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8. Die Weiterentwicklung des Menschen
Paradies voraus
(Montage: H.G. Klug - Homage an Theodore Gericault )
8.0 Vorbemerkung
In den wissenschaftlichen Kapiteln 1 bis 6 ging es primär um beweisbare Fakten – es ging darum wie die Welt ist. Wo unser Bild von der Welt noch unscharf ist, wurde darauf hin gewiesen. In Kapitel 7 haben wir neue Technologien und ihre denkbaren Anwendung besprochen, also darüber wie die Welt sein kann. In diesem Kapitel 8 stehen wir vor einer neuen Situation: wir wollen darüber sprechen wie die Welt sein wird. Hier kommt natürlich viel subjektive Meinung ins Spiel. Da Zeitreisen in die Zukunft mit Rückkehr in die Gegenwart heute unmöglich sind (und vielleicht aus logischen Gründen immer unmöglich bleiben werden), zeichnen wir ein Bild aus unserer Vorstellung. Dieses Bild sollte nicht irgend ein Phantasiegebilde sein, sondern es sollte eine mögliche Szenerie zeigen. Dass eines Tages das Bild in seinen Einzelheiten durch die Wirklichkeit bestätigt wird, ist freilich unwahrscheinlich, dafür ist das System Mensch/Gesellschaft/Umwelt viel zu kompliziert.
Wir behandeln daher die Thematik in vier Abschnitten:
8.1 Biologische Evolution
8.1.1 Hat der Mensch seine größte Verbreitung bereits erreicht?
8.1.2 Wie lange kann die Art "Homo sapiens" existieren?
8.1.3 Wie funktioniert die biologische Evolution?
8.1.4 Wenn auch langsam – wohin geht die biologische Evolution?
8.1.5 Kann der Mensch selbst seine biologische Evolution bestimmen?
8.1.6 Kann der Mensch seine Evolution beschleunigen?8.2. Zukunftsforschung
8.2.1 Methodik
8.2.2 Beispiele für Szenarios8.3. Ausgewählte Szenarios
8.3.1 Szenario M+R 1 "Wir sitzen alle einem Boot"
8.3.2 Szenario M+R 2 "Geld regiert die Welt"8.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
8.1 Biologische Evolution
8.1.1 Hat der Mensch seine größte Verbreitung bereits erreicht?Die Antwort ist eindeutig: Nein – aber bald.
Um Christi Geburt zählte die Weltbevölkerung 250 – 300 Millionen Menschen. Sie wuchs lange nur sehr langsam, ab 1500 deutlicher, überschritt kurz nach 1800 die Milliardengrenze. Aus 2,5 Milliarden in 1950 wurden 6,5 Milliarden in 2005, seit der Geburt der Autoren hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht! Diese Fortpflanzungsdynamik der Weltbevölkerung ist innerhalb weniger Jahrzehnte nicht zu stoppen (es sei denn durch katastrophale Ereignisse). Gerade in den fortpflanzungsfreudigen Entwicklungsländern, zumal in Afrika, ist die Bevölkerung sehr jung. Nach einer Untersuchung der UN wird die Weltbevölkerung bis 2050 noch auf 9 Milliarden Menschen wachsen (mittlere Variante - abnehmende Geburtenrate); bei konstanter Geburtenrate wären es 11,8 Milliarden. Der Zuwachs wird ganz überwiegend in den Schwellen- und Entwicklungsländern erfolgen. Die Mehrzahl der Menschen wird in großen Städten leben.
Weltbevölkerung – Prognose der UN 2006Wenn die Fruchtbarkeit auf dem heutigen Niveau bleibt, würde die Weltbevölkerung von heute 6,5 Milliarden auf rund 200 Milliarden im Jahr 2250 anschwellen – das ist absurd.
Dass die Erde auch nur die gegenwärtigen 6,5 Milliarden auf Dauer tragen kann, wird überwiegend bezweifelt. Die Schätzungen für die nachhaltige Tragfähigkeit der Erde liegen in Größenordnung 2 – 4 Milliarden. Die Stabilisierung und Rückführung der Weltbevölkerung wird also eine der vorrangigen Zukunftsaufgaben sein – das Problem spielt heute im öffentlichen Bewusstsein leider noch keine tragende Rolle.
Die Lösung des Problem wird dadurch erschwert, dass bei konsequenter Geburteneinschränkung (siehe China ) oder bei niedriger Geburtenrate zur erhofften Sicherung eines hohen Lebensstandards ( siehe westliche Industrienationen, insbesondere Deutschland) dank des medizinischen Fortschritts eine Überalterung der Bevölkerung stattfindet. Junge Menschen werden in einem solchen Falle eine immer kleiner werdende Bevölkerungsgruppe. Um die Lasten besser zu verteilen, muss mit der höheren Lebenserwartung eine längere Lebensarbeitszeit einher gehen.
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Bevölkerungspyramide Indien 1997
(US Census Bureau, International Data BaseDie indische Bevölkerungspyramide von 1997 zeigt die für schnell wachsende Bevölkerungen typische Form: eine sehr breite Basis junger Menschen. Diese Situation besteht in den meisten Entwicklungsländern.
Ganz anders die "Pyramide" eines Landes mit schrumpfender Bevölkerung:
Bevölkerungs“pyramide" Deutschland 2036
(Statistisches Bundesamt)
Möchten Sie sehen wie die Weltbevölkerung Sekunde um Sekunde zunimmt?
Dann klicken Sie auf diesen Link:
8.1.2 Wie lange kann die Art "Homo sapiens" existieren?
"Der letzte seiner Art"
(Montage Heinz G. Klug)Tierarten sagt man eine Lebensdauer von 1-11 Mio Jahren nach, 2 Mio Jahre gelten als typisch für Säugetiere. Der Mensch scheint sich etwas schneller zu entwickeln: Die diversen Vor- und Frühmenschenarten (vgl. Mensch und Realität Kapitel 1) hatten eine Lebensdauer von rund 0,5 Mio Jahren. Homo sapiens existiert seit rund 200 000 Jahren; es bleiben bei einer rein biologischen Betrachtung also noch ein paar hundert tausend Jahre übrig.
Nach der "kopernikanischen Wahrscheinlichkeitsbetrachtung" von J. Richard Gott beträgt die Wahrscheinlichkeit 50%, dass der Mensch wenigstens noch 70 000, aber weniger als 600 000 Jahre existiert. 80% ist die Wahrscheinlichkeit dass der Mensch noch zwischen rund 20 000 und rund 2 Mio Jahren existiert.
Nach dem kopernikanischen Prinzip ist der Standpunkt des Beobachters in Raum und Zeit durch nichts ausgezeichnet. Die Wahrscheinlichkeit beträgt daher 80% dass der gegenwärtige Mensch sich im inneren 80%-Bereich der Gesamt-Existenzdauer des Homo sapiens befindet. Ist er zufällig am Beginn der 80%-Periode, dann bleibt noch das 9-fache der Vergangenheit von 200 000 Jahren als Zukunft übrig. Ist er zufällig am Ende der 80%-Periode, dann bleibt noch 1/9 der Vergangenheit für die weitere Zukunft des Homo sapiens übrig. Die Wahrscheinlichkeit beträgt daher 80%, dass der Art Homo sapiens noch zwischen rund 22 000 und 1,8 Mio Jahre verbleiben.
Das kopernikanische Argument nach J. Richard Gott
Man kann argumentieren dass die Menschheit aufgrund ihrer schöpferischen Intelligenz das Potential hat, aktiv ihre Lebensdauer als Art zu verlängern und ihren Lebensraum in fernerer Zukunft auf die Meere und oder auf andere Planeten auszudehnen. Wird das aber dann wirklich noch die selbe Art (im biologischen Sinne) sein?
Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen dass der Mensch als erste Art die Macht besitzt sich in kürzester Zeit selbst auszulöschen.
8.1.3 Wie funktioniert die biologische Evolution?Untrennbar mit dem Namen von Charles Darwin verbunden ist das heute in seinen Grundzügen nahezu einstimmig akzeptierte Modell der Evolution: Kleine zufällige Änderungen im Erbgut, ausgelöst z.B. durch kosmische Strahlung, sind zumeist ungünstig ("Fehler"), die Träger dieser Gene haben im Wettbewerb um Überleben und Fortpflanzung Nachteile. Ist eine Änderung unter den gegebenen Umweltbedingungen aber günstig, ist ihr Träger im Vorteil, seine Nachkommen werden das günstige Erbgut ausbreiten.
Die Taktzeit dieses Prozesses ist offensichtlich die Generationsfolge. Dramatische Änderungen der Umwelt können den Prozess in dem Sinne beschleunigen, als benachteiligte Arten schnell aussterben können.
Kleine Änderungen, lange Taktzeiten – Veränderungen werden in der Regel sich nur langsam durchsetzen. Bei der biologischen Evolution geht es um Tausende bis Hunderttausende von Jahren. Wir können nicht erwarten im Zeitlauf des kommenden Jahrhunderts signifikante natürliche Änderungen bei der Art Mensch zu sehen .
Biologische Evolution im Sinne Darwins wird in der überschaubaren Zukunft völlig zurücktreten hinter vom Menschen selbst gemachten Veränderungen. Hier gelten andere Taktzeiten – und sie werden immer kürzer! Von den 200 000 Jahren seiner Existenz war Homo sapiens 190 000 Jahre Sammler und Jäger, seit 10 000 Jahren ist er Ackerbauer und Viehzüchter, seit 200 Jahren wendet er Maschinen in großem Maßstab an, seit 20 Jahren prägt die Computertechnik den Alltag des Menschen. Warum sollte der Prozess plötzlich stoppen?
8.1.4 Wenn auch langsam – wohin geht die biologische Evolution?Nehmen wir zunächst an, dass der Mensch in die biologische Evolution nicht eingreifen wird, sei es, weil er es technisch nicht kann, sei es, weil religiöse/weltanschauliche Prinzipien ihn daran hindern.
Funktioniert beim Menschen die biologische Evolution überhaupt noch?
Das Überleben und der Reproduktionserfolg eines Individuums der Art Homo sapiens hingen 200 000 Jahre ab von den Merkmalen:
- körperliche Stärke, Ausdauer, Geschicklichkeit
- funktionierendes Immunsystem
- mentale Stärke
- soziale Kompetenz
- Intelligenz
Teile dieser Randbedingungen werden in unserer heutigen Zivilisation zunehmend außer Kraft gesetzt. Z. B. werden durch gute medizinische Versorgung auch geistig/ körperlich beeinträchtigte Menschen am Leben erhalten. Deren Leben kann dabei - individuell gesehen - durchaus lebenswert und für die Gesellschaft auch wertvoll sein.
Der Genpool wird verschlechtert durch:
- Medizin erlaubt vielen genetisch mangelhaften Individuen das Überleben und die Reproduktion.
- Mutationen nehmen zu durch Vergiftung der Umwelt, sind in der Regel ungünstig, können aber unter den neuen Bedingungen überleben
- Wenn ein Zusammenhang zwischen Ausstattung mit Intelligenz und sozialem Status besteht (von manchen bestritten): Gebildete vermehren sich schwächer als Bildungsferne. Jedenfalls gilt: In den meisten Gesellschaften vermehren sich weniger Erfolgreiche stärker als die Erfolgreichen.
Der Genpool wird verbessert durch:
- Künstliche Befruchtung – als Samenspender kommen nur gesunde/ erbgesunde Männer in Frage;
- Die Empfängerinnen (ebenfalls gesund) wählen auch nach Kriterien Intelligenz, Gesundheit, erreichte gesellschaftliche Position etc. aus, bzw. müssen diese auch selbst erfüllen.
Es gibt aber auch neue Umwelteinflüsse die eine Auswahl der Bestangepassten im Darwinschen Sinne auslösen können:
- Allergie- und krebsauslösende Chemikalien (Wirkung im Zusammenspiel unklar!)
- Hautkrebs auslösende Strahlung z. B. in Solarstudios
- Gesundheitsschädigende Einwirkung elektromagnetischer Felder (umstritten)
- Eventuelle radioaktive Strahlung in der Umgebung von Atomkraftwerken oder verstrahlten Gebieten.
- Schädigung durch neue Rauschmittel/Drogen
- Schädigung durch allgemeine Hektik/Stress/Sinnmangel
Sehr viel schneller als grundlegende Körperfunktionen können sich gewisse äußere Rassenmerkmale verändern. Es ist leicht vorstellbar dass die weltweite Durchmischung der Menschenrassen die Verbreitung von Haut- und Haarfarben verändert.
8.1.5 Kann der Mensch selbst seine biologische Evolution bestimmen?Es erscheint vorstellbar, dass der Mensch in absehbarer Zukunft in größeren Maße verändernd in das menschliche Erbgut eingreifen kann (z. B. mit modifizierten Stammzellen) und dass dies mit geringem Risiko erfolgen kann. Die Maßnahmen können sein:
- reparierend, d.h. Fehler werden ausgeglichen, aus welchen Gründen auch immer sie aufgetreten sein mögen; damit wird individuelles Leiden gelindert oder zukünftiges vermieden;
- anpassend, d.h. unter heutigen Lebensumständen wünschenswerte Eigenschaften werden erzeugt (vergleiche in der Pflanzenzucht die Schaffung krankheitsresistenter Sorten!)
- gestaltend, d.h. nach heutigem Maßstab akzeptable Eigenschaften werden durch noch bessere ersetzt. Dazu können neben echten körperlichen Leistungsmerkmalen (Supersportler) auch kosmetische Merkmale (Kahlköpfigkeit, O-Beine, Hakennasen ...... ?!) oder auch verbesserte Charakter- Eigenschaften, wie z.B. Leistungsbereitschaft, Kreativität, Motivation, Sozialverhalten etc. gehören.
8.1.6 Kann der Mensch seine Evolution beschleunigen?Naturwissenschaften und Technik können dem Menschen neue Fähigkeiten geben. Die Zykluszeiten sind um viele Zehnerpotenzen kürzer als in der rein biologischen Evolution (biologische Art: 2Mio Jahre; technologisches Niveau: 20bis 100 Jahre)
- Neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse können zu nutzbringendem Eingriff in das menschliche Gehirn führen.
- Das Zusammenwirken des biologischen Gehirns mit technischen Elementen eröffnet neue Möglichkeiten.
- Die Entwicklung kann von der heutigen Intelligenzverstärkung zum Cyborg führen, dem gleichermaßen aus biologischen wie technischen Elementen zusammengesetzten "Menschen".
Für solche technologischen Entwicklungen gelten die typischen Zykluszeiten der biologischen Evolution nicht. Wir reden von Jahrzehnten bis Jahrhunderten, nicht Jahrmillionen. Damit betreten wir das Arbeitsgebiet der Zukunftsforschung.
8. 2 Zukunftsforschung
Von der Zeitachse aus gesehen, beginnt Zukunft immer da, wo man sich gerade befindet. Denkt man nur daran, was im nächsten Moment (Sekunden, Minuten, Stunden weiter gedacht) passieren kann, ist man sich seiner Vorausschau noch relativ sicher. Schaut man jedoch auf das, was in den nächsten Tagen, gar Monaten oder Jahren geschehen könnte, zieht immer dichterer Nebel auf und verdeckt die Sicht. Man möchte sich wenigstens planerisch orientieren und schreibt sich entsprechende Vorhaben in einen Terminkalender. Viele möchten mehr wissen: Wahrsagerei und Horoskope haben auch in unserer ach so aufgeklärten Zeit Konjunktur.
Im öffentlichen Bereich und in der Wirtschaft gibt es spezielle Forschungsinstitute und Firmen, die sich unter vom Auftraggeber vorgegebenen Rahmenbedingungen mit der Zusammenstellung zukünftiger Entwicklungen befassen. All das gibt den Menschen planerisch Sicherheit, er kann seine Möglichkeiten für zukünftige Entwicklungen besser einschätzen und sein Handeln daran ausrichten. Und dennoch: Planung lebt davon, geändert zu werden, sei es durch unvorhersehbare Ereignisse, weil die unmittelbare Realität sich geändert hat oder auch durch Änderung der vorher gewählten Rahmenbedingungen.
Ob "Zukunftsforschung" eine wissenschaftliche Disziplin sei, darüber kann man sehr geteilter Meinung sein. Ernsthafte Zukunftsforschung bemüht sich jedoch gewisse Merkmale wissenschaftlicher Arbeit beizubehalten (Klare Prämissen, nachvollziehbare Methodik, saubere Dokumentation,.....). Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass eine Aussage über die Zukunft bestenfalls plausibel gemacht, niemals im strengen Sinne bewiesen werden kann.
Es gibt eine Anzahl methodischer Ansätze zur Zukunftsforschung (viel mehr als hier aufgezählt), doch immer ist der Ausgangspunkt der heutige Zustand und die in jüngerer Zeit beobachtete Veränderung dieses Zustandes, der Trend (vorzugsweise sollte er ein quantifizierbares Merkmal beschreiben) . "Naive Prognose" extrapoliert diesen Trend linear oder in zweiter Ordnung.
Megatrends
Zu den für das zukünftige Schicksal der Menschheit entscheidenden Trends gehören die in Kapitel 6 diskutierten Klimaveränderungen – zuvorderst die nicht zu stoppende Aufheizung der Atmosphäre mit allen Folgen - und das im Abschnitt 8.1.1 kurz dargestellte unvermeidbare weitere Anwachsen der Weltbevölkerung. Aus heutiger Sicht gibt es keine Möglichkeit diese Trends innerhalb von Jahrzehnten umzukehren. Ein paar weitere, mit hoher Sicherheit vorhersagbare Trends sind:
Die wirtschaftliche Aktivität der Weltbevölkerung wird weiter wachsen (ausgedrückt im folgenden Bild durch das GNP = Gross National Product). Hier sind keine Naturgesetze am Werk (abgesehen vom Anwachsen der Weltbevölkerung), sondern die Mechanismen unserer Gesellschaft und der Weltwirtschaft. Individuen wollen ihre wirtschaftliche Lage verbessern. Unternehmen, Organisationen und Regierungen sehen Wachstum als ein erstrebenswertes Ziel an. 4% mittleres Wachstum der Weltwirtschaft bis 2030 wird von der US Energy Information Administration vorhergesagt, der IMF bekräftigt 4,5% in den nächsten Jahren.
Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes
(National Intelligence Council 2000: Global Trends 2015)Ein wesentlicher Faktor aus weltwirtschaftlicher Sicht, aber auch im Bereich der nationalen Volkswirtschaften, ist die Tatsache der Ungleichheit in der Verteilung der erwirtschafteten Güter innerhalb der Bevölkerung. Selbst in den reichen westlichen Industrienationen ist am unteren Ende der Gesellschaft ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung zu finden der unter die Armutsgrenze fällt und somit nahezu kein Vermögen besitzt.
Siehe hierzu die folgende Grafik für Deutschland:
Individuelles Netto-Vermögen in Deutschland 2002
(nach DIW Berlin 2007)Die vorstehende Grafik zeigt auf, dass 60% des gesamten Vermögens der Deutschen Bevölkerung in den Händen eines Bevölkerungsanteils von 10% liegt. Die dieser Aussage zugrundeliegende aktuelle Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) von 2007 verdeutlicht, dass selbst in dem als reiche Industrienation geltenden Deutschland eine enorme Ungleichverteilung des Vermögens besteht. Wobei sich der Begriff Vermögen aus den Anteilen Immobilienbesitz, Geldvermögen, Sachvermögen, Betriebsvermögen und private Versicherung zusammensetzt. Als negatives Vermögen sind somit Schulden anzusehen. Wir erkennen, dass ein großer Anteil von immerhin 30% der Bevölkerung kein Vermögen oder ( 10%) davon sogar Schulden haben.
Verteilung des Weltvermögens
(WIDER Helsinki 2006)Aus der von der UN beauftragten Studie des World Institute for Development Economics Research (WIDER) in Helsinki von 2006, die auf der Datenbasis Jahr 2000 beruht und die Verteilung von Einkommen und Vermögen für ca. 94% der Weltbevölkerung ermittelte, ergibt sich, dass den oberen 10% der Weltbevölkerung ca. gut 85% des Weltvermögens gehören. Will man zu den Reichen der Welt gehören (ca. 37 Mio. Menschen), muss man mindestens ein Vermögen von 500 000 US$ besitzen. Arm ist, wer sich zu den 50% der Weltbevölkerung zählen muss, die sich sage und schreibe 1% des Weltvermögens teilen.
Je ein Drittel des Weltvermögens gehören Amerikanern und Europäern.Die hier vorgestellten Beispiele zeigen auf, wie krass die Unterschiede der Vermögensverteilung weltweit zu sehen sind. Selbst in Deutschland sind ca. 30% der Bevölkerung ohne jegliches Vermögen, ja zum Teil verschuldet.
Der Verbrauch an Primärenergie wird weiter steigen.
Wirtschaftsleistung, Verkehr und Konsum werden schneller wachsen als technische Fortschritte zu besserer Energieeffizienz. Fossile Energieträger werden noch für Jahrzehnte die Hauptlast tragen – mit entsprechenden CO2-Emissionen.
Energieverbrauch –Die Energiequellen
US Energy Information Administration –
"World Energy and Econ. Outlook 2006"Nach der Prognose der US Administration gilt: Der Anstieg erneuerbarer Energien, kann mit dem wachsenden Energiebedarf nicht schritthalten und fällt im prozentualen Anteil am Gesamtverbrauch zurück oder bleibt bestenfalls konstant. Die Konsequenz wäre eine stete Zunahme der CO2-Emissionen und damit eine Verstärkung der Klimaveränderungen. Optimistischere Prognosen (oder Visionen?) setzen auf eine dramatische Verbesserung der Energieeffizienz und einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Der Wasserverbrauch wird weiter steigen. 75% des Wasserverbrauch dient der Bewässerung in der Landwirtschaft, 20% der Industrie, 5% wird in den Haushalten verbraucht. Mehr Menschen wollen mehr konsumieren, in besseren hygienischen Verhältnissen leben, werden überproportional mehr produzieren. Wasserverknappung wird regional ein überaus kritisches Problem werden.
Wasserverbrauch
(UNESCO – "World Water Resources and their Use" 1999)Gründe für die Wasserverknappung sind in erster Linie:
- Die weltweite Klimaveränderung und damit
- Lokal lange Trockenheitsperioden
- Übernutzung der Grundwasservorräte
- Versalzung der Böden
Neue Entwicklungen
Sind neue Entwicklungen auf wissenschaftlich-technischem, politischem, gesellschaftlichem Gebiet für den Experten schon erkennbar, ohne sich im beobachtbaren Trend bereits auszudrücken, dann kann die systematische Befragung von Experten bessere Ergebnisse liefern. Hierzu gibt es formalisierte Prozeduren wie die "Delphi- Methode". Die Delphi- Methode ist ein mehrstufiges Umfrageverfahren im Expertenbereich, das mit mehrfacher Ergebnisrückkopplung zukünftige Trends abbildet.
Da Entwicklungen sich gegenseitig beeinflussen, ist eine "Cross-Impact-Analysis" zur Absicherung von Ergebnissen nötig. Diese Methode stellt eine Art Wechselwirkungsanalyse dar, die Beziehungen zwischen verschiedenen zukünftigen Einflussgrößen und Ereignissen beschreibt und deren gesamte Auswirkung aufklärt.
Simulationen, Modelle
Ähnlich funktioniert auch die Simulation, die ihrerseits konkrete Forschungsgebiete als mathematische Modelle der vergangen und gegenwärtigen Realität abbildet, um ebenfalls zukünftige Entwicklungstrends vorher zu sagen.
Soweit es sich bei der Betrachtung um quantifizierbare Größen handelt, sind sie einer rechnerischen Simulation zugänglich. Diese erlaubt es, nichtlineare Zusammenhänge, Vernetzungen und Rückkopplungen zu beschreiben die dem menschlichen Gehirn nicht unmittelbar zugänglich sind.
- Komplizierte Rechenmodelle, wie z. B. die Klimasimulationen im Deutschen Klimarechenzentrum DKRZ in Hamburg, erlauben die Vorhersage der Entwicklungen des Weltklimas.
- Ein Versuch die menschliche Gesellschaft insgesamt darzustellen ist Forrester's "Weltmodell" für den Club of Rome ("Grenzen des Wachstums").
Weltmodell nach ForresterSolche Simulationen können durchaus auch einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft vorhersagen (und tun dies auch unter vielen Randbedingungen!), abweichend von den mit schlichteren Methoden vorhergesagten ungebrochenen Wachstumstrends.
"Unvorhersehbare" Ereignisse
Hin und wieder treten Ereignisse auf, die entweder überhaupt nicht vorhergesehen wurden oder als extrem unwahrscheinlich galten. In der Zukunftsforschung werden sie auch als "Wild card" bezeichnet (der Zerfall der Sowjetunion war ein solches Ereignis). Ihre Möglichkeit sollte man im Auge behalten.
Szenario-Technik
Eine komplexe Zusammenführung quantitativer und qualitativer Veränderungen erlaubt die Szenario-Technik. Ein Szenario ist die in sich konsistente Beschreibung einer möglichen Zukunft. Die Beschreibungsparameter werden nach ihrer Relevanz für die aktuelle Fragestellung ausgewählt, ihr gegenseitiger Einfluss berücksichtigt.
Die eine einzige Geschichte der Vergangenheit spaltet sich in der Gegenwart zu einem Bündel möglicher Geschichten auf, die man sich trichterförmig um die als wahrscheinlich angesehene Fortsetzung der Vergangenheit herum liegend vorstellen kann. Mit fortschreitender Zukunft entfernen sich die möglichen Geschichten immer weiter von einander. Es werden immer mehrere mögliche Geschichten – "Szenarios" - ausgewählt, die sich deutlich unterscheiden müssen. Sie werden ausgearbeitet, interpretiert und verglichen.
Szenario - TrichterDie Ausarbeitung von Szenarios erfordert einen nicht unerheblichen Aufwand. Bekannt für ihre sorgfältig ausgeführten Szenarios ist die Firma SHELL.
Szenarios werden traditionell mit kurzen griffigen Namen versehen.
Szenarios der Kontinuität
Szenarios sollen in der Regel mögliche Entwicklungen auf ganz bestimmten Gebieten darstellen und damit den "Entscheidungsmachern" in Wirtschaft und Politik Risiken und Handlungsalternativen aufzeigen.
Im Internet finden sich viele interessante Beispiele für Szenarios, die kontinuierliche Entwicklungen vom aktuellen Stand in die Zukunft beschreiben. Nur beispielhaft seien hier einige genannt – man beachte die teilweise sehr ausdrucksvollen Namen der Szenarios (Quellen siehe Literaturverzeichnis):
- Shell hat 1995 die Frage des zukünftigen Geschäftsklimas und des Verhältnisses zwischen Wirtschaft und Regierung untersucht ("Global Scenarios 1995-2020" - Szenarien "Just do it!" und "Da wo (Big Me)")
- Die US Department of Defense hat 1995 zukünftige Konfliktszenarios analysiert um daraus Anforderungen an die US Airforce abzuleiten ("Airforce 2025" - Szenarios "Gullivers Mühen", "Zaibatsu", "Digital Cacophony", "King Khan", "Rich and Poor".)
- 2005 hat Shell mögliche Pfade zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft betrachtet ("Energy Needs, Choices and Possibilities" - Szenarios "Dynamics as Usual" und "The Spirit of the Coming Age")
- 2004 hat der US National Intelligence Council mögliche Entwicklungen der Weltpolitik gegenübergestellt und die jeweilige Rolle der USA betrachtet ("Mapping the Global Future" - Szenarios "Davos World", "Pax Americana", "New Caliphate", "Cycle of Fear").
Insbesondere die letztgenannten US-amerikanischen Szenarios sind mit hohem Aufwand, unter Einbeziehung zahlreicher internationaler Experten, erarbeitet worden.
Wir selbst werden im nächsten Kapitel zwei eigene Szenarios beschreiben. Sie sind nicht mehr als der Versuch der beiden Autoren, die in früheren Kapiteln von Mensch und Realität, insbesondere in Kapitel 7, dargestellte Fakten und Entwicklungen in einem konsistenten Zusammenhang darzustellen. Die Beschreibung ist rein qualitativ. Diese beiden Szenarien sind:
M+R 1 "Wir sitzen alle in einem Boot"
Verantwortungsbewusstsein und überkommene Werte und Normen prägen die Entwicklung.M+R 2 "Geld regiert die Welt"
Die Dominanz ökonomischer Kräfte setzt eine stürmische Entwicklung in Gang und führt zu einer Umgestaltung der ganzen Gesellschaft.Im Vordergrund unserer Szenarien stehen Entwicklungen die direkt oder indirekt mit der Nutzung des menschlichen Gehirns (kognitive, emotionale, soziale Intelligenz) zu tun haben.
Wild-Card-Szenarios
Hier mögen zwei Beispiele genügen:
Wild card: Die Singularität steht bevor!
Unter stark fortschrittsorientierten Denkern – den visionären "Extropianern" und "Transhumanisten" - ist die Vorstellung verbreitet dass die menschliche Gesellschaft auf eine "Singularität" zuläuft. Der Begriff wurde von dem Mathematiker Vernon Vinge eingeführt. Die exponentielle Zunahme der Rechenleistung nach dem "Moore'schen" Gesetz ist der eigentliche Motor des Vorgangs. Der erwartete Fortschritt der Nanotechnologie (hin zu Monteuren und Rechnern im Nanobereich) und bisweilen auch die Gentechnik werden als zusätzliche Faktoren genannt. Irgendwann zwischen 2030 und 2050 wird in diesem Szenario echte Künstliche Intelligenz (gleichwertig dem menschlichen Gehirn) erreicht und kurz danach überschritten. Danach ist alles anders als vorher, und alles geht dann ganz schnell!Das Wild card – Szenario "Singularität" ist Hintergrund der Erzählung "Machtübergabe".
Wild card: "Der Himmel fällt herunter"
Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes
(Gemälde Michelangelo Buonarotti, Sixtinische Kapelle.
Montage Heinz G. Klug)
Mechanismen für den Untergang der Menschheit sind viele denkbar. Man muss gar nicht einen Meteoriteneinschlag bemühen (wie er z. B. vor 65 Millionen Jahren, ca. 80% des Lebens auf der Erde auslöschte), riesige weltweite Erdbeben mit starken Vulkanausbrüchen oder überstarke Solaraktivitäten mit verheerenden Klimafolgen. Neue unkontrollierbare Krankheitskeime ("Super-Pandemie") können auf natürliche Weise entstehen, oder sie können in Waffenlabors gezüchtet werden und entkommen; ein anfänglich lokaler Krieg kann bis zum Einsatz des gesamten angehäuften Arsenals an Massenvernichtungswaffen eskalieren; ein Wahnsinniger oder ein Selbstmordterrorist kann einen Weltkrieg auslösen (die drei monotheistischen westlichen Religionen mit ihrer Erwartung eines Jüngsten Tages könnten dafür den Nährboden bilden).
Die SF-Erzählung: "Statistik und der Einzelfall" behandelt die Frage wie Zivilisationen untergehen können.
8.3. Ausgewählte Szenarios
Die beiden Szenarios "M+R 1" und "M+R 2" stellen den Versuch dar, die in Kapitel 7 diskutierten Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft zeitmäßig und logisch zu ordnen. Die Beschreibung erfolgt unter 10 Aspekten. Man bedenke dabei dass ein Szenario die komplex vernetzte Welt spiegeln soll und dass es daher keine lineare Ursache-Wirkung-Folge geben kann; alles ist mit allem verbunden!
Zugrunde gelegt werden immer die in Abschnitt 8.2.1 genannten Megatrends. Wenn ein Endzustand geschildert wird, denken wir dabei an das Jahr 2050.
8.3.1 Szenario M+R 1 "Wir sitzen alle in einem Boot"
M+R 1 Moral, Religion, Werte >>> Zum Vergleich: M+R 2Die Fülle der Probleme von weltweitem Ausmaß (Klimaveränderung, Nahrungs- und Wassermangel, Ressourcenerschöpfung, krass ungleiche Verteilung der Güter, Krieg und Terrorismus ...) haben endlich den Menschen bewusst werden lassen: Alle – insbesondere aber die "Meinungs- und Entscheidungsmacher" – tragen Verantwortung für das Schicksal nicht nur der Lebenden, sondern auch der zukünftigen Generationen. Das Prinzip der unveräußerlichen Menschenrechte wird sehr breit interpretiert (zum Beispiel gehören das Recht auf saubere Umwelt und saubere Nahrung dazu) und wird zur allgemeinen praktischen Handlungsmaxime.
Die großen westlichen Religionen akzeptieren endlich die Erkenntnisse der Wissenschaft und stellen sich – vorsichtig - auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ein. Da sich ihre Verbreitungsgebiete zunehmend vermischen, lernen sie wechselseitige Toleranz und Zusammenarbeit. Wahnhafter religiöser Fundamentalismus erweist sich aber als schwierig zu überwindendes Hindernis in diesem Prozess.
Die großen westlichen Religionen nehmen in der Regel eine konservative Haltung ein (Schwerpunkt Moral und Gesellschaft) und sind sich darin mit den meisten NGOs (Non-Government Organisations) einig (Schwerpunkt Natur, Umwelt, Menschenrechte). Die politische Macht muss darauf Rücksicht nehmen.
M+R 1 Politik, Machtstrukturen >>> Zum Vergleich: M+R 2Die politischen Strukturen der Welt (Staaten, Pakte, UN) bleiben im wesentlichen unverändert. China, Indien, die Tigerstaaten, Brasilien, Mexico und einige wenige andere schließen zu den alten Großmächten auf. Die Demokratie ist die allgemein bevorzugte Regierungsform. An die Stelle populistischer und vorurteilsbeherrschter Richtungskämpfe tritt das sachliche Ringen um die besten Lösungen, häufig unterstützt durch den Einsatz von Expertensystemen und die Nutzung komplexer Simulationen bis hin zu Weltmodellen.
Die UN werden in ihrer Funktion als Friedensgarant gestärkt. Unter ihrer Moderation werden Konflikte auf dem Verhandlungsweg gelöst, es gibt keine großen Kriege mehr. Weithin anerkannt und unterstützt ist das Ziel, die großen Unterschiede zwischen Armen und Reichen friedlich auszugleichen. Weltweite Abrüstung ist aber nicht durchsetzbar – Furcht vor dem Verlust nationaler Souveränität dominiert über die eigentlich erkannte Notwendigkeit alle Mittel für die Lösung der großen weltweiten Probleme zu nutzen.
Regionale Unterschiede in Bildung und geistig-moralischer Entwicklung behindern und verzögern immer wieder die weltweite Verwirklichung vieler als optimal erkannten Lösungen.
M+R 1 Öffentliche Ordnung >>> Zum Vergleich: M+R 2Die Staaten sorgen unter Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte für ein geordnetes Zusammenleben im Inneren. Dabei berücksichtigen sie die unter Führung der UN erarbeiteten Empfehlungen im Sinne einer weltumspannenden Vereinheitlichung von Gesetz und Recht. Polizeigewalt und Justiz bleiben Staatsmonopol.
In die Rechtsprechung finden die Erkenntnisse der Neurologie Eingang. Der Tatbestand der verminderten Schuldfähigkeit wird ausgeweitet auf zahlreiche Vergehen, bei denen nachweislich organische oder funktionelle Störungen der Gehirntätigkeit eine Rolle spielten, es wird dann nicht bestraft. Dafür wird in viel breiterem Maße als früher von der Sicherungsverwahrung Gebrauch gemacht wo nach dem Stand der Medizin eine Neuro-Therapie nicht möglich ist.
Terrorismus und Piraterie werden weltweit bekämpft aber nicht völlig beseitigt.
M+R 1 Gesellschaft >>> Zum Vergleich: M+R 2Die Familie gilt als Kernzelle der Gesellschaft und bleibt das Ideal, wird jedoch von vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht realisiert. Einkind-Ehen werden mit Blick auf die Stabilisierung der Weltbevölkerung gefördert, mehr als zwei Kinder zu haben gilt als schon asozial. Aber alle Kinder bekommen die bestmögliche Förderung. Dass die Bevölkerung "überaltert", kann ohne Probleme hingenommen werden, weil die Fortschritte der Medizin ein deutlich längeres Arbeitsleben als noch am Beginn des Jahrhunderts erlauben.
Soziale Unterschiede in der Bevölkerung eines Staates werden nach Möglichkeit ausgeglichen, das Auseinanderdriften in eine kleine Gruppe Reicher und eine große Unterschicht wird gestoppt. "Reichtum verpflichtet" – wer als Superreicher nicht danach handelt verfällt der öffentlichen Ächtung.
Ähnlich versucht man die Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern/Regionen/Erdteilen auszugleichen, doch wird Hilfe gezielt zur Selbsthilfe und Entwicklung der eigenen Möglichkeiten gegeben. Die früher häufige Bereicherung einer kleinen Oberschicht aus den Mitteln der Entwicklungshilfe wird durch scharfe internationale Gesetze bedroht; sie wird durch ein internationales Gericht geahndet und ist seitdem praktisch abgestellt. Große und historisch bedingte Unterschiede lassen sich jedoch nicht schnell ausgleichen. Da es aber allen besser geht und die Ausbeutung durch eine Oberschicht abgestellt ist, kommt es nur noch selten zu lokalen Unruhen.
Megacities , Orte krasser sozialer Gegensätze und damit soziale Unruheherde, versucht man wieder aufzulösen.
M+R 1 Wirtschaft >>> Zum Vergleich: M+R 2Es gilt das Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft. Die Politik gibt der Wirtschaft die Randbedingungen ihres Handelns vor und orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Menschen ( Strenges und durchgesetztes Recht zur Qualität der Lebensmittel, Verbot von Hungerlöhnen, Trennung von Energie-Netzen und Versorgern, ....). Der Kapitalmarkt unterliegt einer strengen Kontrolle.
Die Industrie arbeitet innerhalb der gesetzlichen Grenzen nach den Spielregeln der Marktwirtschaft. Der Gesetzgeber sorgt dafür, dass die tatsächlichen Kosten für die Gemeinschaft (Klimaeffekte!) in Rechnung gestellt werden.
Die Industrie hat sich auf die geänderten Spielregeln eingestellt. Der Wettbewerb erfolgt vornehmlich über die Merkmale Qualität, Umweltverträglichkeit, Service. Benutzerfreundlichkeit steht bei der das Alltagsleben durchdringenden Computer- und Kommunikationstechnik im Vordergrund. Zum Beispiel wirbt man um den großen Markt der Alten mit Sprachsteuerung der Geräte, mit verständlichen Menüführungen und großen Displays statt mit immer neuen überflüssigen Funktionen.
M+R 1 Wissenschaft und Forschung >>> Zum Vergleich: M+R 2Die vorsichtig-konservative Grundhaltung der Menschen wirkt sich hemmend aus. Neue Technologien wie Biotechnologie, Gentechnik, Nanotechnik, Neurotechnologie treffen zumal im Westen auf Widerstand. Fortschritt kommt nur noch zäh voran. Eingriffe in das menschliche Genom und in das Gehirn werden hier nur akzeptiert wenn sie der "Reparatur" dienen (Heilung von Krankheiten, Ersatz ausgefallener Organe).
Es wird immer schwieriger Großforschungsprogramme (Subatomare Physik, Raumfahrt u.ä.) gegenüber den akuten Handlungsnotwendigkeiten (Klimawandel und Folgen!) durchzusetzen. Das Ergebnis: Die Grundlagenforschung, früher Stärke der westlichen Staaten, stockt. Die wissenschaftliche und technische Führung geht an asiatische Staaten über.
Um bei der Realisierung weltweiter Programme zur Milderung der großen Probleme (Klimawandel, Hunger etc) die größtmögliche Sicherheit zu bekommen, wird bei der UN eine Arbeitsgruppe der besten Fachleute gebildet, die "Weltsimulationen" (Rechenmodelle) vorbereiten, die Ergebnisse auf Plausibilität überprüfen und mit Blick auf die praktische Umsetzung auswerten.
M+R 1 Neue Technologien >>> Zum Vergleich: M+R 2Auch bei der Einführung neuer Technologien wirkt sich die konservative Grundhaltung bremsend aus. Vor der Einführung erfolgen umfassende Untersuchungen über die Unbedenklichkeit der Folgen. Dennoch kann sich einiges durchsetzen:
Nanotechnik findet in vielen Bereichen des Alltags Anwendung. Versuche zur Einführung in die Computertechnik sind erfolgreich.
Sprachsteuerung findet breiteste Anwendung, bei Fahrzeugen, Alltagsgeräten, im Umgang mit Computern.
Für viele Sonderaufgaben werden Roboter eingesetzt. Sie operieren jedoch nicht wirklich autonom, sondern wichtige Funktionen wie ihre Intelligenz werden aus Sicherheitsgründen durch Zentralrechner realisiert. Die Entwicklung humanoider Roboter wird von den abrahamitischen Religionen des Westens ausgebremst. In den asiatischen Führungsländern entwickelte Spezialroboter wie für die Krankenpflege werden aber schließlich im Westen zugelassen.
Intelligenzverstärkung und Schwache Künstliche Intelligenz werden überall entwickelt, wenn auch schwerpunktartig in Asien. Arbeiten an Starker Künstlicher Intelligenz sind verboten, es tauchen aber immer wieder Gerüchte über geheime Versuche auf.
M+R 1 Ernährung und Gesundheit >>> Zum Vergleich: M+R 2Die Ernährung der immer noch (wenn jetzt auch nur sehr langsam) wachsenden Weltbevölkerung unter den schwierigen Bedingungen des Klimawandels erfordert größte Anstrengungen. Notgedrungen wird die Ernährung überwiegend vegetarisch. Die Nutzung der Ozeane als zusätzliches "Farmland" steht noch am Anfang.
Um die ausreichende Ernährung aller Menschen sicherstellen, kann auf die Anwendung genveränderter Pflanzen und Haustiere nicht verzichtet werden. Risiken werden durch umfangreiche Vorversuche möglichst ausgeschaltet. Dass die neuen Techniken wirklich auch allen Menschen zugute kommen, dafür sorgt die UN.
In der Medizin gibt es einen stetigen Fortschritt. Immer klarer aber wird dass eine optimale medizinische Versorgung aller Menschen nicht möglich ist – sie ist schlicht unbezahlbar und unter Kosten/Nutzengesichtspunkten angesichts der großen weltweiten Probleme auch nicht zu rechtfertigen. Wie viel medizinische Leistung dem einzelnen Menschen zugute kommen soll, wird zum größten moralischen Problem der Zeit.
Das Leben unter den Bedingungen der Zivilisation hat einen Rückgang der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit zur Folge. Wenn dies auch aus übergeordneten Gesichtspunkten als günstig erscheinen mag, so schafft es doch im Leben vieler Menschen große seelische Probleme. Daher wird Reproduktionsmedizin zu einem bedeutenden Bereich.
M+R 1 Berufsleben und Freizeit >>> Zum Vergleich: M+R 2Die großen Probleme der Welt können nur gelöst werden wenn alle Menschen produktiv arbeiten so lange sie dazu körperlich und geistig in der Lage sind.
Da Arbeit als sinnstiftend und als Merkmal gesellschaftlicher Bedeutung gilt, wird für arbeitswillige Schwachbegabte Arbeit erfunden, auch wenn eine Maschine vielleicht die Aufgabe besser erledigen könnte (Beispiel: Straßenkehren erfolgt wieder von Hand). Für untherapierbare Arbeitsunwillige gibt es primitive Zwangsarbeit.
Auf der anderen Seite arbeiten die Qualifizierten unter breiter Nutzung aller neuen Hilfsmittel (Intelligenzverstärkung, Expertensysteme).
Das Freizeitverhalten muss sich der weltweiten Problemlage anpassen. Ein persönliches Konto für die erlaubte Emission von Treibhausgasen schränkt die Reisetätigkeit ein. Es entstehen immer mehr künstliche Freizeitwelten (Parks), der Aufenthalt in virtuellen Welten wird als normales Verhalten empfunden und dient, weit über Ballerspiele hinausgehend, der Bildung wie der Erholung.
M+R 1 Globale Trends >>> Zum Vergleich: M+R 2Das Wachstum der Weltbevölkerung ist fast zum Stillstand gekommen, eine zukünftige Abnahme ist in Sicht. Soziale Ächtung von Kinderreichtum bei sozialer Sicherung des Einzelnen ohne Abstützung auf zahlreiche Nachkommen, Empfängnisverhütung und Abtreibung waren wesentliche Elemente des Prozesses. In den hoch industrialisierten Ländern kommt die nachlassende Fertilität hinzu.
Weltweite Maßnahmen zur Kontrolle des Treibhauseffektes (Effizienzsteigerung, zunehmende Nutzung Erneuerbarer Energien) werden unter Aufsicht der UN durchgesetzt. Emissionshandel ist dabei ein wichtiges und immer schärfer schneidendes Instrument. Allerdings war die Übergangszeit bis zu allgemeinem Problembewusstsein und abgestimmtem Handeln viel zu lang. Das einstmals ausgegebene Ziel "nicht mehr als 2° Erwärmung" kann nicht eingehalten werden. Daher werden zunehmend große Anstrengungen notwendig um die Folgen zu mindern. Die UN hat dabei die schwierige Aufgabe einen Ausgleich zu schaffen zwischen den reichen historischen Hauptverursachern und den armen, relativ unschuldigen Hauptbetroffenen.
Allgemein wacht die UN im Auftrage der Menschheit über den gleichberechtigten Zugang aller zu den limitierten Ressourcen des Planeten.
8.3.2 Szenario M+R 2 "Geld regiert die Welt"
M+R 2 Moral, Religion, Werte >>> Zum Vergleich: M+R 1
Ökonomische Prinzipien dominieren die Entwicklung, Religion und Menschenrechte verlieren an Einfluss. Es gibt keine übergeordneten und weltweit anerkannten Regeln, die Entwicklung der Menschheit wird chaotisch und risikofreudig.
Die großen monotheistischen Religionen zerfallen in Sekten teils fortschrittlichen, teils fundamentalistischen Charakters, die sich gegenseitig bekämpfen. Der Einfluss der Religionen auf Staat und Gesellschaft insgesamt schwindet, doch halten sich einige wenige fundamentalistische Staaten.
In weiten Kreisen der Oberschicht geraten die eine Religion praktizierenden Menschen in den Verdacht neuronaler Mängel – das ist karriereschädlich. In der Unterschicht hingegen werden Erlösungsreligionen jeglicher Couleur gerne gesehen da sie zur Ruhigstellung beitragen. Religiöse Organisationen revolutionären Charakters hingegen werden verfolgt sobald sie sich bemerkbar machen.
Die großen und sehr einflussreichen wirtschaftlichen Einheiten (Industriekonglomerate, Finanzimperien) entwickeln unterschiedliche Wertsysteme. In den meisten stehen Soziopathen an der Spitze, das wirkt sich auf die gesamte Belegschaft und auch auf die Gesellschaft aus . Einige wenige Tycoone versuchen optimale Leistungen durch optimale zwischenmenschliche Beziehungen zu erreichen. Einige wetteifern um spektakuläre Leistungen (Eroberung des Weltraums, Höchste Gebäude, Längste Brücke....). Solche Haltungen spiegeln sich in der gesamten "Unternehmenskultur" wieder.
M+R 2 Politik, Machtstrukturen >>> Zum Vergleich: M+R 1Die Staaten der Welt entwickeln ihr gesellschaftliches und politisches System unterschiedlich. Die UN kann ihre Aufgabe als übergeordnete Instanz der Menschheit gegenüber den mächtigen Einzelinteressen nicht ausüben. Andererseits ist jeder der Großstaaten von der Rolle des Weltpolizisten überfordert. Nur in den gefährlichsten Situationen findet sich die Weltgemeinschaft zusammen und nutzt dann die UN als formalen Rahmen.
In dieser Lage werden die großen Wirtschaftsunternehmen zu einem weltweiten Macht- und Ordnungsfaktor. Es bilden sich branchenübergreifende Megafirmen, industrielle und finanzwirtschaftliche Imperien. Sie überziehen als Netz die Welt ohne Rücksicht auf nationale Grenzen und setzen zur Sicherung ihrer Interessen eine gewisses Minimum an Ordnung und Sicherheit durch. Sofern sich Staaten gegen diese Entwicklung abzuschotten suchen, werden sie wirtschaftlich und politisch isoliert, verarmen und bilden neue Unruheherde.
Einige der südamerikanischen und afrikanischen Staaten, in denen am Anfang des Jahrhunderts die staatliche Ordnung zusammengebrochen war, haben sich inzwischen erholt; dafür sind andere hinzugekommen. In diesen Staaten herrschen mafiose Strukturen und konkurrierende Guerillas. Das verhindert nicht für beide Seiten profitable Wirtschaftsbeziehungen zwischen den gerade aktuellen lokalen Machthabern und den großen Wirtschaftsunternehmen der Welt.
Durch den global immer stärker werdenden Wettbewerb um die ständig knapper werdenden Ressourcen (Energiequellen, Nahrungsmittel, Wasser) und unter dem Druck der Klimaveränderungen entstehen ständig neue Reibereien zwischen den betroffenen Staaten. Diese Konflikte werden in Form regional begrenzter Kriege ausgetragen, an denen viele Wirtschaftsunternehmen gut verdienen. Große Kriege mit unkalkulierbaren Risiken hingegen laufen den Interessen der Wirtschaft entgegen und finden nicht statt.
Neuerdings scheinen die Folgen des Klimawandels kaum noch beherrschbar zu sein: Völkerwanderungen größeren Maßstabs setzen ein, Verzweiflungsterrorismus (Selbstmordattentate) wird häufiger. Die Eindämmung erfolgt mit großer Brutalität und unter Einsatz aller verfügbaren neuen Technologien.
M+R 2 Öffentliche Ordnung >>> Zum Vergleich: M+R 1Staatliche Macht verliert an Bedeutung gegenüber der weltweit in großen Industrie- und Kapitalblöcken operierenden Wirtschaft. Immer mehr staatliche Hoheitsfunktionen werden privatisiert (Polizei, Finanzwesen, Schulwesen, Forschung und Lehre, Justiz ...); die Staaten beschränken sich auf die formale Rahmengesetzgebung. An die Stelle der allgemeinen Wehrpflicht treten hochgerüstete Privatarmeen.
Im Kampf gegen Verbrechen, insbesondere im Kampf gegen Terroristen, wird Gehirnscanning vielfältig angewandt, von der Identitätskontrolle bis zur Straftatprognose. In einigen Staaten erfolgt bereits prophylaktisches Reihenscanning der gesamten Bevölkerung; gewaltbereite Soziopathen werden erfasst und vor jeder Straftat unter Aufsicht gestellt (elektronische Fußfessel mit Satellitenortung).
Nachdem die Piraterie in südasiatischen und karibischen Gewässern sich zu einer empfindlichen Störung des Welthandels auswächst, erlangt ein Firmenkonsortium ein formales Mandat der UN und kann mit Hilfe einer Söldnertruppe das Problem beseitigen.
M+R 2 Gesellschaft >>> Zum Vergleich: M+R 1Das Verschwinden allgemeingültiger Werte spiegelt sich in der Gesellschaft der hoch entwickelten Staaten. Viele alternative Lebensformen und Lebensgemeinschaften werden akzeptiert – es herrscht Vertragsfreiheit. Zahlreiche Mensche leben als Single mit nur zeitweiliger Bindung an andere, andererseits wird offene Vielweiberei in der Oberschicht gesellschaftsfähig.
Die Kluft zwischen den Armen und den Reichen innerhalb eines Staates wird immer größer. Die Oberschicht nutzt die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse und neurotechnischen Hilfsmittel zur Festigung ihres Status und zur optimalen Bildung ihrer Kinder für ihre kommende Rolle in der Führungselite. Es wird üblich, Kinder von Leihmüttern aus der Unterschicht austragen zu lassen.
Einige Staaten experimentieren mit einem "Bedingungslosen Grundeinkommen" für die Unterschicht, die man als Arbeitskräftereservoir und Abnehmer der Industrieproduktion braucht.
Da die Oberschicht ihren Reichtum mit der Unterschicht zu teilen nicht bereit ist, daher mit Neid und Hass der Besitzlosen rechnen muss, schafft man nach dem Motto "Brot und Spiele" einen Ausgleich. Wirklich hungern soll niemand.
Die früher tragende Mittelschicht wird immer schmaler, hier ist der Kampf um das gesellschaftliche Überleben am härtesten.
So wie innerhalb der einzelnen Staaten die Unterschiede zwischen Arm und Reich wachsen, so auch zwischen armen und reichen Staaten. Stets und überall aber gibt es eine reiche und mächtige Oberschicht. In einigen dieser Staaten führen die Unterschiede zwischen Reich und Bettelarm zu einem neuen feudalistischem System. Schuldknechtschaft wird dort wieder gesellschaftsfähig.
Ein Großteil der Menschen lebt in Megacities, die praktisch ungeregelt wachsen und gemäß der sozialen Struktur in streng getrennte und gegen einander abgesicherte Stadtteile zerfallen.
M+R 2 Wirtschaft >>> Zum Vergleich: M+R 1Typische Organisationsform ist das branchenübergreifende Großunternehmen. Diese neuen Riesen beherrschen Gebiete wie
- Bio/Agrartechnik/Landwirtschaftliche Erzeugung;
- Rohstoffe/Industrielle Fertigung/Logistik;
- Gesundheitswesen/Medizintechnik/Neurotechnik;
- Energietechnik/Energieerzeugung/Energieverteilung;
- Computertechnik/Robotik.
Die Kapitalwirtschaft entzieht sich weitgehend der staatlichen Kontrolle und dominiert ihrerseits wieder das Zusammenspiel der Großunternehmen.
Auch das traditionelle Handwerk wird immer mehr zum Bestandteil großer Unternehmensketten, welche den sicheren Gewinn einstreichen, das Risiko aber dem einzelnen Handwerker überlassen.
M+R 2 Wissenschaft und Forschung >>> Zum Vergleich: M+R 1Wissenschaft und Forschung werden vom Wettbewerb der großen wirtschaftliche Einheiten geprägt, die sich gegenseitig zu übertreffen suchen und eifersüchtig darüber wachen dass ihre Erkenntnisse nicht an Dritte weitergehen.
In der Forschung ist fast alles zulässig. Es gibt schnelle Fortschritte. Entwickelt und angewandt wird was Geld bringt. Für die Grundlagenforschung fällt genug ab im Sinne einer spekulativen Langfristinvestition, aber angewandte Forschung steht im Vordergrund. Auch das persönliche Interesse der jeweiligen Wirtschaftsführer spielt eine große Rolle: Die Entdeckung einer "Weltformel" ("Theory of Everything") würde unsterblichen Ruhm bringen...
Bei der ungeregelten und hektischen Forschung im Bereich der umsatzträchtigen Gen- und Biotechnik kommt es verschiedentlich zu schweren Zwischenfällen, die Folgen können nur mühsam und unter erheblichen Opfern beherrscht werden.
Bei Forschungsthemen von so grundsätzlicher Bedeutung und möglicher Brisanz wie der Schaffung Künstlicher Intelligenz oder von selbstvermehrenden Nanomonteuren versucht man zwar unter Einschaltung der UN weltweit verbindliche Vorsichtsmaßregeln einzuführen, ihre Einhaltung lässt sich aber nicht kontrollieren.
M+R 2 Neue Technologien >>> Zum Vergleich: M+R 1Auf zahlreichen Gebieten gibt es bedeutende Fortschritte:
Nanotechnik findet in vielen Bereichen des Alltags Verwendung. Der Wunsch nach weiterer Leistungssteigerung der Computer treibt die Entwicklung voran. Mit hochfesten Nanoröhren werden grazilste Leichtbaustrukturen möglich (Brücken, Türme, Flugzeuge ...). Erste Versuche mit selbstvermehrenden "Monteuren" werden unternommen.
Sprachein- und -ausgabe wird perfektioniert (Kontextverständnis! Beherrschung der Ironie!). Für viele spezielle Aufgaben werden Gehirn und Computer gekoppelt.
Intelligenzverstärkung und Schwache Künstliche Intelligenz werden forciert entwickelt. Starke Künstliche Intelligenz kommt in Reichweite. Zum erstenmal besteht ein Computer den Turing-Test.
Humanoide Roboter werden vielfältig eingesetzt: als Hauspersonal, in der Altenpflege, als Kampfroboter. Die militärische Nutzung treibt die Entwicklung voran. Es entstehen die ersten autonomen Roboter. Von den "Kampfveteranen" geht große Gefahr aus, da sie nicht den Asimov-Gesetzen gehorchen – man ist gezwungen "Feuer mit Feuer zu bekämpfen".
Haushaltroboter stehen der Oberschicht zur Verfügung, sie werden wie eine Art Haustiere gehalten. Humanoide Roboter werden als "Luxus-Personal" in reichen Haushalten eingesetzt. Doch benutzt die Oberschicht auch Hilfspersonal aus der Unterschicht.
Autonome humanoide Roboter sind eine große Herausforderung für Philosophie und Religion – sie werden damit nicht fertig. Der rechtliche Status solcher Robotern wird zu einem aktuellen Thema für die Juristen: sollen sie den Rechtsstatus von Leibeigenen haben, oder die Grundrechte eines Menschen?
M+R 2 Ernährung und Gesundheit >>> Zum Vergleich: M+R 1Die Unterschiede zwischen den reichen Staaten und den armen der verschiedenen Regionen der Welt hinsichtlich der Versorgung mit Nahrung und Wasser sind noch größer geworden und sorgen für internationale Konflikte, die nur mühsam gelöscht werden können. Selbst für die Unterschicht reicher Staaten stehen Lebensmittel nur in mäßiger, durch die Industrie denaturierter Qualität zur Verfügung. Für die Oberschicht gibt es nirgendwo ein Versorgungsproblem, für sie steht alles in Fülle bereit.
Die landwirtschaftliche Produktion wird von wenigen großen Firmen beherrscht. Sie verfügen über die gentechnisch optimierten Pflanzen und Haustiere, deren Weiterentwicklung im Wettlauf mit sich anpassenden Schädlingen, Krankheitserregern etc. stetig fortschreitet.
Nur der Oberschicht steht Medizin nach dem Stande des Fortschritts (Neurotechnologie, Gentechnik ....), zur Verfügung. Umfangreiche Prophylaxe und Maßnahmen zur Verlängerung der Lebenszeit sind üblich. Gentechnische Untersuchungen des Embryos können Schwangerschaftsabbrüche rechtfertigen. Gentechnische Untersuchungen auf Krankheitsrisiken werden für den Abschluss von Versicherungen und für die Arbeitsplatzsuche vorausgesetzt.
Die Spitzen der Oberschicht nutzen Eingriffe in das Erbgut zur Erzeugung optimaler Nachkommenschaft. Misslungene oder auch nur unbefriedigende Produkte solcher Eingriffe dürfen legal abgetrieben werden.
Körperteile und menschliche Organe werden zum Handelsobjekt. Sie werden in vitro hergestellt. Die ganz Reichen und Mächtigen leisten sich menschliche "Originalersatzteile", für die es einen Schwarzen Markt gibt.
Die Oberschicht lässt in Ländern mit Todesstrafe erste Versuche durchführen, durch Verpflanzung des Kopfes auf einen jugendlichen Körper die Lebensspanne wesentlich zu verlängern.
Für die Unterschicht stehen die neusten medizinischen Technologien aus Kosten und Ressourcen- Gründen nicht zur Verfügung. Hier erfolgt die medizinische Versorgung weithin durch Expertensysteme und Roboter bei einem Minimum an menschlicher Betreuung.
M+R 2 Berufsleben und Freizeit >>> Zum Vergleich: M+R 1Der Wettbewerb in den großen Unternehmen ist hart. Die Menschen der Ober- und der Mittelschicht können im Wettbewerb nur mithalten, wenn sie leistungssteigernde Neuropharmaka anwenden. Gehirnkoppelung mit Computern wird genutzt.
Gehirnscans geben Aufschluss über die Loyalität und soziale Kompetenz von Mitarbeitern. Vor jeder Einstellung wird das Gehirn gescannt; Menschen mit schlechter Prognose haben keine Chance.
Die Anwendung das subjektive Wohlbefinden steigernder Neuropharmaka durch die Unterschicht wird gefördert und tritt an die Stelle krankmachender Suchtmittel (Alkohol, Tabak, Designerdrogen...). Die Reichen können sich weiterhin Wein und Spirituosen leisten.
Geostationäre Raumstationen dienen den Spitzenverdienern als Erholungsressorts. "Himmelsfahrstühle" mit Seilen in Nanofasertechnik führen dorthin. Die zweite Ebene der Oberschicht und die kleine Mittelschicht verbringen ihre Freizeit in künstlichen Biotopen/Ressorts. Für die Unterschicht steht anderes bereit:
Das Unterhaltungsbedürfnis der Unterschicht wird mit immer spannenderen Computerspielen bedient; in virtuellen Welten kann jeder seine Befriedigung finden. Virtuelle Personen bekommen beschränkte Intelligenz (z.B. zur Kommunikation mit dem Spieler über gesprochene Sprache – das ist wichtig da sehr viele aus der Unterschicht funktionale Analphabeten sind).
Zur emotionalen Ableitung gibt es große Sportereignisse, Wettbewerbe jeder Art und für jedes Intelligenzniveau in den Unterhaltungsmedien, und die Möglichkeit des seelischen Exhibitionismus für jedermann in den "Lebensschauen" des Fernsehens.
M+R 2 Globale Trends >>> Zum Vergleich: M+R 1Die Bevölkerungszahl entwickelt sich in den verschiedenen Staaten sehr unterschiedlich, insgesamt wächst sie aber noch.
Große und mächtige Staaten begrüßen eine Reduzierung um das Wohlergehen ihrer Bürger zu fördern, kleine Staaten möchten ihr Gewicht durch mehr Menschen noch verstärken. In großen Regionen (z.B. Afrikas) ist die Entwicklung aber völlig ungesteuert.
In einer Anzahl Staaten/Regionen kommt das Wachstum der Bevölkerung zum Stillstand,
- in armen Regionen durch Hungersnöte, Bürgerkriege und Völkermord, sowie Seuchen oft zweifelhafter Herkunft (Labor?!),
- in reichen Regionen durch die Veränderung der traditionellen Werte und Lebensentwürfe in der Gesellschaft und den Verzicht auf Nachkommenschaft
- punktuell durch die Gewährung des Bedingungslosen Grundeinkommens an die Unterschicht. Die früher so reproduktionsfreudige Unterschicht verliert das Interesse an Kindern als Lebensinhalt und Alterssicherung, Abtreibung ist legal und gesellschaftlich gern gesehen.
Wo gezielt die Bevölkerung stabilisiert oder reduziert werden soll, kommen sozialer Druck, Empfängnisverhütung und Abtreibung vorzugsweise weiblicher Embryos zur Anwendung.
Die Wirtschaft verhält sich neutral und stellt bereit was immer an Waren und Dienstleistungen verlangt wird.
Klimaschutz kann sich nicht gegen wirtschaftliche Interessen durchsetzen. Kommen überhaupt einmal internationale Vereinbarungen zustande, so werden sie von gewichtigen "Spielern" – Staaten oder großen Wirtschaftsunternehmen - nicht eingehalten. Zwar sind die Erdölvorräte weitgehend erschöpft, aber Ölsände, Ölschiefer, Erdgas und Kohle werden unbeschränkt genutzt. Kohle wird in großem Maßstab zu Treibstoffen verflüssigt. Die Emission von Treibhausgasen kann daher nicht wieder reduziert werden, nachdem sie am Anfang des Jahrhunderts steil angestiegen war.
Rückkoppelungseffekte (erschöpfte CO2-Aufnahmefähigkeit der Meere, Verschwinden des reflektierenden Nordpolar-Eises im Sommer, Auftauen von Permafrostböden) erweisen sich als sehr wirkungsvoll. Die Temperaturen steigen schnell und weit über das Ziel "2°" hinaus an. Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Alle Bemühungen konzentrieren sich jetzt auf die technische und politische Beherrschung der Folgen.
Wo die Nutzung fossiler Energiequellen zu Gunsten regenerativer Energien zurückgefahren wird, stehen der Aspekt der Versorgungssicherheit und, mit der Verbesserung neuer Technologien, die Ökonomie im Vordergrund.
Soweit überhaupt längerfristig gedacht wird, richten sich die Hoffnungen auf den Fusionsreaktor, der nur langsam näher zu rücken scheint.
Die Folgen der Klimaveränderung führen zu weltweiten Konflikten, insbesondere im Verhältnis Nord-Süd.
Die reichen Staaten schaffen es mit den Folgen des Erwärmung umzugehen; auch der Anstieg des Meeresspiegels kann durch entsprechende Wasserbaumaßnahmen verkraftet werden.
Anders sieht es in den niedrigen Küstengebieten der Entwicklungsländer aus, die meistens auch noch im Zuggebiet verheerender tropischer Wirbelstürme liegen. Dort bleibt der Bevölkerung gar nichts anderes übrig als auszuwandern.
Ähnlich sieht es im umgekehrten Falle mit den von Dürre und Waldbränden heimgesuchten Gebieten aus. Auch hier ist ein Trend zum Verlassen dieser Gebiete aufgrund der ständig wiederkehrenden Zerstörung von Wohn- und Infrastruktur festzustellen.
8.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
8.4.1 Schlussbetrachtung
Beim Erarbeiten der Kapitel 1 bis 8 unseres Portals – MENSCH UND REALITÄT - haben wir einen langen Weg durch unsere innere Welt zurückgelegt und gleichzeitig eine Menge Kenntnisse über unser Gehirn, unsere Persönlichkeit, unseren Charakter und unser Umfeld zusammengetragen, sodass sich ein gewiss lückenhaftes, aber doch in den breiten Zügen umfassendes Bild von uns modernen Menschen ergibt.
Im Hintergrund unserer Betrachtung stand dabei auch die in unserer Einführung zum Portal Mensch und Realität gestellte Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens, die eigentlich trotz aller Forschung nicht endgültig zu beantworten ist.
Aber vielleicht ist es uns gelungen, Teilfragen in unseren Kapiteln 1 bis 8 hierzu zu beantworten, sodass eine Annäherung an diese zentrale Sinnfrage des Lebens möglich werden könnte.
Was jedoch uns Menschen im wesentlichen unsere dominante Stellung in der realen Welt unseres Planeten verschafft, das ist die Flexibilität und Weiterentwicklungsfähigkeit unseres Gehirns. Nicht einmal die Primaten, als die uns nächsten Verwandten des Tierreiches, sind in der Lage so eine hochkomplexe Sinneserweiterung über Werk- und "Denkzeuge" zu entwickeln, wie wir Menschen.
Daraus entstand letztendlich das riesige kulturelle Netzwerk der menschlichen Gesellschaft mit ihrer hoch komplexen Zivilisation. Sie fußt auf der von vielen Generationen geschaffenen Erkenntnis- und Wissensrealität in den Bereichen der Weltanschauung, Religion, Geistes- und Naturwissenschaften, Kunst, Technik, Medizin etc., die heute über vielfältige Kommunikationsmittel dem einzelnen Menschen mehr als je zuvor zugänglich sind.
Der Kreativität und dem Forschergeist des Menschen ist es gelungen, in einem ständig sich steigerndem Prozess neue Erkenntnisse und neues Wissen zu produzieren, um so einen atemberaubenden technischen und wirtschaftlichen Fortschritt zu generieren.
Und DENNOCH, die Menschheit steht erstmalig an einem grundlegend entscheidenden und existenziellen Wendepunkt in ihrer Geschichte. Sie muss jetzt Entscheidungen gegen ihr individuelles Streben nach persönlichem Glück und Wohlstand treffen, welches nach den Kenntnissen unserer Hirnstruktur und Funktion die eigentliche Triebfeder allen menschlichen Schaffens und Strebens ist (z. B. mitgesteuert vom Belohnungszentrum des Gehirns).
Warum ist das so?
In der Struktur des Gehirns liegt begründet, dass eine Sache oder Handlung dann für einen Menschen und seine nächste von ihm abhängende Gruppe "Gut" ist, wenn positive Erfahrungen ihm sagen: "Der nächste Schritt deines Handeln ist erfolgreich, weil du damit dein Belohnungs- System aktivierst und du damit für die nächste Zeit Wohlbefinden, Zufriedenheit und Glück für dich und die deinen erreichst". Neues, schwer einschätzbares Handeln ist mit womöglich unbekannten Folgen verbunden und wird daher meist gemieden.
"Böse" ist etwas für einen Menschen, wenn ihm seine Erfahrung sagt: "Falls du so handelst, kann es für dich und deine Gruppe in nächster Zeit schädlich, gefährlich, ja vielleicht sogar lebensgefährlich werden. Also unterlasse oder vermeide solche risikobehafteten Handlungen".
Somit besaß bereits der Urmensch erste Ansätze über ein moralisches Werte- und Erfahrungs- System, das über hundert Tausende Jahre bis hin zum heutigen Menschen in ausgeklügelt verfeinerter Form als Moral- und Rechtssystem zur Existenzsicherung ganzer Gesellschaften und Völker dient.
Das Moral- und Wertesystem funktioniert im großen und ganzen erfolgreich für Homo Sapiens, solange keine äußeren Grenzen oder beschränkte Lebens- Ressourcen auftreten, oder die Folgen des gelebten Moral- und Wertesystems selbst zur Bedrohung der eigenen Art werden.
Letzteres ist in der heutigen Zeit mit der jetzt schon für den Planeten und seine Ressourcen viel zu hohen Zahl von über 6 Milliarden Menschen eingetreten. In den Augen des überwiegenden Teils der Menschheit, bedeutet eine hohe Nachkommenzahl größere Sicherheit für die Eltern und Großelterngenerationen, weil die Last eines Beitrags zur Sicherung des Lebens in der Familie, Sippe oder Gruppe auf viele Schultern verteilt ist. So bedeutet der Ausfall einzelner Mitglieder der Gruppe nicht zwangsläufig deren Zusammenbruch. Bei Streitigkeiten um Ressourcen ist die größere Gruppe meist im Vorteil.
Da die Mehrheit der Gruppen für sich nach gleichen Grundsätzen handelt, besitzt niemand die Autorität, aufgrund schwindender Ressourcen übergreifende neue langfristig lebenserhaltende Maßnahmen zur Begrenzung der Nachkommenszahl bei allen Gruppen einzuführen.
Nicht zuletzt deswegen ist der Wendepunkt jetzt erreicht!
Neues Handeln und komplexes, nicht am kurzfristigen Nutzen des menschlichen Individuums orientiertes, sondern nachhaltiges, vernetztes Denken mit globalem Maßstab ist jetzt unmittelbar geboten -zur Sicherung der jetzt nachfolgenden Menschen und einer für sie lebenswerten Umwelt.
Wir haben in diesem Kapitel versucht aufzuzeigen, welche Faktoren den größten nachhaltigen Einfluss auf die Menschheit haben und dass der Schlüssel zu einer positiven Gestaltung einer lebenswerten Zukunft der Menschen im Menschen selbst, seinem Gehirn und seinem Denken und Handeln liegt.
Wir haben mögliche Wege in die Zukunft in zwei Szenarios beschrieben, um zu verdeutlichen wie die Folgen menschlichen Handelns für die Zukunft aussehen können.
Wir sind bei unseren Untersuchungen zu der Folgerung gelangt, dass die Zeit bis zur (An-)Erkennung der langfristigen Folgen aus menschlichem Handeln viel zu lang ist. Daher hat sich unseres Erachtens ein großes globales Gefährdungspotential für die Menschheit aufgebaut. Sein Risiko liegt wie ein drohender Schatten über der Zukunft und wird nur schwer beherrschbar sein.
Die den Szenarios vorangestellten Megatrends (Bevölkerungswachstum, Klima Ressourcenverbrauch etc.) zeigen in ihrem derzeitigen Verlauf und in ihrer zukünftigen Einschätzung ein kumulatives Gefahrenpotential für den Fortbestand der Menschheit auf, das in jedem, somit auch in unseren Zukunftsszenarios Eingang finden muss. Dabei nimmt das Bevölkerungswachstum mit all seinen Auswirkungen in der Beschreibung unserer Zukunfts- Szenarien eine Schlüsselstellung in der Weiterentwicklung ein. Hoffentlich zieht die Gesellschaft und die Politik hieraus die notwendigen Konsequenzen.
Hält man die beiden Szenarios "Wir sitzen alle in einem Boot" und "Geld regiert die Welt" nebeneinander, so empfindet man das erste Szenario als konventioneller, sympathischer - und wahrscheinlicher, da es viele vertraute Merkmale in die Zukunft weiterführt. Ein Lebensstandard, wie ihn die westlichen Industrieländer jetzt noch praktizieren, wird freilich unter diesem Szenario für den Durchschnittsmenschen für lange Zeit unerreichbar sein. Dennoch ist es dem Szenario M+R 2 „Geld regiert die Welt“ vorzuziehen.
Das zweite Szenario ist von seinem Charakter her schneller, dynamischer, ungewohnter – es wird daher als bedrohlicher empfunden. Es stellt höhere Anforderungen an die Vorstellungskraft. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass es unwahrscheinlicher ist. Auch hier werden viele schon heute beobachtbare Trends weitergeschrieben!
Möglich sind beide Szenarien, ebenso wie unzählige andere, die jedoch viele Elemente dieser beiden werden enthalten müssen.
Bei dem von uns betrachteten Zeitraum (Jahr 2007 bis 2050) handelt es sich überwiegend um die Welt unserer Kinder, Enkel und Urenkel. Wir sollten uns klarmachen, dass unsere eigene Generation (Generation der Autoren ca. 50-70 Jahre) darüber mitentscheidet, wie die weitere Entwicklung des Menschen und seines Lebensumfeldes verläuft und ob das Ergebnis unseres Handelns nicht womöglich zu einer Welt führt, deren Lebensqualität weit unterhalb der unseren liegt.
Wohin die Entwicklung gehen wird, liegt in der kollektiven Verantwortung der Menschheit selbst.
8.4.2 Zusammenfassung
Als zusammen fassende Erkenntnis aus den Arbeiten zum Internetportal „Mensch und Realität“ kann man folgendes feststellen:
- Der Sinn des menschlichen Lebens ist nur aus der Schöpfung abzuleiten. Der Mensch lebt zusammen mit den anderen Lebewesen und Lebensformen im immer währenden Strom der Zeit in der Zielsetzung sich weiter zu entwickeln und seiner Art in einer komplexen Umwelt das Überleben zu sichern.
- Seine über Millionen Jahre hinweg entwickelte Intelligenz hat ihm im Wettbewerb mit anderen Lebewesen einen überragenden Platz auf dem Planeten gesichert. Er hat mit seiner Zivilisation und Kultur für seine Art so große Vorteile geschaffen, dass kaum ein anderes Lebewesen ihm seinen Platz streitig machen kann.
- Daher wird er sich selbst aufgrund seines Erfolges zum größten Feind. Nicht Tiere oder Pflanzen machen ihm seinen Lebensraum streitig, sondern er selbst, überzeugt, vom grenzenlosem Wachstumspotential seiner Art, ist er dabei, seine Lebensgrundlagen zu zerstören.
- Ein unglaublich wirkungsvolles Zerstörungspotential von Kern- und konventionellen Waffen wurde als weltweite Gefahr angehäuft. Ein zügelloses und unbegrenztes Bevölkerungswachstum, in der Meinung alle dem Menschen zustehenden Nischen besetzen zu müssen, wurde in Gang gesetzt. Die Ressourcen des Planeten werden ausgeplündert, sein ganzes Klima wird verändert, ein Massensterben anderer Arten wird ausgelöst.
- Der zwischenmenschliche Wettbewerb zunächst zwischen den Sippen und Gruppen und dann zwischen den Völkern um die Ressourcen dieser Welt hat eine ungerechte und ungleiche Verteilung des Wohlstandes und damit der Lebenschancen für den einzelnen gebracht.
- Das Prinzip der Ökonomie als eines der wichtigsten Maßstäbe menschlichen Handelns stellt den Besitz materieller Güter als Zeichen von Wohlstand und Lebensqualität als vorrangiges Ziel und als Sinngebung menschlicher Existenz dar. Wenn das Prinzip den Wohlstand aller Menschen unter der Berücksichtigung der begrenzten Ressourcen des Planeten gleichermaßen mehrt, kann man es hinnehmen, auch wenn es den Menschen geistig arm zu machen droht.
- Es darf aber nicht sein, dass auf der einen Seite im ärmsten Teil der Menschheit kleine Kinder in den Müllhaufen der Zivilisation nach etwas Essbarem suchen, um die nächsten Stunden elendig ohne Lebensqualität und Zukunft weiter zu vegetieren, während im wohlhabendsten Teil der Menschheit die letzten Ressourcen des Planeten unter dem Motto „nach mir die Sintflut“ verprasst und verschwendet werden.
- Aus der Historie könnte der Mensch erkennen, dass es kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Viele große Völker und Staaten, die nur auf Expansion und Wachstum gesetzt haben, sind untergegangen.
- In der kritischen Auseinandersetzung mit der ihm von seinen Sinnen und von seinem Gehirn vermittelten Realität sollten dem Menschen die langfristigen Folgen seines Handelns oder Unterlassens durch Selbsterkenntnis und Selbstkritik deutlich werden.
- Seine von ihm geschaffenen Denk- und Werkzeuge ( Wissenschaft und Forschung, neue Technologien etc. ) bieten ihm die Möglichkeiten zur Rückkopplung seiner Handlungsfolgen in seine Denkprozesse und somit zur Korrektur und Umkehr.
- Wenn der Mensch die Fähigkeiten seines Gehirns nicht wirklich nutzt, wenn der Mensch ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen und ohne Rücksicht auf die eigenen Nachkommen nur seinem aktuellen Vorteil nachstrebt, gefährdet er die Zukunft der Art. Er handelt dem Ziel der Evolution entgegen - er handelt dumm, er handelt böse.
Daher meinen wir Autoren, dass wir heute an einem Wendepunkt der Menschheitsentwicklung angekommen sind, an dem es notwendig ist, inne zuhalten, über die jetzt notwendigen Weichenstellungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt für die Zukunft nachzudenken und trotz aller Schwierigkeiten den zukünftig richtigen Weg zu bestimmen.
"Unser Spielball"
(Montage Heinz G. Klug)