzusetzen. Das Problem einer gerechten Lastenverteilung entsteht, der Konflikt zwischen den heute schon reichen Staaten und den armen oder schon aufstrebenden Ländern ist vorprogrammiert.

6.5.2 Die Sicht des IPCC

Am 4.Mai 2007 verabschiedete die Working Group III im Rahmen des Fourth Assessment Reports ihre "Summary for Policy Makers: Climate Change 2007: Mitigation of Climate Change". Dieser Teilbericht konzentriert sich ganz auf die Frage, ob die weitere Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre verhindert werden kann.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass im Zeitraum 1970-2004 die mit dem "Global Warming Potential" gewichtete Emission von Treibhausgasen ("CO2-eq") um 75% zugenommen hat, wobei auf das Kohlendioxyd selbst den größten Beitrag (rund 3/4) liefert. Tatsächlich ist die Emissionsrate in den letzten Jahren sogar schneller gewachsen als je zuvor.

Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen

Über die zukünftige Entwicklung lassen sich Aussagen nur dadurch machen, dass man in sich konsistente Szenarien durchspielt, welche ökonomische, technische, und gesellschaftliche Entwicklungen in Betracht ziehen.

Das IPCC hat solche Szenarien definiert. In den meisten davon nimmt die Emissionsrate über Jahrzehnte hin noch zu und erreicht in den pessimistischsten Fällen im Jahre 2100 das dreifache des heutigen Wertes. Unter solchen Umständen kann eine Stabilisierung des Treibhausgasgehaltes der Luft in überschaubaren Zeiträumen überhaupt nicht erfolgen und damit auch keine Stabilisierung der Temperaturen.

Dementsprechend wurde die Fragestellung umgekehrt: Wie müsste die Emissionsrate sich in der Zukunft verändern, damit eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration und damit langfristig auch eine Stabilisierung der Temperaturen erfolgt? 177 Szenarien wurden in verschiedenen Studien durchgespielt. Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse zusammen (CO2 steht hier repräsentativ für die gesamte  äquivalente Treibhausgasemission) .


 

Stabilisierte 
Konzentration
CO2
[ppm]
Jahre mit den höchsten Emissionen
Änderung der CO2-Emissionsrate 
(2000 auf 2050) [%]
Stabilisierte
globale
Temperaturzunahme
[°C]
350 - 400
2000 - 2015
-85 bis -50
2,0 - 2,4
400 - 440
2000 - 2020
-60 bis -30
2,4 - 2,8
440 - 485
2010 - 2030 
-30 bis +0,5
2,8 - 3,2 
485 - 570 
2020 - 2060 
+10 bis +60
3,2 - 4,0
570 - 660
2050 - 2080
+25 bis +85
4,0 - 4,9
660 - 790
  2060 - 2090 
+ 90 bis +140
  4,9 - 4,6 

Pfade zur Stabilisierung des Klimas

Die erste Spalte der Tabelle  beschreibt auf welchem Niveau sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre stabilisiert, wenn ab einem bestimmten Zeitraum (zweite Spalte) die Emissionen nicht mehr weiter wachsen und dann wieder abnehmen. Die dritte Spalte kennzeichnet den weiteren Verlauf durch Angabe der Veränderung der Emissionsrate bis 2050 gegenüber dem Jahr 2000. Die letzte Spalte nennt die Temperaturzunahme gegenüber dem vorindustriellen Wert, die sich später im Gleichgewichtszustand der Atmosphäre einstellen wird.

Aus der ersten Zeilen der Tabelle liest man ab, dass innerhalb der nächsten 10 - 15 Jahre die Emissionen ihren Höchstpunkt überschreiten und in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zurückgehen müssen, wenn die globale Temperaturzunahme 2° nicht nennenswert überschreiten soll.

Pfade zur Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung auf 2,0-2,4°C

In dieser Grafik liegen in der roten Fläche alle jene sechs untersuchten Pfade, welche zu einer langfristigen Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration derart führen, dass die globale Temperaturerhöhung 2,0 - 2,4°C nicht überschreitet. Man beachte dass langfristig die Emissonsrate sogar auf Null gehen muss (in einigen Szenarien wird der Atmosphäre schließlich sogar CO2 entnommen)!

Es stellt sich die Frage, welche Reduzierungen der Treibhausgasemissionen denn nun realisierbar sind. Je mehr man für die Reduktion der Treibhausgasemission auszugeben bereit ist, desto größer ist das Reduktionspotential. Die folgende kleine Tabelle fasst das Ergebnis zahlreicher Studien zusammen.


 

Kosten für den Vermeid von CO2-Emission
[ US$/tCO2-eq ]
Wirtschaftliches Reduktionspotential
[ GtCO2-eq /Jahr]
0
5 - 7
20
9 - 17
50
13 - 26
100
16 - 31

Globales Potential zur Reduzierung der
Kohlendioxyd-Emissionen (1930)

Basis für die Tabelle ist ein Szenario ("SRES B2") das im Jahr von 2000 auf 2030 einen Zuwachs um rund 10 Gt CO2-eq/Jahr auf 49 GtCO2-eq/Jahr zeigt. Das Reduktionspotential liegt also, je nach akzeptierten Kosten, bei 10 - 63%. Es erreicht  die Größenordnung dessen, was im fraglichen Zeitraum für eine langfristige Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung auf etwa 2° nötig erscheint. Eine solche Begrenzung ist also noch möglich.

Die makro-ökonomischen Auswirkungen der Reduktionsmaßnahmen für eine langfristige Begrenzung des globalen Temperaturanstieges auf 2 - 3° werden auf eine Verringerung des globalen Brutto-Sozialproduktes in 2030 um weniger als 3%  geschätzt, die Wachstumsrate des Brutto-Sozialproduktes sinkt um weniger als 0,12%. Die zum Nulltarif machbaren Emissionsreduktionen reichen nicht aus!

Vielfältig sind die Ansätze die Emission von Treibhausgasen zu verringern. Keine einzelne Maßnahme wird ausreichen, sondern vielfältige Maßnahmen auf allen relevanten Gebieten werden notwendig sein. Der IPCC-Report führt auf (Liste verkürzt!):

Energie-Versorgung
Wechsel von Kohle zu Gas, Atomkraft, Erneuerbare Energien, Kraft/Wärme-Kopplung, langfristige Speicherung des CO2)

Verkehr
Sparsamere Fahrzeuge, Hybrid-Antrieb, Bio-Treibstoffe, Wechsel von Straße zur Schiene, Wechsel vom Pkw zum öffentlichen Verkehr, Fahrrad und Fußweg

Gebäude
Sparsamere Beleuchtung, sparsamere Heizung/Kühlung, Bessere Isolierung, Nutzung der Sonnenenergie

Industrie
Sparsameres Elektroausrüstung, Wiedergewinnung von Wärme und Energie, bessere Kontrolle anderer Emissionen als CO2

Landwirtschaft
Besseres Landmanagement, besserer Reisanbau- und Rinderhaltungs-Methoden (CH4), Bessere Anwendung von Stickstoffdünger (N2O), Anbau von Energiepflanzen

Forstwirtschaft
Nachhaltige Forstwirtschaft, Reduzierte Abholzung, Nutzung von Forstprodukten zum Ersatz fossiler Energieträger

Abfallwirtschaft
Auffangen/Nutzen des Methans der Deponien; Müllverbrennung mit Energiegewinnung; Recykling und Abfall-Minimierung.

Wie aber lassen sich solche Maßnahmen umsetzen, wenn per se kein wirtschaftlicher Anreiz von ihnen ausgeht? Dann ist es in erster Linie Aufgabe der Staaten/der Staatengemeinschaft, durch Schaffen geeigneter Randbedingungen das langfristig Sinnvolle durchzusetzen. Zu den staatlichen Maßnahmen gehören:

Vorschriften und Standards
Steuern und Abgaben (Internalisierung der Kosten)
Handelbare Emissionsrechte
Subventionen, Steuererleichterungen
Freiwillige Vereinbarungen zwischen Staat und Industrie
Informationskampagnen
Förderung von Forschung und Entwicklung
Ermutigung von Bürgerinitiativen aller Art


Alle Instrumente können und müssen parallel eingesetzt werden. Als besonders wirkungsvoll gelten jene Maßnahmen, die einen Preis für die Treibhausgas-Emission definieren (Internalisierung der Kosten).

6.6  Warum sich der Mensch so schwer tut.

1. "Denn sie wissen nicht was sie tun" -
     Das Problem wird nicht verstanden.

"Denn sie wissen nicht was sie tun" - seit dem Fourth Assesment Report des IPCC  gilt diese Ausrede nicht mehr.  Die Menschen könnten es wissen.

Allerdings muss man zugeben:

Das Klimaproblem ist für Menschen ohne naturwissenschaftliche Denkschulung wirklich nicht einfach zu verstehen.

Schon die saubere Unterscheidung Wetter – Witterung – Klima fällt vielen schwer.

Die physikalischen und chemischen Grundlagen des Themas sind nur für wenige Menschen verständlich (allgemein genießt ja  technisch-wissenschaftliches Wissen geringe Wertschätzung).

Der Mensch ist unfähig - und unwillig! -  in komplexen nichtlinearen Netzwerken zu denken. Erst seit wenigen Jahren kann man das Problem mithilfe physikalisch-mathematischer Modellierung überhaupt behandeln.

Der Mensch ist stattdessen geneigt in simplen Ursache-Wirkung-Relationen zu denken. Die eine wahre Ursache gibt es beim Thema Klimaveränderungen nicht. Dementsprechend muss auch jeder Lösungsansatz vielfältig sein.

2.  "Das Hemd ist näher als der Rock" –
     Es gibt wahre und empfundene Zwänge

Not kennt kein Gebot: Das erste Ziel eines jeden Lebewesens muss es sein, seine eigene Existenz zu sichern und die seiner Nachkommen. Eine persönliche Notlage ist immer mächtiger als die Rücksichtnahme auf das allgemeine Wohl.

Wenn ein Amazonas-Indianer ein Stück Wald brandrodet um sich und seine Familie ernähren zu können, dann kann man ihm daraus keinen Vorwurf machen.

Wenn ein großer Konzern Urwald rodet um den Holzhunger der hochzivilisierten Welt zu stillen oder um Erdölförderung zu ermöglichen, dann werden sich die "Entscheidungsmacher" in einem wirtschaftlichen Zwang sehen – sie müssen das Wohlergehen der Firma, ihrer Anteilseigner, ja letztlich auch die Arbeitsplätze sichern (einschließlich ihres eigenen).

Wenn die Regierungen aufstrebender Länder wie China sich Einschränkungen ihrer wirtschaftlichen Aktivität widersetzen, so sind sie dazu geradezu verpflichtet: Sie können eine dauernde Nachteil ihrer Bürger gegenüber den etablierten reichen Staaten nicht hinnehmen.

3.   "Das Problem sitzt zwischen den Ohren" –
      Ungewohntes Denken fällt schwer.

Über viele Generationen entwickelte (weil im Überlebenskampf bewährte!) Denkstrukturen  helfen jetzt nicht weiter:

Der Mensch denkt in der Regel nicht über sich selbst und seine Kinder hinaus, bestenfalls sieht er noch seine Enkel. Klimaveränderungen dagegen betreffen viele Generationen über viele Jahrhunderte hin.

Ein deutlich spürbarer Vorteil (kann auch Vermeidung eines Nachteils sein, z.B. von Kosten!) für den Einzelnen selbst fällt stets stärker ins Gewicht als ein "unmerklich kleiner" Nachteil für die anderen  ("die Tragik der Almende").

Gewohntes und Bewährtes weiterzuführen macht vielfach Sinn, aber nicht immer. Beim Problem "Klimaveränderungen" sind neuartige Lösungsansätze gefragt, technische wie kulturelle.

Liebgewordene Gewohnheiten und Besitzstände gibt man höchst ungern wieder auf. Einschränkung und Verzicht sind stets unwillkommen.

Der Mensch besitzt nur eine beschränkte Aufmerksamkeitsspanne. In den Medien wird alle paar Tage "eine neue Sau durchs Dorf getrieben". Der Kampf gegen die Klimaveränderungen aber erfordert eine Anstrengung über Generationen hin.

Übertreibung soll den Eindruck verstärken. In einer Medienlandschaft, in der Trivialereignisse als Sensation aufgemacht werden, hinterlassen aber Vokabeln wie "Klimakatastrophe" beim Publikum keinen besonderen und bleibenden  Eindruck. Aus gutem Grund gebrauchen Wissenschaftler solche Vokabeln auch nicht, sie schaden der Seriosität der Sache, der Glaubwürdigkeit der Aussagen.

"Es wird schon nicht so schlimm werden" ist vielfach ein zwar billiger, erfahrungsgemäß aber doch oft ein zutreffender Trost.  Da bei den drohenden Klimaveränderungen die größten Verursacher am wenigsten betroffen sein werden, ist die Versuchung zu dieser Haltung in den fraglichen Ländern  groß. Sie artikuliert sich in den vorgeschobenen Zweifeln an der Verlässlichkeit wissenschaftlicher Prognosen, wie man sie gerade in den USA noch vielfach aus unberufenem Mund hört.

Unangenehme Aufgaben geht der Mensch aus dem Weg, überlässt sie anderen. Vielfach ist die Neigung zu beobachten, eine globale Klimaerhöhung um 2° als ohne größere Probleme hinnehmbar zu erklären – man redet sich die Lage schön um nicht handeln zu müssen (dabei erfordern schon die 2° große Anstrengungen!).

4. "Nach mir die Sintflut! "-
    Zu welchem Verhalten werden wir erzogen (oder auch nicht)?

Wirtschaft und Politik der modernen Industriegesellschaften geben ein grenzenloses quantitatives Wachstum als für das Wohlergehen der Gemeinschaft geradezu unverzichtbar aus;  dazu gehört ein zum hemmungslosen Konsum motivierter (um nicht zu sagen "erzogener") Verbraucher. Übermäßige Ressourcennutzung ist zwangsweise die Folge.

Hemmungsloser Egoismus wird selten offen ausgesprochen, ist aber sicher vielfach die Grundhaltung ( Schön, dass es bei uns wärmer wird! Was juckt mich dass sich in Afrika die Wüsten ausbreiten?!"). Ist das unser "Zeitgeist"?

Tugenden wie Sauberkeit, Ordnungssinn, Gemeinschaftssinn,  Verantwortungsbewusstsein sind aus der Mode gekommen.  Eltern,  Schulen und Medien sind hier in der Pflicht. Mangelnde Rücksicht auf die Gemeinschaft, speziell auch auf die zukünftigen Generationen muss als schwerer Charaktermangel verstanden werden.

Die Entscheidungsmacher in Politik und Wirtschaft müssten wenig populäre Entscheidungen treffen und gegen Widerstand durchsetzen. Dazu gehört auch Mut - der Mut, seine eigene Existenz an der Spitze aufs Spiel zu setzen.

Der Einzelne (auf allen Ebenen) wird sich oft machtlos fühlen. Das kann zum resignierten  "Es hat ja doch keinen Zweck"  führen, Solidarisierung hingegen wäre der konstruktive Weg.  Auch dies muss man lernen.

5 "Geht hin und mehret euch!" –
     Das Problem der großen Zahl

Das Problem "Klimaveränderungen" wie allgemein die übermäßige Nutzung natürlicher Ressourcen wären für lange Zeit kein Thema, wenn es nur ein paar hundert Millionen Menschen auf dieser Erde gäbe, was für die Aufrechterhaltung der menschlichen Kultur wohl ausreichen könnte.

Die Menschheit aber wird – wenn wir staatliche Zwangsmaßnahmen und einen weltweiten katastrophalen Zusammenbruch der Zivilisation hoffnungsvoll ausschließen – wohl erst dann nicht weiter wachsen
· wenn Kinder nicht mehr als Versorgungsgarantie für das Alter gelten und
· wenn  Frauen  in allen Gesellschaften eine gleichberechtigte Rolle spielen.
Diese Bedingungen werden nach den bisherigen Erfahrungen am ehesten in reichen Gesellschaften erfüllt. Weltweites Wirtschaftswachstum ist in diesem Sinne erstrebenswert – verschärft aber andererseits die Probleme!

6  "Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!" –
    Reicht der gute Wille?

Wir können nicht ausschließen, dass der Mensch die anstehenden Probleme versteht und im Prinzip auch die Lösungswege kennt, sie hoffnungsvoll und energisch angeht, sie aber trotz seines guten Willens im notwenigen Zeitrahmen nicht realisieren kann.

Von der Verpflichtung zu größtmöglicher Anstrengung befreit solch Zweifel nicht.